FrontKolumnenDas Krimilungenlied

Das Krimilungenlied

Intrige und Neid, seit Clodius Pulcher bis Rosamunde Pilcher würzige Zutat aller Geschichte(n)

Clodius Pulcher war ein gerissener römischer Politiker, der die Republik auf das Kaisertum vorbereitete. Seine Tochter Clodia war die Frau des Oktavian, des späteren Caesars Augustus. Rosamunde Pilcher ist die englische Colette oder Vicky Baum oder Françoise Sagan der heutigen Zeit.

Als das weströmische Reich um das Jahr 400 nach Christus in Agonie versank, waren die Burgunden, ursprünglich auf Bornholm (Dänemark) zu Hause, im Zug der Völkerwanderung bereits bis nach Worms am Rhein vorgestossen, wo sie als Söldner der Römer andere germanische Volksscharen am Überqueren des Rheins hindern sollten. Ihr König war bis 455 der historische Guntahar, besser bekannt als König Gunther des Nibelungenlieds. Er soll Brüder und eine Schwester, Kriemhild, gehabt haben. Siegfried, Königsohn vom Niederrhein und Erbe des Nibelungenschatzes, ein wahrer germanischer Recke, der in seiner Jugend einen Drachen getötet und in dessen Blut gebadet hatte, warb um Kriemhild. Um sich Gunther und seine Brüder geneigt zu machen, verschaffte er Gunther die damals schönste, aber auch stolze und wehrkräftige Brünnhilde aus Island. Brünnhilde hätte lieber den Siegfried geheiratet. Doch weil er sich als Lehensmann der Burgunden ausgab, kam eine Heirat mit dem im Rang niedrigeren Siegfried nicht in Frage.

Die denkwürdige Hochzeitsnacht

Es sollte zur Doppelhochzeit kommen: Gunther ehelichte  Brünnhilde, Kriemhild vermählte sich mit Siegfried. Gunther hatte sich schon vor der Hochzeitsnacht dreimal in das Gemach der Brünnhilde gewagt, aber keine Chance gehabt, seine Braut zu übermannen. Diese schnappte den Burgundenkönig, fesselte ihn und liess ihn an einem Nagel in ihrem Zimmer baumeln.

In der Hochzeitsnacht bat Gunther Siegfried, ihm bei der Eroberung der stolzen Brünnhilde zu helfen. Nachdem Siegfried seine eigene Ehe vollzogen hatte, schlich er zusammen mit Gunther in die Kemenate der Königin. Dank einer Tarnkappe unsichtbar, packte Siegfried die Widerspenstige und spielte ein betörendes Vorspiel, bevor er Gunther zuflüsterte, Brünnhilde sei jetzt zubereitet und angerichtet. Erst einmal entjungfert, fand Brünnhilde nie wieder zu ihrer alten Stärke zurück. In jugendlichem Übermut nahm Siegfried Brünnhildes Ring und  (Keuschheits-?)Gürtel mit in seine eigene Unterkunft. Kriemhild, zornig, dass Siegfried sie allein gelassen hatte, liess sich durch die beiden Beutestücke, die ihr Siegfried überreichte, besänftigen.

Hass und Intrigen

Gunther hatte einen getreuen Lehensmann, den düsteren Hagen von Tronje. Dieser hatte sich geschworen, Siegfried den Schatz der Nibelungen abzunehmen. Er erfuhr wohl an einem reinen Männerabend, wie Siegfried mit seiner Tarnkappe Brünnhilde überlistet hatte. Wissen – das wusste schon Hagen – ist eine Macht, die er zu gegebener Zeit ins Spiel bringen würde.

Siegfried und Kriemhild wohnten meistens in Xanten, wo der Kronprinz unterdessen die Königswürde übernommen hatte. Brünnhilde, die dumpf ahnte, dass es bei ihrer Hochzeit nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen war, drängte Gunther, seinen Schwager samt Frau an den Wormser Hof zum Ritterspiel zu rufen. Bei ihrer Ankunft beharrte Brünnhilde auf dem Vortritt vor Kriemhild beim Portal des Doms, denn  ihrer Meinung nach war Siegfried immer noch ein Lehensmann ihres Gemahls. Es kam zu Gerangel und Streit. Kriemhild verlor. Aus Rache zeigte sie ihrer Feindin die Beutestücke aus Brünnhildes Hochzeitsnacht, die sie sorgfältig aufbewahrt hatte. Brünnhilde erkannte, wie sie übertölpelt worden war. Sie zog Hagen ins Vertrauen, der seinerseits das Vertrauen Kriemhildes erwarb, der er versprach, ihren Mann bei einem Überfall zu schützen. Sie verriet ihm, dass Siegfried nicht am ganzen Körper unverletzlich sei. Seine Achillesferse war die Schulter, auf die beim Drachenblutbad ein Eichenblatt gefallen war. Heimlich nähte Krimhilde ein Kreuzchen auf das Wams ihres Mannes. Bei einer Jagd, bei der Siegfried aus einem Teich Wasser schöpfte, durchbohrte ihn Hagens Speer. Kriemhild kam schnell dahinter, wer der Mörder war, als Hagen den Schatz der Nibelungen hob. Kriemhild zog sich vom Hof zurück und ehelichte den Hunnenanführer Etzel (Attila).

Blutige Vergeltung

Auch Kriemhild veranstaltete am Hof Etzels ein Rittertournier, zu dem sie ihre Verwandten einlud. Hunnische Gefolgsleute erschlugen ohne Wissen Etzels Gunther und seine Brüder. Den Mörder ihres Manns aber nahm sich Kriemhild selber vor. Mit dem Schwert Siegfrieds, Balmung, schlug sie Hagen den Kopf ab. Zuvor hatte dieser den Schatz im Rhein versenkt, wo er heute noch auf seine Hebung wartet. Soweit die Nibelungensage. Historisch belegt ist, dass Hunnische Vasallen Roms die Burgunden zunächst nach Genf und ins Savoyische Hinterland vertrieben, später siedelten sie sich in der Gegend des heutigen Burgunds an. Historisch ist auch, dass sich Kriege auf die Dauer nie gelohnt haben. Hass erzeugt Gegenhass, ob nun in Worms bei Kriemhild oder auf der Krim beim zeitgenössischen Krimi um Macht und Vorherrschaft.

Es waren heroische Zeiten damals, und wie immer in heroischen Zeiten litt niemand so sehr wie das gemeine Volk.

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