Gesellschaft

Ein Generationenhaus im Berner Zentrum

Ein Begegnungsort für Jung und Alt, an bester Lage neben dem Hauptbahnhof, darin sieht die Burgergemeinde Bern die neue Bestimmung des traditionsreichen Burgerspitals.

Ein Haus für die ganze Stadt sollte es werden, das Burgerspital. Über Jahrzehnte hinweg wurde es nur als Alterswohnheim genutzt. Nun hat es sich nach mehr als zweijähriger Umbauzeit allen Interessierten geöffnet.

Rund um den ehrwürdigen barocken Bau braust der Verkehr, eilen Passanten in alle Richtungen. Die Besucherin tritt durch das Tor in den von Sonne erfüllten, grünen Innenhof und findet eine entspannende Oase. War der grosszügige Hof früher ein stiller, aber auch vorwiegend leerer Ort, sieht man nun auf diesem heiteren, nicht überfüllten Platz Menschen, die sich zu einem Gespräch treffen oder nur Ruhe suchen.

Auch für berufstätige Eltern wurde das Burgerspital attraktiv: Ihre Kinder können im hinteren Teil, dem alten Kapellentrakt, die «Kita-Spittel LeoLea», besuchen. Im Erdgeschoss findet man Anlaufstellen für unterschiedliche Dienstleistungen, sei es im Bereich Beratung, Pflege oder soziale Sicherheit, sei es eine kleine Filiale der Kornhausbibliotheken oder Freizeitangebote. Im ausgebauten Dachgeschoss wurden verschiedene Räume eingerichtet für private und öffentliche Veranstaltungen, Konferenzen, Sitzungen, Kursangebote. Schon seit einigen Monaten hat sich in Bern herumgesprochen, dass sich im Restaurant «toi et moi» gut speisen lässt.

Nur das zweite Obergeschoss dient noch dem alten Zweck: «Wohnen im Alter» mit mehreren Wohngruppen für insgesamt 32 demenzkranke Menschen.

Bei einem Rundgang durchs Erdgeschoss entdeckt die Besucherin eine Fülle von Angeboten – vom Berner GenerationenChor, in dem 80 Sängerinnen und Sänger im Alter von 30 – 80 Jahren mitwirken, – bis zur Mütter- / Väterberatung und zahlreichen Organisationen, die hier ein Büro eingerichtet haben.

Seniorweb sprach mit Barbara Belz, der Vertreterin des Helpdesk Rotes Kreuz, und fragte sie, ob sie sich am neuen Ort wohlfühle. „Ja, auf jeden Fall“, antwortete Frau Belz spontan, „es ist noch ungewohnt, mit so vielen verschiedenen Institutionen Tür an Tür vertreten zu sein, aber alle schätzen die Möglichkeiten zu unkomplizierten Kontakten und schnellem Austausch sehr. Eine gute Voraussetzung für ein Netzwerk. Das kann aber nicht von heute auf morgen aufgebaut werden.“

Das Helpdesk Rotes Kreuz steht allen Rat- und Hilfesuchenden zur Verfügung, ungeachtet ihres Alters. Gerade dafür ist die Bahnhofsnähe von grosser Bedeutung. „Wer sich in einer ausweglosen Situation befindet, kann bei uns in persönlichem Kontakt über seine Sorgen reden, und wir suchen geeignete Kontakte oder Fachpersonen, die weiterhelfen können“, erklärt Frau Belz. „Wir können bei Bedarf auch Hilfe in gesundheitlichen oder sozialen Notlagen anbieten.“ Eine anspruchsvolle Tätigkeit! Auf die Frage, wie rege der Beratungsdienst genutzt werde, antwortet Barbara Belz, dass ihre Angebote noch bekannt werden müssten, zur Zeit seien sie noch nicht ausgelastet, es kämen vorwiegend Migrantinnen und Migranten.

Auf der anderen Seite des weitläufigen Gebäudes guckt die Besucherin in die Bibliotheksfiliale und findet eine Gruppe jüngerer und älterer Menschen, die offensichtlich einen Versand vorbereiten. Es handelt sich um Mitglieder des Vereins «Lesen und Schreiben Bern». Er bietet kostengünstige Kurse für deutschsprachige Erwachsene an, die unsicher beim Lesen, Schreiben, Rechnen und am Computer sind. Auch für solche Angebote ist die günstige Lage und die Möglichkeit, zwanglos vorbeizukommen, ein grosser Vorteil.

Für Kinder gibt es Themennachmittage und Kurse, die dem Trend entsprechend eventartig gestaltet sind, unter anderem Barkeeper-Kurse oder Filmnachmittage, wo die Kinder selbst auswählen, welchen von drei Filmen sie sehen wollen.

Die Sanierung und Restaurierung des Gebäudes scheint der Besucherin voll gelungen. Alte Bänke, schlichte moderne Sessel und altehrwürdige Wandschränke in den Gängen, witzige Symbole zur Orientierung und viel Licht durch die grossen Fenster zur Hofseite hin.

Der Bauherrschaft des Burgerspitals ist die Verbindung von moderner Technik zur Erhöhung des Komforts und der Erhaltung der historischen Elemente des Gebäudes gelungen. Erbaut wurde „das schönste Barockgebäude Berns“ 1732 bis 1732, damals ausserhalb der Stadtmauern. Der Bau besticht durch seine schlichte Kraft, klare Linien und wenig Zierrat.

Unter dem Motto «Hereinspaziert!» feiert das GenerationenHaus nach ca. einem halben Jahr Einzug und Einrichtung vom 8. bis 14. Juni 2015 das offizielle Eröffnungsfest.

Programm Spittelfest 2015

alle Fotos: mp