Kolumnen

Mischen wir uns ein

Wie sich die Schweizer Seniorenorganisationen Gehör verschaffen wollen oder auch könnten.

Die Schweizer Seniorinnen und Senioren gehen fleissig an die Urnen, mehr als der Durchschnitt der Urnengängerinnen und -gänger. Ihre Zahl wird auch immer grösser. Die über 60- Jährigen machen in der Schweiz rund 1,8 Millionen aus. Rund 250’000 sind in den grossen Altersverbänden organisiert. Etwa 50’000 im Schweizerischen Verband für Seniorenfragen SVS, der sich politisch mitterechts positioniert, etwa 200’000 in der Mittelinks-Vereinigung für Alters und Selbsthilfeorganisationen VASOS. Eine noch nicht erfasste Zahl findet sich in betriebseigenen Altersorganisationen, -gruppen, -vereinen und -clubs zusammen. Von aussen betrachtet eine ganz stattliche Zahl.

Nur die grossen Verbände leiden an Mitgliederschwund. Die Menschen, die aus dem Erwerbsleben aussteigen, lassen sich nur noch schwer organisieren. Genauso wie Turnvereine, Musikgesellschaften um den Nachwuchs bangen, sind auch die Altersorganisationen von dieser gesellschaftlichen Entwicklung stark betroffen. Wie an der Präsidentenkonferenz des SVS (Versammlung der Präsidenten der kantonalen Unterverbände) letzte Woche zum Ausdruck kam, sind die grossen Organisationen „unbekannte Wesen“. Und dies, obwohl im gemeinsamen, auch paritätisch zusammengesetzten Schweizerischen Seniorenrat SSR ein nationales Gremium besteht, das durchaus die Kraft haben könnte, sich landesweit Gehör zu verschaffen.

Das dem nicht so ist, kann auf zwei Gründe zurückgeführt werden: Einmal auf das geringe Interesse der Medien, das sie den Aktivitäten der Altersorganisationen entgegen bringen. Das lässt sich an einem Beispiel gut illustrieren. Der Zürcher Senioren- und Rentnerverband ZRV führt seit 13 Jahren „Die Zürcher Alterskonferenz“ durch, die hochaktuelle Themen zur Diskussion stellt und daher immer stark besucht wird. Erst einmal ist in einer regionalen Zeitung darüber berichtet worden. An der diesjährigen 13. Zürcher Alterskonferenz, an der über 400 Personen teilnahmen, legte beispielsweiss Anja Wyden Guelpa, Staatskanzlerin des Kantons Genf, dar, wie weit ihr Kanton in der Digitalisierung vorangeschritten ist, dass das eVoting möglich ist, dass der Kanton mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt über das Internet kommuniziert. Teilnehmende fragten: „Warum ist Zürich nicht so weit?“. Eine Berichterstattung wäre im Kanton Zürich bei den Leserinnen und Lesern sicher auf Interesse gestossen. Der zweite Grund: Sowohl der SSR, der SVS als auch die VASOS verfolgen bislang keine aktive Kommunikationsstrategie. Sie begnügen sich bis jetzt mit gelegentlichen Informationsleistungen, mit Pressemitteilungen, die bei den Medien nachgewissermassen kaum oder keine Beachtung finden, beschränken sich auf interne Verlautbarungen und Informationsblätter in kleinen Auflagen.

Die Altersorganisationen brauchen aus diesen zwei Gründen dringend eigene Medien. Gute Ansätze sind vorhanden. Seit 17 Jahren ist die Internetplattform seniorweb.ch im Netz. Im dritten Jahr erscheint das Printmagazin „seniorin“. Mitherausgeber sind der Zürcher Rentner- und Seniorenverband ZRV sowie die Seniorweb AG. In diesem Jahr haben sie gemeinsam die mulitimediale Plattform „senior“ lanciert.

„Das Leitmedium „seniorweb.ch“ wird täglich aktualisiert, der Newsletter „seniornews“ wöchentlich aufbereitet. Und das Printmagazin „seniorIn“ erscheint mindestens vier Mal pro Jahr. Die Schriftzüge der einzelnen Titel sind angeglichen worden. Ergänzt wurden die Medien mit „seniorlearn“. „seniorlearn“ will mit Lernangeboten die junggebliebenen Menschen mit den neuen Medien, mit den digitalen Möglichkeiten vertraut machen und sie stets über die technologischen Neuheiten auf dem Laufenden halten. So entstand um den Wortstamm „senior“ eine Markenfamilie, «die sich über verschiedene Medien und deren Angebote an die gleiche Zielgruppe richtet“, wie die Seniorweb AG in ihrer Pressemitteilung schreibt.

Mehr noch: Das Printmagazin „seniorin“ ist auf seniorweb.ch intergriert worden, über die Plattform kann in einem sogenannten White Label-Konzept direkt auf die Website und so auf die Angebote des Printmagazins geklickt werden. Künftig wird auch der Zugang zur Plattform des ZRV auf der Frontseite von seniorweb.ch erscheinen. Ziel ist die Vernetzung, ein weit höherer Beachtungsgrad durch das Zusammenführen der medialen Aktivitäten, ein Bündeln der Ressourcen.

Die Zukunft der Verbände liegt künftig nicht mehr in ihren althergebrachten Strukturen. Die Digitalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, insbesondere ermöglicht sie den direkten Kontakt mit den Mitgliedern. Nur so kommt der Kontakt zwischen den Vorständen und den Mitgliedern, auch der Meinungsaustausch untereinander zustande. An der Präsidentenkonferenz des SVS wurde bekanntgegeben, dass eine Strukturbereinigung erfolgt, dass bis 2019 die Statuten angepasst werden. Gut so.

Vordringlich ist aber eines: eine umfassende Kommunikation, die eben auch den direkten Kontakt mit den Mitgliedern, der Öffentlichkeit beinhaltet. Also nicht nur Informationsangebote. Die Voraussetzungen sind gegeben. Einfach zugreifen.