FrontKolumnenDie Männer vor der Küchentür

Die Männer vor der Küchentür

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Mein alter Freund Jakob ist nicht gerade das, was man sich unter einem im Haushalt tüchtig zupackenden Mann vorstellt; Staubsauger oder Waschmaschine kennt der distinguierte Herr bestenfalls aus der Werbung. Doch jetzt, da auch er sich seiner Pensionierung nicht mehr entziehen konnte, soll das anders werden. Nach Jahrzehnte langem Lamentieren seiner Gattin, der Erna («Lerne endlich Kochen, du weisst ja nie, ob du einmal auf dich selber gestellt sein wirst…»), besucht er einen Kochkurs. Einen jener Kurse, die sich in fröhlicher Runde mit anderen distinguierten Herren abspielen, mit Witze erzählen, einem guten Tropfen und fröhlichen Liedern, in denen nebenbei aber auch Rezepte ausprobiert und Speisen zubereitet werden.

Wer nun allerdings meint, es handle sich dabei um vernünftige Hausmannskost, ist zünftig auf dem Holzweg: Rösti mit Bratwurst? Gehacktes mit Hörnli? Ein Poulet aus dem Backofen? Mitnichten! Als Jakob seinen jüngsten Kursabend rekapitulierte, lief mir wahrhaftig das Wasser im Mund zusammen. «Zum Auftakt ein Teller mit geräucherter Forelle, Lachs und Spargeln, gefolgt vom Ruccolasalat mit Lyonerstreifen, dann die Gurkenkaltschale mit Dill. Der Hauptgang – oh la la! Chateaubriand an Morchelsauce, Zitronenreis mit Mandeln, dazu gedämpfte Tomaten und Broccoliröschen. Und zum Abschluss heisser Schokoladepudding mit Birnen!»

Neulich waren meine Frau und ich bei unsern Freunden zum Essen eingeladen, und ich war gespannt, was Jakob auf den Tisch zaubern würde. Irritierenderweise beschränkte sich sein Engagement – wie gewohnt – auf das Kredenzen des exzellenten Weins, derweil Erna in der Küche wirkte und schliesslich – wie gewohnt – ein exquisites Mahl servierte. Als sich nach dem Essen die beiden Frauen (ganz traditionelle Rollenverteilung) dem Abwasch widmeten und wir Männer uns auf der Terrasse eine Zigarre gönnten, wandte ich mich an Jakob: Eigentlich hätte ich schon mit einer Kostprobe seiner Kochkünste gerechnet. Wieso denn…?

Verlegen druckste mein Freund herum. «Weisst du, die Küche ist für mich ziemlich tabu – gesperrtes Gebiet sozusagen, das unantastbare Reich der Frau eben. Selbst zum Salat waschen genüge ich den Ansprüchen nicht, und auch das Kartoffelschälen wurde mir nach einem ersten Versuch wieder entzogen. Du kennst ja meine Erna! Was mir kulinarisch zugestanden wird ist das gelegentliche Rösten von Servelas auf dem alten Holzkohlengrill hinter dem Gartenhäuschen. Aber schon Koteletts sind untersagt; damit sei ich bestimmt überfordert. Du kennst ja meine Erna!» Als seine Gattin kürzlich an einer Klassenzusammenkunft teilgenommen habe, sei er zum Zmittag halt ins Migros-Restaurant gegangen.

Als wir auf dem Heimweg im Auto sassen, schmunzelte meine Frau vor sich hin. Erna habe in der Küche das alte Klagelied angestimmt, Jakob wolle einfach nicht mit Kochen beginnen, da nütze ihr ganzes Bitten-Drohen-Flehen nichts: «Ich bringe ihn mit dem besten Willen nicht in die Küche! Dabei wäre es doch an der Zeit, dass uns die Männer endlich einen Teil dieser ewigen Kocherei abnähmen…»

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