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Nebelschwaden und Efeugrün

Der Garten im Oktober. Sonnig warme Tage und kühle Nächte, Nebelschwaden am Morgen und Laubbäume, die wirken, als ob sie in Flammen stünden – es ist Oktober.

Ein letztes Mal noch leuchtet der Garten so feurig, als ob er sich mit einem optischen Paukenschlag in die Winterruhe verabschieden möchte. Jetzt ist auch die Zeit gekommen, die letzten Früchte des Sommers zu ernten für die kalte Jahreszeit. Es sind die runden orangen Kürbisse, die dünnen, scharfen Peperoncini, die rotbackigen Äpfel, die Sommerfarben und Sommerglut gespeichert haben.

Wilder Wein verabschiedet sich mit einem wahren Feuerwerk in den Winter. (alle Bilder B.Reichlin)

Oder die Blütenblätter der Ringelblumen: Sie behalten auch beim Trocknen ihre Farben und lassen bei jedem Teeaufguss nochmals Sommerfreude aufkommen. Den Tipp, farbiges Herbstlaub in eine Mischung von Wasser und Glyzerin einzustellen, habe ich allerdings nur einmal ausprobiert. Die Blätter werden bei dieser Behandlung seidenweich und glänzend, weil das Glyzerin bis in die Blattspitzen wandert, aber sie verlieren dabei doch einen Grossteil ihrer Herbstfärbung. Zusammen mit gelben Rosen oder Dahlien, mit der altmodischen Schafgarbe oder zwei, drei Sonnenblumen lassen sich zwar aparte Sträusse binden, aber das milde Braun der seidigen Blätter erinnert so gar nicht an ihre ursprüngliche Leuchtkraft.

Grüne Arrangements

Da arrangiere ich doch lieber auf einem flachen Teller verschiedene Sorten von Moos zu einem gelb-grünen Mosaik, setze eine oder mehrere Dahlien oder die letzten Rosenblüten als Blickfang dazu. Einige Efeuzweige in das feuchte Gebilde gesteckt, geben dem Ganzen einen lockeren Rahmen. Die kurzstielig geschnittenen Blüten können ausgewechselt werden, das grüne Arrangement hält, kühlgestellt und immer gut befeuchtet, mindestens bis zum ersten Schnee.

Eine Schale mit Efeu lässt sich immer wieder neu arrangieren.

Und bis dahin hat der Efeu in der Regel bereits Wurzeln geschlagen und kann anderweitig verwendet werden. Als immergrüner Balkonschmuck zum Beispiel, in einer Schale vor der Haustüre als Willkommensgruss oder in einem schönen Topf als Gastgeschenk.

 

 

Efeu ist im Garten ohnehin so etwas wie ein Mädchen für alles. Er begrünt langweilige Gartenzäune, legt hässlichen Gartenecken einen grünen Mantel um und klettert selbst den Masten der Strassenlampen empor. Efeu nimmt fast nichts übel und viele Sorten sind winterhart. Er eignet sich sowohl als «Kulisse», um zum Beispiel Rosen besser zur Geltung zu bringen, übernimmt aber in einer schönen Schale oder als Willkommensbogen bei der Gartentüre auch mal gerne eine Hauptrolle.

 

 

Bescheiden und multifunktional

Efeu kommt mit fast allen Bodenverhältnissen klar, nur ganz weisse Wände sind nicht so sein Ding. Weil er negativ fototropisch, also lichtflüchtend ist, liebt er dunkle Ecken mehr als sonnenbeschienene helle Wände. Aber dort möchte man den Efeu mit seinen Haftwurzeln ja ohnehin nicht haben – wenngleich, er könnte mit seinem grünen Blätterkleid auch ab und zuArchitekturalbträume wohltätig kaschieren.

Mit den letzten Rosen und einem Rosenquarz.

Efeu ist viel mehr als langweiliges Einheitsgrün. Es gibt unzählige Variationen der Pflanzen, von ganz hell- bis dunkelgrün. Die Blätter tragen gelbe bis silberweisse Streifen und Flecken, bei manchen Sorten sind die Blattadern ganz hell nachgezeichnet. Dazu kann das Laub rundlich, lanzettenförmig, gezackt, gezahnt, gerüscht sein.

 

 

In den USA wird eine herzförmige Sorte – Hedera helix «Deltoidea» – am Valentinstag als «Sweetheart» verschenkt. Efeu gilt denn auch als Symbol des ewigen Lebens, der Liebe und der Treue. Selbst Tristan und Isolde soll er über den Tod hinaus verbunden haben: Weil ihre Gräber zwar auf demselben Friedhof, aber je auf einer Seite der Kirche liegen, soll Efeu an den Kirchenwände hochgewachsen sein und sich über dem Dach ineinander verflochten haben. Was für ein schönes Bild.

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