FrontKolumnenDer Schrecken von Paris

Der Schrecken von Paris

Gemeinsam gegen den Terror.

Freitagabend. Alle, die etwas erleben wollen, sind unterwegs. 80`000 im Stadion „Stade de France“ beim Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland, Präsident François Hollande mit dem deutschen Aussenminister Frank-Walter Steinmeier in der Ehrenloge. Tausende sind im Ausgang, 1500 im Konzertsaal „Bataclan“. Erwartungsvolle junge Menschen amüsieren sich in den Cafés rundherum.

Auf einen Schlag gehts los. Schwarz gekleidete junge Männer mit Kalaschnikows in den Armen, den Zeigfinger am Abdruck, ballern los, morden , strecken nieder, wer sich gerade in ihrem Schussfeld befindet. Im Konzertsaal richten sie ein Blutbad an. Ein Reporter, der sich aus dem tödlichen Feuerschlag retten kann, fordert mit seinem Handy die Polizei auf, zu stürmen, noch Schlimmeres zu verhindern. Die Attentäter, nun selbst bedrängt, greifen an ihre Sprengstoffgürtel, sprengen sich in die Luft, hinterlassen kaum Spuren. Die Attentäter haben „ihre Pflicht“ getan. Ihnen warten die „Freuden des Paradieses“.

Die vorläufige Bilanz ist niederschmetternd: gegen 130 Tote, 200 Verletzte, 80 davon schwer. Die Welt erwacht, trauert weit herum. Lediglich der Islamische Staat und die, die ihm nahestehen, frohlocken, feiern die brutale und wohl koordinierte Kriegsaktion als Sieg über die Ungläubigen, die am Freitagabend frohgemut ausgehen, sich amüsieren, die eines im Anspruch nehmen: ein eigenständiges Leben, die Freiheit. Wir Daheimgebliebenen sitzen schockiert vor den Bildschirmen. Die Moderatoren der Fernsehstationen versuchen mit Experten zu klären, schalten zu ihren Reporteren, die sich zu den Orten des Schreckens hinbewegen, hinhetzen.

Die beiden Nationalmannschaften verbringen die Nacht im Stadion zusammen, gemeinsam in schwerer Stunde. François Hollande ruft zum Krisenstab, erscheint kurz vor 24 Uhr auf dem Bildschirm, spricht zur Nation. Noch ist von 40 Toten die Rede, gegen 1 Uhr wird es zur Gewissheit: Im Konzertsaal allein sind 80 Menschen im Kugelhagel umgekommen. Die Zahl der Toten steigt, von den unzähligen Verletzten wird noch nicht berichtet; ihre Zahl ist noch völlig unbekannt. Der ARD-Reporter ist beim Konzertsaal „Bataclan“ angekommen, er steht mitten drin, die Verletzten werden von Sanitätern versorgt, er beobachtet life, wie gerade bei ihm ein Mann stirbt, er sieht, dass eine junge Frau, schwer verletzt, um ihr Leben ringt, hofft, dass sie noch rechtzeitig abtransportiert und in eine Klinik verbracht werden kann. Er ist sich dessen aber nicht sicher; zu viele warten noch.

In den Samstag-Zeitungen ist noch alles ungewiss. Die Redaktionsschluss-Zeiten verunmöglichten eine umfassende Berichterstattung. Das bleibt am Samstag den Radio- und Fernsehanstalten vorbehalten. Gegen 11 Uhr verkündet der selbsternannte Islamische Staat IS, die brutale Terrororganisation, dass er für den Schrecken von Paris verantwortlich ist. François Hollande spricht ein zweites Mal zur Nation und ist unmissverständlich: Frankreich wird sich nicht in die Knie zwingen lassen. Die gleichen Signale kommen aus Washington, aus Berlin, aus London, selbst aus Moskau: Dem Terror wird gemeinsam der Kampf angesagt. Was darunter zu verstehen ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Eines ist sicher: Die Bekämpfung des IS aus der Luft, wie bislang, wird nicht genügen. Der Kampf am Boden gegen den IS kann nicht allein den Kurden überlassen bleiben.

In der Schweiz nimmt Simonetta Sommaruga, die Bundespräsidentin, resolut das Zepter in die Hand, stellt sich den Medien, ruft einen Krisenstab zusammen, analysiert die Situation, ergreift erste Massnahmen und unterstreicht, dass die Kooperation, die Koordination insbesondere mit Frankreich, sehr eng erfolgt, dass insbesondere der Nachrichtendienst gefordert sei, dass dieser mit den Diensten in den Nachbarländern eng zusammenarbeitet und laufend alle notwendigen Informationen austauscht.

Und so trifft es sich in Tat gut, dass gerade der Nachrichtendienst besonders enge Beziehungen zu den europäischen Geheimdiensten pflegt, sich quasi eingegliedert hat in ein System, das durch einen umfassenden Informationsaustausch gemeinsam ein Ziel verfolgt: mehr Sicherheit in Europa und damit auch für die Schweiz.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel