FrontKolumnenDie Putzfrau der Putzfrau

Die Putzfrau der Putzfrau

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Wer als Familien-, Geschäfts-, Haus-, Business- oder Sonst-Frau heutzutage in, dabei und akzeptiert sein will, hält sich eine Putzfrau. Selbst dann, wenn eigentlich für das Sauberhalten der pflegeleichten Appartementwohnung durchaus genügend Zeit vorhanden wäre, gehört die Reinigungsfachkraft ganz einfach zum Must: Wie würde man sonst dastehen vor den Freundinnen im Golfklub, im Fitnesscenter oder den Kolleginnen am Arbeitsplatz?

Nehmen wir zum Beispiel die schnittige Gaby Kaufmann, die als Human Resources Allrounder im globalen Business tätig ist: Mann, zwei Kinder, Pferd, Swimmingpool, Ferienhaus auf Gran Canaria. Während ihr Göttergatte finanziell für das übliche Leben sorgt, ist sie für die Extras wie Kinderkrippe, Drittwagen, Reitstunden der älteren Tochter, Beauty-Salon-Abonnement und so weiter zuständig.

Wie soll sie da noch mit dem Haushalt fertig werden? Also engagiert sie in der Nachbarschaft Betty Clean als Putze. Denn Wischen, Saugen, Fensterputzen und die Bodenplatten feucht aufnehmen – das alles ist ja wirklich nicht das Gelbe vom Ei! Betty Clean ihrerseits kann den finanziellen Zustupf gut gebrauchen und gibt ihr Bestes, auch wenn das Saubermachen nicht unbedingt ihre wahre Stärke ist.

Nun ist es allerdings so, dass auch Betty etwas auf sich hält, dass sie in, dabei und akzeptiert sein will. Und wer so denkt – na, Sie tippen richtig: Sie braucht eine Putzfrau, denn sonst steht sie daneben. Also beschafft sie sich eine Reinigungskraft, die sich aus ihrem Zusatzverdienst bei Gaby Kaufmann recht gut finanzieren lässt. Die Krux ist bloss, dass auch diese gesellschaftlich nicht neben den Schuhen stehen möchte, und halt neben dem eigenen Auto und der Sauna im Keller auch – eine Putzfrau braucht.

Dieser Rattenschwanz hat zur Folge, dass die Raumpflegerinnen rar werden und immer gefragter und damit teuer, und teurer und schliesslich bald fast nicht mehr bezahlbar: Hier spielt in einem ganz profanen Segment der Markt mit seinen Gesetzen von Angebot und Nachfrage. Und alle, alle Sauber-Mach-Frauen möchten in, dabei und akzeptiert sein.

Ein Teufelskreis, dem sich mit der Zeit auch Gaby Kaufmann nicht mehr entziehen und sich die Dienste von Betty Clean nur noch unter grössten Sparanstrengungen leisten kann. Und so kommt der Tag, an dem sie nach langem Rechnen und Prüfen unzähliger Alternativen ihren Job als Human Resources Allrounder an den Nagel hängt und – putzen geht, weil das unterdessen monetär lukrativer ist und mehr einbringt.

In ihrem eigenen Haushalt mag sie indessen nach wie vor nicht selber zupacken: Das überlässt sie weiterhin Betty Clean, bei der sie mittlerweile selber putzen geht. Und die Moral von der Geschicht‘: Hauptsache man ist in, dabei und akzeptiert.

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