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Frühblüher mit Frostschutz

Der Garten im Februar. Wie kommt es, dass Schneeglöckchen und Krokusse keinen Schaden nehmen, wenn das Wetter plötzlich umschlägt, Schnee und Eis alles zudeckt?

Wenn die Februarsonne wie im März scheint, sind sie unvermittelt da: Die kleinen floralen Frechdachse, die nicht warten mögen, bis es richtig Frühling wird. Da blühen ganze Büschel von Schneeglöckchen, dort öffnen Krokusse ihre fast durchscheinenden Kelche und unter dem Haselstrauch recken bereits die ersten Leberblümchen ihre Blütenköpfchen.

Jeden Sonnenstrahl nutzen

Es sind nicht die grossen Stars, die sich beim ersten Hauch von Wärme aus dem Boden wagen, viele eher ein kleines, lockeres Völkchen von zierlichen Blütenpflanzen. Die müssen ganz schnell von jedem Sonnenstrahl profitieren, denn später hätten sie gegen das Laub der Sträucher, der grossen Stauden, keine Chance mehr.

Schneeglöckchen (Galanthus) gehören zu den frühsten Frühlingsboten. (Bilder Bernadette Reichlin)

Deshalb beginnt ihr Lebenszyklus so früh im Jahr, und wenn der allgemeine Laubaustrieb einsetzt, sind ihre Blüten bereits befruchtet, arbeiten ihre Speicherorgane im Boden, die Knöllchen oder Zwiebelchen, bereits auf Hochtouren. Denn bald werden sie für den Rest des Jahres im Schatten sitzen.

Wo bleiben die Wintermäntelchen?

Aber wer denkt denn schon an so prosaische Gründe, wenn er im Garten die ersten Frühblüher entdeckt. Da halten wir uns doch lieber an die Lyriker, lassen des Frühlings blaues Band flattern und rufen freudig «Ja, du bists!».

Und beugen uns ganz tief hinunter zu den zarten Krokussen, die wie kleine Edelsteine aus den letzten Schneeresten hervorleuchten. Ihre Blüten sind so hauchzart, dass jedes Äderchen sichtbar ist. Man fragt sich, wie es möglich ist, dass die Natur solch filigrane Wesen ganz ohne Wintermäntelchen in den nahenden Frühling entlässt.

Frostschutzmittel selbst gemacht

Wer Krokusse im Garten hat, weiss, dass die kleinen Wunderwerke der Natur hart im Nehmen sind. Wird es kalt und liegt Schnee in der Luft, pressen sie ihre kleinen Blütenkelche fest zusammen und in den Laubblättern steigt der Zuckergehalt messbar an. Er ist das Frostschutzmittel, das die Zellen vor dem Erfrieren rettet. Ohne diese biochemische Substanz würden die Zellwände durch gefrierendes Wasser regelrecht zerfetzt. Wer schon mal Geranien gesehen hat, die einen späten Frost abbekommen haben, kennt diesen Prozess.

Auch Märzenbecher (Leucojum vernum) «schaufeln» sich kleine, apere Plätzchen frei.

Auch die Schneeglöckchen (Galanthus) und Märzenbecher (Leucojum vernum) sollen eine eigene Frostschutzanlage besitzen. So steht es jedenfalls in einem alten Botaniklehrmittel. Damit schmelzen sie jeweils den Schnee um ihre Laubblätter herum, heisst es. Und wer mal die kleinen Schneeglöckchengruppen beobachtet, wie sie inmitten von Schneeresten auf kleinen aperen Fleckchen aufblühen, der glaubt diese Theorie sofort.

Fragen über Fragen

Eine Frage treibt mich jeden Frühling um: Da stehen sie, die reinweissen Glöckchen, die gelben, blauen, violetten Krokusse, bald auch die lieblichen Bluebells und die Leberblümchen – aber rote Blüten gibt es im Vorfrühling in meinen Garten keine. Ausser den Hellebori oder Lenzrosen mit ihrem dunklen Purpur. Richtig rot sind aber erst die Tulpen, die deutlich später aufblühen. Und noch eine Frage habe ich: Weshalb werden immer nur die gelben Krokusse von den Mäusen gefressen? Können Mäuse Farben schmecken?

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1 Kommentar

  1. Mäuse können Farben nicht schmecken aber viele Frühblüher sind giftig, deswegen werden sie nicht von Mäusen gefressen. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus der Pflanze.

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