StartseiteMagazinKulturEin rabenschwarzer „Macbeth“

Ein rabenschwarzer „Macbeth“

Es war wieder einmal ein grosser Opernabend, der szenisch wie musikalisch zu fesseln wusste, auch weil hier zwei Könner neue Wege beschritten und am gleichen Strick zogen.

Verdis Shakeaspeare-Adaptation gehört noch zur frühen Schaffensperiode (1847), eingebettet zwischen «Ernani» und «Luisa Miller», ist aber eine seiner eindrücklichsten Opern und von hohem Schwierigkeitsgrad. Wie es der australische Regisseur Barrie Kosky richtig formuliert, ist es ein Totentanz eines machtgierigen Königspaares, ein Kammerspiel zwischen dem machtrunkenen Macbeth und seiner Frau, der Drahtzieherin Lady Macbeth. Der Gegenspieler Banco ist wie alle anderen nur eine Schachfigur, die es aus dem Weg zu räumen gilt. Dass Machtgier vor keinem Mord zurückschreckt, hat uns Shakespeare mit seinen Königsdramen eindringlich ins Hirn gemeisselt. Und Verdi hat daraus wohl seine beklemmendsten Konsequenzen gezogen. Wann ist nackte Angst wohl je hörbarer komponiert worden? Und was er den Protagonisten, aber auch dem Chor an emotionaler Strahlkraft und filigraner Equilibristik zutraut, weist bereits auf den reiferen Maestro aus Busseto hin.

Macbeth – begraben unter totem Federvieh / Fotos: Monika Ritterhaus

Szenisch und musikalisch aus einem Guss

Nichts als ein schwarzer Schlund mit vier Lichterketten kennzeichnen die Bühne von Klaus Grünberg. Aus diesem Niemandsland treten sie auf, die Albträume von Macbeth, die Entblössten, der Wald von Birnam, der Unheilvolles verheisst, der Chor als Klagemauer – und natürlich Macbeth und seine Gemahlin: ein Lichtkegel und zwei Stühle genügen, ein paar Fasnachtsschlangen, denen nach kurzem Gaudi schon wieder das blanke Entsetzen entgegengrinst. Und über allem schwarze Federn, tote Raben oder lebendige, die vom nahen Tod künden. Dieser Mut zu einer entschlackten und dramaturgisch stringenten Folgerichtigkeit hat restlos überzeugt. Umso mehr, als mit Teodor Currentzis ein Dirigent der Sonderklasse das musikalische Geschehen in die gleiche Richtung zuspitzte und entschlackte. Ihm dürfte eine steile Karriere bevorstehen. Dass er bekundete, er habe die Produktion nur den Musikern zuliebe übernommen, die er ebenso schätzt wie „La Scintilla“, mit denen er bereits erfolgreich musizierte, ist auch ein Lob für Fabio Luisi und seine Philharmonia.

Natürlich könnte man nun mäkeln, dass einige Forti etwas gar prall gerieten und die Russin Tatjana Serjan (Lady Macbeth) und den Deutschen Markus Brück (Macbeth) hin und wieder zum Forcieren verleiteten, doch beide gestalteten ihre herausfordernden Partien sängerisch wie darstellerisch derart überzeugend, dass sie zurecht Begeisterung weckten. Obgleich Banco nur eine Nebenrolle inne hat, gebürt Wenwei Zhang für seine magistrale Deutung einhelliges Lob.

Ernst Raffelsberger Choreinstudierung verdient das Prädikat exzellent, wobei ihm die Regieführung insofern entgegenkam, als sich die Choristen meist im Off auf ihre heiklen Einsätze konzentrieren konnten. Die Nebenfiguren mit Ivana Rusko, Pavol Breslik, Airam Hernandez und Dimitri Pkhaladze rundeten das Profil stimmungsvoll ab.

Lady Macbeth (Tatjana Serjan) und Macbeth (Markus Brück) in Machtgier gefangen

Weitere Vorstellungen: April 6, 10, 13, 17, 19, 23, 28 und Mai 5, 7

Vorfreude auf die Spielzeit 2016/17

Vorfreude ist bekanntlich eine der schönsten. Deshalb seien hier einige besondere Leckerbissen genannt, die in der nächsten Saison das Musikerherz und die Passion für Oper, Ballett und Konzert begeistern könnten.

Ehre, wem Ehre gebührt:Nello Santi, das italienische Herzblut Zürichs, dem wir unauslöschliche Erinnerungen verdanken, dirigiert in der Limmatstadt seit 1958. Und genau 58 Jahre später, am 23. Okt. 16, adelt er uns zu seinem 85. Geburtstag mit einem Galakonzert. Aber er steht auch bei den Wiederaufnahmen von „Lucia di Lammermoor“ und „L’Elisir d’Amore“ zu unserer Freude wieder am Pult des Hauses.

Und der weltweit gefeierte Matti Salminen, der Zürich während Jahrzehnten die Treue hielt, gibt am 12. Nov. mit Perlen aus seinem Repertoire ein Abschiedskonzert.

Piotr Beczala, der in München, der Heimat von Jonas Kaufmann, in Verdis „Maskenball“ eben frenetisch gefeiert wurde, kehrt in Lehars „Land des Lächelns“ im Zenit seiner Karriere an die Stätte seines fulminanten Aufstiegs zurück.

Cecilia Bartoli dürfen wir in Händels „Alcina“ (mit Philippe Jaroussky) wiederbegegnen, und Juan Diego Florez wird mit Anna Stéphany in einer Neuinszenierung von Massenets „Werther“ viele Herzen höher schlagen lassen.

William Christie wird mit „La Scintilla“ Charpentiers Barockoper „Médée“ aus der Taufe heben.

Auch Anja Harteros und René Pape werden Verdis „Don Carlo“ zu Glanz verhelfen, und dass Fabio Luisi hier gleichermassen wie bei Léhar, im „Maskenball“ und bei „Lohengrin“ seiner Philharmonia Zürich vorsteht, verspricht höchste Klangkultur.

Christian Spuck erfüllt sich mit einer Ballettversion von Verdis „Requiem“ einen langen Wunsch. Er stellt aber auch Strawinskys Jahrhundert-Klassiker „Sacre“ und Petruschka“ in einer choreographischen Uraufführung vor.

Das Orchestra La Scintilla erhält wieder eine vierteilige Konzertreihe, und in Lieder- und Arienabenden ist Leo Nucci, Javier Camerena, Anja Harteros, Anne Sofie von Otter, Simon Keenlyside und Klaus Florian Vogt u.a. zu begegnen.

Auch im Theater Basel wird die Oper in diesem Frühling aufgeführt. Laura Weidacher berichtet darüber: «Verona in Basel».

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