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Die Sorgen eines Hausbesitzers

Es bröckelt der Putz, der Wasserhahn tropft, der Backofen streikt und die Dachziegel sind nicht mehr dicht. Wer Hausbesitzer ist, hat so seine Sorgen.
Aus dem Lautsprecher in der Stube  ertönt die Melodie:“ Schaffe, schaffe, Häusle baue,
 und net nach de Mädle schaue.“ Aus der Küche reklamiert die Frau:“Der Backofen hat den Geist aufgegeben und der Wasserhahn tropft. Heute gibt es nichts Warmes zu essen!“

Die Dachziegel müssen unbedingt ausgewechselt werden

Alarm! Alarm! Jetzt muss wirklich etwas geschehen. Vor 45 Jahren haben wir das Haus gekauft und seither wirkte anscheinend der Zahn der Zeit. Plötzlich stellt man fest, dass die Fenster nicht mehr ganz dicht sind, dass alle Küchengeräte schon längst hätten ausgewechselt werden müssen.

Wir haben immer zu allem Sorge getragen, haben die Oelheizung erst ausgewechselt, als der Nachbar schon die dritte Heizung installiert hatte. Wir wurden  von Monteuren und Serviceleuten dafür gerühmt. Und jetzt das.

Hesonusode! Der Kontrollgang durchs Haus brachte so manches zu Tage. Da musste einiges ersetzt werden. Voller Tatendrang besuchten wir eine Hausausstellung und staunten nur noch über die neuen Materialien und die Möglichkeiten, ein Haus wohnlicher zu gestalten. Von Dreifachverglasung der Fenster über Induktionsherde bis zu Dachziegel aus neustem Material.

Wir haben stundenlang gegoogelt und unzählige Prospekte studiert. Schliesslich hatten wir die Adressen zusammen: Ein Generalunternehmer für die Küche, ein Fensterbauer, ein Dachdecker und ein Maler.

Der Generalunternehmer mass die Küche aus, erstellte Pläne und beriet uns beim Kauf der Küchengeräte. Dann kamen die Maurer, Entsorger und Schreiner. Sie rupften die Geräte aus den Halterungen. Was nicht nigel- und nagelfest war, wurde aus dem Fenster in eine Mulde geworfen. Grössere Gegenstände mussten durchs Stiegenhaus getragen werden. Als die Küche ausgehöhlt war und die Strom- und Wasserleitungen sichtbar wurden, kamen Nostalgiegefühle auf. So sehr hatten wir uns an die alte Küche gewöhnt. Nach einer Woche erstrahlte die Küche im neuen Glanz. Während wir die Gebrauchsanweisungen der neuen Geräte studierten, rückte die Fenster-und Türmannschaft an.

Innert kurzer Zeit wurden alle Fenster und Türen ausgehebelt, im Abfall-Container entsorgt und die neuen montiert. Besonders stolz sind wir auf die neue Eingangstüre, die mit einem Fingerprint geöffnet werden kann.
Mit Wehmut dachten wir an frühere Zeiten zurück, als man die Eingangstüre ohne Angst vor Einbrecher offen lassen konnte. Tempi passati!

Die letzten Handwerker  waren die Dachdecker, die wegen den SUVA-Vorschriften ein Gerüst und ein Schräglift aufstellen mussten. Auf dem Dach bildeten sie eine Schlange und warfen sich die alten Dachziegel zu, die dann mit grossem Krach im Container landeten.
Nach zehn Tagen erstrahlte das Dach in neuem Glanz. Der Estrich musste geputzt werden. Die Maler vollendeten das Werk.
Was noch fehlt, ist ein Schild mit dem Spruch:“Grüß Gott, tritt ein,
 bring Glück herein.“

Fotos: Josef Ritler

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