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Sommerfarben

Ein bunter Wasserball auf den Wellen, ein gestreifter Liegestuhl im Garten, ein Eis mit verschiedenen Aromen – der Sommer ist voller Farben. Nur grau darf er nicht sein.

Welche Farben hat Ihr Sommer? Blau, wie ein Sommerhimmel, wie Wasser und Meer? Oder rot, wie Ihre Lieblingsrose, ein Tomatensalat oder der kühle Drink nach einem heissen Tag? Vielleicht gelb, wie die Mädchenaugenbüsche im Garten, golden wie die Sonnenstrahlen auf dem Wasser kurz vor Sonnenuntergang oder wie Ihr Lieblingssommerkleid?

Grüne Gartenliebe

Meine Sommerfarbe ist grün. Grün wie mein Gemüsegarten im Sonnenlicht, der allmählich erobert wird von den Zucchettibüschen, Gurkentrieben und Kürbisranken, von den Bohnensträuchern, Tomatenstauden und den Salatköpfen.

Der Sommergarten ist vor allem eines. grün. (Bilder Bernadette Reichlin)

Bald wird das Grün aufgelockert werden: Die ersten Kürbisse blinzeln schon unter den grossen Blättern hervor, die Tomaten werden bald nicht mehr grün, sondern rot sein und die Ringelblumen, die wachsen wo sie wollen, setzen bereits jetzt goldig leuchtende Akzente.

Grün sind die ersten unreifen Äpfelchen, die fast täglich zusammengelesen werden müssen, weil sie sonst Ameisen anlocken. Sie sind noch steinhart und künden doch davon, dass die Apfelernte in ein paar Wochen ansteht. Und dass dann bereits wieder Spätsommer ist, an den wir doch noch gar nicht denken wollen.

Starkes, zartes Grün

Nach der Feng Shui-Lehre steht grün gleichermassen für Durchsetzungsvermögen und Entspannung. Was ja vielleicht gar keine Gegensätze sind. Denn Grün ist für mich auch die Verbindung zwischen Erde und Himmel. In der Natur muss sich ein Pflanzentrieb erst aus dem Erdreich kämpfen – sich durchsetzen – um dann im Sonnenlicht entspannt wachsen und gedeihen zu können. Ohne Licht, ohne die überlebensnotwenige Fotosynthese, gäbe es keine grünen Pflanzen. Grün ist deshalb auch die Farbe des Lebens.

«Grün ist die Hoffnung» sagt eine alte Volksweisheit. Grün ist aber auch entspannend, erholsam für Augen und Nerven. Wandtafeln in den Schulzimmern sind grün, Billardtische ebenfalls.

Konzentration und Entspannung

Am Morgen die erste Bahnen auf dem Golfplatz zu spielen, das Gras voller kleiner Tauperlen, das ist Sommerfeeling pur. Jeder gute Schlag erzeugt ein Glücksgefühl und die Fehlschläge werden entspannt hingenommen: Es kann ja nur noch besser kommen. Ich bin überzeugt, dass Golfen genau wegen dieser gelösten Atmosphäre, dieser Mischung zwischen Konzentration und auf den Ball und entspanntem Schauen ins Grüne so beliebt ist bei gestressten Geschäftsleuten.

Eine Runde Golf am frühen Morgen – und die Welt ist in Ordnung. Und Grün.

«Alles im grünen Bereich» sagt man, zur Beruhigung, aber auch als Aufforderung, einen eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Und «alles im grünen Bereich» musste man in den letzten Wochen auch in Bezug auf das Wetter sagen. Dann, wenn im Wetterbericht am Morgen von Bodennebeln die Rede war – im Juli! – und von anhaltenden Niederschlägen. Dann half nur noch grün denken. Also hoffen, dass es doch noch richtig Sommer wird.

Literatur unter Orangenbäumen

Sommerlektüre kann man zur Not statt im Liegestuhl auch auf dem Sofa geniessen. «Albertos verlorener Geburtstag» von Diana Rosie ist ein richtiger Ferienroman, mit allem, was dazu gehört. Bisschen Geschichte – der spanische Bürgerkrieg – , bisschen Nostalgie, bisschen Spannung und ziemlich viel Liebe. Es ist die Liebe zwischen einem Grossvater und seinem Enkel, zart, versponnen und eingebettet in eine ungewöhnliche Lebensgeschichte. Ein Sommerbuch, das man unter einem duftenden Orangenbaum lesen müsste. Aber ein warmer Orangenblütentee mit Honig im Glas tuts auch, wenn es draussen wieder mal regnet.

Grün geht gar nicht

Grün ist eine Sommerfarbe, voller Vitalität und voller Versprechungen. Nur in einem Bereich mag ich Grün ganz und gar nicht: im Kleiderschrank. In einem grünen Pullover sehe ich blass und krank aus, so richtig grün im Gesicht. Was wieder mal beweist, dass jede Liebe auch eine Kehrseite hat. Aber das wissen wir alle ja schon längst. Wir sind ja nicht mehr grün hinter den Ohren.

«Albertos verlorener Geburtstag» von Diana Rosie. Erschienen im Knaur-Verlag, 2016.

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Unter dem Titel «Sommerwelten» veröffentlicht die Seniorweb-Redaktion bis Mitte August persönliche Sommerlebnisse. Jedem Redaktionsmitglied war es freigestellt, ein spezielles Sommerthema auszuwählen.

Links zu bereits erschienenen Beiträgen «Sommerwelten»:

Schmetterlinge im Bauch (Brigitte Poltera)

Surfen (Judith Stamm)

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