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Wurm statt Wurst

Der beliebte Radio-und Fernsehreporter Kurt Zurfluh ist auf den Wurm gekommen. Was er alles erlebt hat, beschreibt er im Seniorweb.

Man kennt ihn fast nicht anders. Immer braungebrannt und gut gelaunt. Nach 250 TV-Sendungen „Hopp de Bäse“ zieht es ihn oft in den fernen Osten. Seit 2014 steht Kurt Zurfluh für den Regionalsender Tele1 wieder vor der Kamera, besucht für die Sendung „unterwegs“ vorwiegend Innerschweizer Dörfer und berichtet über Sport, Politik und Musik.

Vier mal im Jahr reist er in den fernen Osten, vergisst dort jeweils Bratwurst und Rösti, tummelt auf den Märkten herum und wagt sich an waghalsiges Essen.

Die Eindrücke seiner letzten Reise beschrieb er in der „Zentralschweiz am Sonntag“.
Das wollen wir im Seniorweb auch lesen. Darum lassen wir ihn zu Wort kommen.

Die letzte Kolumne stand unter dem Titel „WHO ist mir Wurst“. Sie befasste sich mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, dass wir auf unsere so geliebten Cervelats verzichten sollen, weil sie das Risiko auf Krebs erhöhen könnten. Gross eingeschränkt habe ich mich  nicht, wollte aber den Gesundheitsaposteln doch noch ein paar Denkanstösse liefern. So machte ich während meiner zweimonatigen Fernostreise etwas Feldarbeit und befasste mich mit „aller Gattig“ Lebensmitteln, die für Beamte von Bundesämtern und Gesundheitsorganisationen aufschlussreiche Informationen liefern könnten. Die ganze Angelegenheit steht sozusagen unter dem Motto „Wurm statt Wurst“.

Gegrillte Ratten

Da wäre also mal das „falsche Huhn“, die gegrillte Ratte, die in Kambodscha als Leckerbissen gilt. Wenn sie vom Grill kommt – versehen mit einigen scharfen einheimischen Kräutern – ist sie besonders lecker, kann aber auch als Suppenfleisch, wie beispielsweise unseren populären „Spatz“ genossen werden. Ich habe vor 45 Jahren dem Küchenchef in der Rekrutenschule nie so recht getraut… „Falsches Huhn“ heisst die Ratte vom Grill, weil sie nach einem gebratenes Huhn (nicht zu alt) schmeckt. Wenn wir schon bei den Hühnern sind, Füsse derselben werden frittiert fast auf jeder Speisekarte in China angeboten. Damit könne man den Blutdruck regeln, sagte mir eine Garköchin, die sehr gesund aussah…

In Vietnam sah ich einen kleinen Alligator über dem Feuer schmoren, was mich echt schockierte. Von diesem Fleisch hätte ich nie und nimmer gegessen, von einer Schlange schon eher. Das Fleisch ist fettig und sehr geschmacklos, fast ein wenig einem Aalfisch ähnlich. Kaum jemand mag Spinnen, weder lebend noch tot. In Laos tönt es bei den hoch dekorierten Köchinnen der Garküchen etwas anders. Sie legen die Spinnen in Zucker und eine Chili-Zitronen-Mixtur für eine gute halbe Stunde ein, um sie nachher im heissen Öl zu frittieren. Als Apero mit einem kühlen Luzerner Riesling-Sylvaner sehr zu empfehlen. Man kann den Wein aber auch ohne Spinnen geniessen…

Langsam komme ich zur Pièce de résticance, zu den Höhepunkten der ganz privaten Menükarte für WHO-Angestellte. In Thailand sind Heuschrecken, aber auch andere Insekten längst zu einer Delikatesse geworden. Gegrillt schmecken sie besonders gut, wenn man noch ein wenig Zitronengras und Chili dazu gibt. Da lasse ich jedes Erdnüsschen oder Pommes Chips links liegen. Wichtig ist, die Heuschrecken vor dem Anbraten noch leicht mit einer Honigglasur zu versehen. Empfehlenswert als Partysnack, originell, speziell und um einiges billiger als Foie gras oder Lachs.

 

 

 

 

Heuschrecken sind gesund                                              En Guete

Bei einem leckeren Thaibuffet nicht fehlen dürfen die Bamboo-Würmer. Sie sehen zwar dank ihrer weiss gerippten Haut nicht wahnsinnig „amächelig“ aus, setzen aber im Wok im Öl mit Sojasauce und etwas Pfeffer sowie roten Chilischoten noch an Geschmack zu. Und was ich selbstverständlich nicht verschweigen kann: 100 Gramm Bamboo-Würmer enthalten 121 Kalorien und etwa 13 Gramm Protein. Ich habe ein paar wenige 100 Gramm genossen, seither ist mein Hemd zu klein, weil der Bizeps innert kürzester Zeit aus den Fugen geraten ist. Aber was ich noch sagen wollte: Grundsätzlich ist mir eine Schweizer Wurst lieber als alle diese fernöstlichen Delikatessen zusammen.

Da sind noch einige Fragen offen.

Hast Du das wirklich alles gegessen?

Ich probiere alles, habe einige Sachen noch gar nicht aufgezählt, so auch verschiedene Innereien. Ganz ehrlich muss ich sagen, dass ich noch nie eine Magenverstimmung hatte. Aber ich esse kaum rohe Sachen, sondern immer gekochte. Zudem habe ich immer ein Fläschchen mit Schweizer Kirsch bei mir, davon nehme ich am Abend immer ein Gläschen.

Wo findet man die Leckereien?

Ich gehe immer gerne auf Märkte, wo man allerhand an Lebensmitteln, Fleisch, Fisch, Gemüse, Früchte usw. sieht. Dort hat es auch immer feine Garküchen, wo „alles was kräucht und fläucht“ angeboten wird. Das  reizt mich, denn ich will ja in diesen Ländern wirklich einheimische Kost geniessen. Bratwurst und Rösti kann ich in der Schweiz wieder essen.

Sind die Spezialitäten teuer?

Das Essen in den fernöstlichen Ländern ist grundsätzlich sehr billig. Für ein paar wenige Franken bekommt man eine wunderbare Mahlzeit, z.B. in Thailand gebratener Reis, Gemüse, Hühnerfleisch.

Und was ist Dein Lieblingsgericht?

Ich habe sehr gerne Fisch, in allen Variationen, das kann dann aber auch mal einer aus dem Vierwaldstättersee sein. Und gut gewürzt, bei mir hat es immer Chilli in der Sauce, auf dem Fisch, auf dem Fleisch, im Gemüse usw.

Fotos: Kurt Zurfluh und Screenshot

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