FrontKultur"Hätt' ich doch..!"

«Hätt› ich doch..!»

Das Friedhof Forum der Stadt Zürich weiss um die Verdrängung des Todes und ergreift erneut mit interessanten Veranstaltungen die Offensive.

Die Tage werden kürzer, der Herbst kündigt sich an und damit die Jahreszeit des Abschieds, der sterbenden Natur und der Hoffnung auf die ersten Knospen im nächsten Frühling. Es ist ja kein Zufall, dass der Totensonntag, Allerheiligen und Allerseelen auch in diese Zeit fallen. Wohl auch nicht, dass sich das Friedhof Forum der Stadt Zürich mit ihrer Leiterin, Christine Süssmann, in dieser Jahreszeit besonders viel einfallen lässt und eine Vielzahl an Führungen, Vorträgen und Ausstellungen anbietet.

„Braucht der Tod Veranstaltungen?“ lässt der Flyer verlauten, um zu folgern: „ Mit den Angeboten will das Friedhof Forum Fachwissen zugänglich machen, Denkangebote offerieren, Fragen stellen und Begegnungen ermöglichen.“ So findet am 17. September ab 10 Uhr im Friedhof Manegg unter der Leitung von Lotti Reust zum 3. Mal in der Schweiz  der Tag des Friedhofs statt, und zwar unter dem Motto „Raum für Begegnung“.

Was Sterbende am meisten bereuen“

Die Paulus Akademie lädt am 1. November, 19 Uhr, ins Zürcher Stadthaus, wo hochkarätige Podiumsgäste aus dem Kultur-, Pflege- und Theologie-Bereich den grossen Fragen nach dem Sinn unseres Daseins nachgehen. Die Gesprächsrunde stellt sich den offenen Fragen nach den Versäumnissen und Gegebenheiten, für die man dankbar ist, die man bereut oder verpasst zu haben glaubt. „Vergänglichkeit, Lebensmut und das, was uns wirklich wichtig ist“, sollen thematisiert werden.

Nokan –  die Kunst des Ausklangs

Dieser ausgezeichnete Film zum Tod wird am 20. Oktober, 19 Uhr, im ehemaligen Krematorium Sihlfeld gezeigt. Er wurde 2009 mit dem Oscar zum besten ausländischen Film erkoren. Ein stellenloser Cellist soll Verstorbene nach altem Ritual für die Bestattung vorbereiten. Es ist eine „berührende Reflexion über das Sterben als Teil des Lebens, die Suche nach innerem Frieden und der Aussöhnung mit dem persönlichen Schicksal.“

Rituale zum Abschied

Die Volkshochschule gestaltet mit dem Theologen und Publizisten Lukas Niederberger gar eine dreiteilige Reihe (8./15./22. Nov., je 19.30), im Uni-Zentrum Zürich: „Tschüss Welt!“ ist sie übertitelt und geht Veränderungsprozessen im Alltag nach, die uns leichter fallen, „wenn wir sie bewusst mit Ritualen verbinden.“

Ausstellung: Der Leichnam

Eine Suche nach dem Leichnam, dem die meisten Menschen kaum mehr begegnen.

Bis zum 28. April 2017 ist diese Ausstellung im Friedhof Forum, Aemtlerstrasse 149, von Mi-Fr von 12.30-16.30 bei freiem Eintritt zugänglich. Zitat: „Tote gibt es am Sonntagabend im «Tatort» zu sehen. Je leichnamsfreier wir werden, desto häufiger taucht der Leichnam in der medialen Welt auf. Die Ausstellung setzt sich mit dem toten Körper auseinander, den wir nicht mehr erfahren. In Autobiografien, im Bild, in Ritualen oder Zahlen, auf dem Friedhof – an verschiedenen Orten sucht und fragt sie nach dem Leichnam.“

Ausführlichere Informationen können dem „Veranstaltungskalender September bis November 2016“ unter www.friedhofforum@zürich.ch entnommen werden. 

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