FrontGesellschaftZu Besuch bei „20 Minuten“

Zu Besuch bei „20 Minuten“

Die Seniorweb-Redaktion wollte sich bilden. Und besuchte die Nachbarin, die Redaktion von „20 Minuten“. Unsere Büros befinden sich in Zürich an derselben Strasse.

Viele Mitglieder der Seniorweb-Redaktion haben einen Medienhintergrund. Waren zeit ihres Lebens Medienprofis. Mir fehlt das. Umso überwältigender fand ich diese gut einstündige Besichtigung der Gratiszeitung. Entsprechend naiv war meine Frage, wer denn „das alles“, damit meinte ich die Räume, die Menschen, die Bildschirme…..,finanziere. Unser Betreuer zeigte auf ein Inserat im gedruckten Exemplar:„Das schenkt ein“, sagte er kurz und knapp. Er war sowieso ein völlig unaufgeregter Typ, der uns in einer informativen Übersicht das Wichtigste vermittelte. Auf unsere Fragen geduldig einging. Sein Spass und seine Freude, hier dazu zu gehören, waren aber trotz seiner Zurückhaltung nicht zu übersehen!

Blick in die grosse Redaktionsstube von «20 Minuten»: Auf dem grossen Bildschirm wird angezeigt, welche Online-Beiträge gefragt sind.

Beeindruckt hat mich, dass die Redaktorinnen und Redaktoren alles beherrschen müssen: Print und Online. Sehr anspruchsvoll, denn gedruckt ist gedruckt. Da muss in einem Text alles stimmen. Im Netz müssen mit einer Nachricht vor allem möglichst viele Menschen angesprochen werden. Das kann laufend an der begleitendenen Bildschirmkurve kontrolliert werden. Gibt es einen Aufschwung, lässt man die Nachricht laufen. Gibt es einen Absturz, kann sie sofort wieder entfernt werden. Beides zu beherrschen, Print und Online, scheint mir sehr anspruchsvoll.

Immer wieder betonte unser Begleiter, dass „20 Minuten“ auf ein junges Publikum ausgerichtet sei. Da will ich als Leserin mal über eine gewissen Zeit ausprobieren, ob ich durch das Lesen dieses Produktes für junge Menschen allenfalls als Konsumentin auch etwas verjüngt werde? Ich erinnere mich, dass ich früher für meine Haarwäsche ein Baby-Shampoo verwendet habe. Das hatte auch eine sehr belebende Wirkung!

Gaudenz Looser, Blattmacher und Mitglied der Chefredaktion «20 Minuten» (am Bildschirm) erkärt der Seniorweb-Redaktion die aktuelle Faktenlage. (Bilder: Josef Ritler)

 

Das Herzstück der Ausführungen aber war die Aussage: „Wir sind Dienstleister“. Seine Zeitung, ob Print oder Online, wolle keine besondere Sicht der Dinge vermitteln, die Leser nicht beeinflussen, nicht meinungsbildend in eine Diskussion eingreifen, meinte unser Coach. Sondern einfach „Stoff“ zur Verfügung stellen. „Stoff“, zusammengesetzt aus der Beschreibung der grossen und kleinen Dinge, die tagtäglich geschehen. Die Fakten müssen stimmen, aber so dargeboten werden, dass der oder die Konsumierende meint, das müsse unbedingt gelesen werden! „Wichtiges“ (in meinen Augen) steht ja auch kunterbunt neben „Belanglosem“ (in meinen Augen). Und, der „Stoff“ fällt nicht vom Himmel einer Redaktionsleitung, die sich tiefe Gedanken über die längerfristige ideelle Ausrichtung ihres Blattes macht. Nein, der „Stoff“ kommt von unten, von den Mitgliedern der Redaktion, von Leserreportern.

Da könnten die Politikerinnen und Politiker ja noch etwas lernen! Denn online zeigt die Bildschirmkurve sofort unbarmherzig an, ob die Gefühle, Bedürfnisse, Nöte und Ängste des „Volkes“ erreicht wurden. Also Zielpublikum von „20 Minuten“ sind ja die unter 25jährigen. Aber dieser Altersgruppe hechtet die Politik ja auch immer hintennach.

Einen veritablen Gag, wie er nicht besser hätte erfunden werden können, bot uns die Realität an, als wir uns verabschiedeten. Unser liebenswürdiger „Führer durch den Betrieb“ verteilte seine Visitenkarte: „Gaudenz Looser“ stand darauf. Schallendes Gelächter war unsere Reaktion. Wie einen „Verlierer“ hatten wir ihn und seinen Betrieb nicht kennen gelernt. Ja, die besten Geschichten schreibt das Leben eben immer selbst!

Nebenbei, weil die Fakten ja stimmen müssen: „Verlierer“ also „loser“ schreibt man im Englischen mit einem „o“. Aber das war im aktuellen Zusammenhang ja völlig nebensächlich!

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