FrontKolumnenEs lächelt der See

Es lächelt der See

Er ladet zum Fahren (frei nach Schiller, Wilhelm Tell, erster Akt). Auf dem Dampfschiff. Auf dem Motorschiff. Oder auf dem aktuellen Star des Vierwaldstättersees, dem „Diamant“.

Der „Diamant“ ist elegant gebaut, wenn man ihn von der Seite betrachtet. Ein Transportkoloss, wenn man von einem der höher gelegenen Hotels am Seeufer auf ihn hinunterschaut. Er hat viele Decks, grosse Fenster und unzählige Einsatzmöglichkeiten als Kurs-, Veranstaltungs- oder Bankettschiff! Im Mai 2017 zu Wasser gelassen, ist er die diesjährige Sensation für das Publikum.

Aber das ist nicht der einzige Edelstein der Flotte. Etwas kleiner, rundum elegant anzusehen, ist der „Saphir“. Auf ihm herrscht nur eine Klasse, was die Tickets anbelangt. Und er vermittelt das echte „Yacht-Feeling“. Bietet einstündige Rundfahrten das ganze Jahr hindurch, mit kürzester Winterpause. Auch der „Cirrus“ , nicht gerade leicht und luftig wie eine Wolke anzusehen, pflügt sich durch die Wogen des lieblichen Sees. Ist einem Katamaran nachempfunden. Deshalb muss ich ihn immer verteidigen. Es stimmt, er fällt mit seiner Bauart ein wenig aus der Reihe.

Neuer Chic, neues Design auf dem See! Aber die majestätischen Dampfer müssen nicht um ihre Attraktivität fürchten. Sie sind und bleiben einmalig! Schon als Kind habe ich ihre mächtigen Motoren bewundert. Heute belustigt es mich, wenn ich den Maschinisten sehe, wie er mit einem Kännchen sorgfältig etwas Oel in die Scharniere giesst, damit alles läuft wie geschmiert.

Es tut sich ja einiges am See. Die Hotels auf dem Bürgenstock, in neuem Glanz erstrahlend, empfangen wieder Gäste. Die neue Bahn führt wieder von Kehrsiten in die Höhe. Aber der absolute Clou ist, dass unsere Schiffswerft, „shiptec“ genannt, auch noch ein neues Boot, einen Shuttle, baut. Für die direkte Verbindung vom Bahnhof Luzern nach Kehrsiten.

Wenn ich die Bilder im aktuellen Boardmagazin richtig interpretiere, entsteht auch da wieder ein technisches Wunderwerk. Ausgerichtet auf den Personentransport, Kapazität vierhundert Einheiten, mit wassertüchtigen Kufen. Der Name? Unter Verschluss oder noch gar nicht ausgewählt. Ich würde das Schiff „Polyp“, „Krake“ oder „Tintenfisch“ nennen. Als Gegengewicht zu all dem Edlen, Noblen, Feudalen, das da hoch auf dem Berg entstanden ist. Aber natürlich habe ich für die Entwicklung volles Verständnis. Nur Aufrüsten erhält die internationale Wettbewerbsfähigkeit!

Vorläufig versieht die „Titlis“ den Dienst und pendelt fleissig zwischen Luzern und Kehrsiten. Das Schiff hat schon einige Jahre hinter sich, funktioniert gut, ist aber dem Glamour, den der Bürgenstock neuerdings verströmt, doch nicht ganz angemessen!

Ich platze ja fast vor Stolz, wenn ich daran denke, dass „wir“, dass „unsere“ Werft seetüchtige Schiffe baut. Und dass wir die Schiffsingenieure und alle ihre Mitarbeitenden dazu bringen, ihre Zelte an unserem See aufzuschlagen. Denn einige von ihnen haben ihre Ausbildung an Schiffsbauschulen in echten Hafenstädten gemacht.

Nur, eine Werft baut Schiffe. Das versteht sich ja wohl von selbst. Dass eine Werft aber auch die Kabinen für eine Bergbahn, nämlich die Bürgenstockbahn gebaut hat, dürfte doch eher aussergewöhnlich sein. Nicht so in Luzern, nicht so bei shiptec.

Auch dieser Herausforderung waren sie gewachsen!

Natürlich schreibe ich all dies aus der Euphorie des gegenwärtigen, leuchtenden Herbstes heraus. Dessen helles Licht das Wasser glitzern und die Bäume am Ufer in ihrem Vielfarbenspiel glänzen lässt. Aber, ich verrate auch ein Geheimnis. Der Vierwaldstättersee ist bei jeder Tageszeit, zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter schiffbar. Nur bei einem heftigen Föhnsturm auf dem Urnersee dürfte das etwas schwieriger werden.

Eine Fahrt im Nebel, wenn das Schiffshorn häufiger ertönt, ist, wohl nicht für den Kapitän, aber für die sorglosen Passagiere eine Reise ins Abenteuer der Seefahrer ihrer Jugendfantasien. Und Regenwetter erscheint den Touristen aus arabischen Ländern wie ein Geschenk des Himmels. Gleissende Sonne und brütende Hitze haben sie zuhause mehr als genug!

Ist da noch etwas beizufügen? Ja, ganz banal: das Generalabonnement der SBB hat für alle Kursschiffe seine Gültigkeit. Bei anderen extravaganten Angeboten schützt das Nachfragen vor Überraschungen!

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