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Leben, Tod und Selbstbestimmung

Über den Sinn des Lebens, den Umgang mit Schicksalsschlägen, das Altern und das Sterben schreibt die Autorin Denise Battaglia in einem neuen Buch der Beobachter-Edition.

Als „Kompendium“ wollte ich das Buch von Denise Battaglia bezeichnen. Schaute aber zur Sicherheit bei Google nach, ob das Wort die Bedeutung hat, die ich ihm seit Jahren gebe. Es trifft zu. Ein Kompendium ist „ein kurz gefasstes Lehrbuch“, ein „kurz gefasstes Nachschlagewerk“ oder ein „exzessives Handbuch“.

Das Buch von Battaglia erscheint mir als ein kurz gefasstes Nachlagewerk mit einem guten Anhang, der Adressen und Links, Literatur- und Quellenangaben umfasst, aber leider kein Schlagwortregister enthält.

Um auch folgenden Punkt noch abzuhandeln: das Buch fusst auf unzähligen Studien, Befragungsergebnissen, Verlautbarungen einschlägiger Gremien. Die Autorin hat keine Mühe gescheut, sich kundig zu machen. Das versetzt mich als Leserin in eine interessante Situation. Befragungsergebnisse unterbreiten mir ja immer „Durchschnittswerte“. So jedenfalls verstehe ich sie. Und wenn es im Beizettel zum Buch heisst: „Neue Studien zeigen, dass Menschen, die sich mit dem Tod befassen, zufriedener und glücklicher sind“, dann kann ich nur hoffen, dass ich von diesem Durchschnitt nicht zu sehr abweiche! Denn mindestens Zufriedenheit empfinde ich als erstrebenswerte Gefühlslage für das Alter. Über das Glück wäre zu diskutieren.

Vorsorgevertrag, Patientenverfügung, Suizidbeihilfe

Besonders schätze ich am Buch von Battaglia, dass es die Themen um Leben, Tod und Selbstbestimmung umfassend behandelt. Und gleichzeitig bei den einzelnen Punkten recht konkret wird. Von der Gesundheit ist ausführlich die Rede: „Gesundheit ist auch die Übereinstimmung mit sich selbst“. Eindringlich wird der Vorsorgeauftrag und die Patientenverfügung behandelt. Klare, nicht wertende Worte werden für die Suizidbeihilfe gefunden. Aber ein ebensolches Gewicht haben die anschaulichen Ausführungen über Palliative-Care.

Battaglia schreckt auch vor kritischen Bemerkungen nicht zurück. Mit Überraschung habe ich den Untertitel „Überversorgung auch aus finanziellen Gründen“ gelesen. Da heisst es, dass Ärzte bestätigen, dass die Ökonomisierung der Medizin dazu führen könne, dass Leistungen verschrieben werden, die nicht unbedingt notwendig sind. Aber auch der Anteil der Patienten an diesem Prozess wird nicht verschwiegen: „Auch der Patient kurbelt die Überbehandlung an, denn ihm ist es ebenfalls wohler, wenn der Arzt etwas macht, als wenn er nichts macht“.

Mehr als nur ein Nachschlagewerk

Das Buch von Battaglia ist ein Nachschlagewerk, aber nicht nur. Auch die ethischen und philosophischen Dimensionen der einzelnen Themen werden überzeugend beschrieben. Die Bearbeitung der verschiedenen Fragen im Hinblick auf „die letzten Dinge“ regt zum Nachdenken und Überdenken an. Persönlich hat mir das Buch Impulse gegeben. Verschiedene Kapitel werde ich mir nochmals vornehmen, sie gründlicher lesen.

Das Buch, so sachlich und fundiert es daherkommt, ist unterhaltsam aufgebaut. Interviews mit Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, Statements, Berichte von Menschen wie Du und ich, erfrischende Aussagen von Kindern tragen dazu bei, dass dieses ernsthafte Buch zu einer, fast möchte ich schreiben unbeschwerten Lektüre werden kann.

Jedenfalls vermittelt es das Gefühl, dass die Fragen, denen wir uns alle stellen müssen, zwar nicht einfach, aber lösbar sind. Und dass, wann und wo immer nötig, verschiedenste Stellen, Organisationen, Fachleute für Auskünfte und Hilfestellung zur Verfügung stehen.

 

Denise Battaglia: Leben, Tod und Selbstbestimmung. Über den Sinn des Lebens, den Umgang mit Schicksalsschlägen, das Altern und das Sterben. Beobachter-Edition 2016. ISBN: 978-3-85569-995-7

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