FrontKolumnenOstern: Zeit der Versöhnung

Ostern: Zeit der Versöhnung

Karfreitag: Tag des Leidens, des Todes.

Am Karfreitag ist er verurteilt, ans Kreuz geschlagen worden. Er nahm es hin. „Es ist vollbracht“, für uns, die Welt; er hat uns von den Sünden befreit. An Ostern ist er auferstanden von den Toten, ist in den Himmel gefahren, für uns, die Welt: Jesus Christus. Die Figur, den die christliche Welt verehrt, an ihn glaubt, von ihm das Heil erwartet.

Ostern 2015. In Syrien, im Irak schlagen IS-Kämpfer Menschen den Kopf ab, weil diese an diesen Jesus Christus glauben, von ihm geprägt sind. In Kenia überfallen islamische Fundamentalisten in Nairobi eine Universität, töten über 140 christliche Studenten, weil diese nicht an Allah glauben, Ungläubige sind.

Die Religionen sind auch an diesen Ostern wieder einmal allgegenwärtig, und mir stellt sich die bange Frage: Gibt es denn unter den Religionen nicht einen, wenn auch nur einen kleinen, gemeinsamen Nenner? Sind selbst die universellen Menschenrechte nicht für alle gültig? Sind nicht alle Menschen gleich, haben nicht alle die gleichen Rechte, zumindest unter den Religionen? Die Antwort ist so klar, wie verheerend: Es gibt diesen gemeinsamen Nenner nicht.

In Lausanne kam zustande, was so nicht viele erwartet haben: Iran will auf die Entwicklung und letztlich auf die Produktion von Atomwaffen verzichten, will dafür einhandeln, dass der Westen die Wirtschaftssanktionen gegen das Land aufhebt, das Land wieder in die Weltgemeinschaft aufnimmt. In Jerusalem tobt der Ministerpräsident, weil er nicht will, dass der Iran von den Sanktionen befreit wird, wieder zur Blüte kommt. Republikaner in den USA toben, weil sie dem Iran nicht vertrauen, letztlich keinen Frieden in Nahen Osten wollen, lieber in der Versteifung verharren.

In Nigeria wüten Aktivisten von Boko Haram, die ganze Dörfer überfallen, die Einwohner hinrichten oder entführen, vor Jahresfrist Dutzende Mädchen einer Schule mitschleppten und diese nach wie vor gefangen halten.

In der Ukraine wird das Minsker Abkommen täglich verletzt. Immer wieder sterben Menschen, Soldaten auf beiden Seiten. Ist es die weit reichende Absicht von Russlands Autokraten Putin, der ein Eurasien schaffen und die Ukraine, zumindest die Ostukraine, in dieses Staatengefecht einverleiben will, oder sind es einfach machtorientierte Menschen, ehemalige russische Geheimdienst-Offiziere, gesteuert von Moskau, die an die Staatskassen wollen, um sich schlicht zu bereichern?

Ostern 2015. Der Papst hat wie jedes Jahr der Stadt Rom und dem Erdkreis den Segen Urbi et Orbi gespendet und engagiert zum Frieden unter den Völkern aufgerufen. Die Tausenden auf dem Petersplatz zu Rom applaudierten, die Worte verhallen, werden wohl nur bei den Gläubigen auf- und wahrgenommen.

Welcher Zwiespalt auch dieses Jahr. Wie nötig wäre der Frieden, wie nötig wären die universellen Menschenrechte. Aber selbst bei uns, in unserem Land, werden sie in Zweifel gezogen. Die nationalen Grundrechte, die nationale Gesetzgebung, sollen über den internationalen Rechten stehen. Selbst bei uns wird von Teilen zuerst nach innen statt nach aussen, an die universellen Menschenrechte gedacht.

Und zu oft wird auch in unserer kleinen Welt das Trennende vor dem Gemeinsamen gehegt und gepflegt, nicht zuletzt unter uns älteren Menschen.

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