FrontKolumnenWer lacht, wer weint

Wer lacht, wer weint

Nichts Menschliches bleibt uns fremd! Dafür sorgt die Regenbogenpresse.

Selbstverständlich gehört zur Weihnachtsvorbereitung auch der Besuch beim Coiffeur. Auch kurze Haare wollen gelegentlich in Form geschnitten werden. Ich freue mich auf diese Sitzungen. Dann stehen mir nämlich zahlreiche bunte Hefte zum Lesen zur Verfügung. Die befinden sich sonst nicht so in meiner Reichweite. Ich bekomme eine Ausgabe „Weihnachten 2017″. Ein anderes Titelblatt verspricht mir „Grosse Gefühle“, mit dem Untertitel: „wer lacht, wer weint, wer triumphiert“. Das kann ja gut werden! Hoffentlich habe ich genügend Papiertaschentücher in meiner Handtasche!

Soll ich gleich zu Beginn verraten, welche Bilder mir das Gemüt erwärmen, mich zum Schmunzeln bringen, mich verweilen lassen? Das sind die Bilder der unzähligen Kleinkinder der verschiedenen Königsfamilien und anderer prominenter Paare. Vielleicht, weil sie, in welcher Umgebung auch immer, aufgeputzt wie auch immer, noch ganz sich selbst, noch ganz Kinder sind. Da fordert doch eine Fünfjährige bei einem Galaempfang ihre königliche Mutter auf, mit ihr spielen zu gehen. Und von einem anderen blaublütigen Knirps lesen wir, dass er während eines feierlichen Gottesdienstes einfach losbrüllte, bis er seinen Nuggi wieder bekam. Und natürlich geht uns das Herz auf, wenn wir die geschmückten Tannenbäume sehen, vor denen Stars mit ihrem wenige Monate alten Nachwuchs posieren!

Aber selbstverständlich sind es die Erwachsenen, über die wir „alles“ erfahren. Wie sie sich lieben, entlieben, erneut füreinander entbrennen. Manchmal sind wir hautnah dabei, bei der ersten scheuen Annäherung! Manchmal nehmen wir an den Höhen und Tiefe der Gemütsaufwallungen erst im Rückblick teil. Und leiden mit, wenn eine Trennung unausweichlich und endgültig wird. Und freuen uns über Liebesglück in all seinen Erscheinungsformen.

Wichtig und ein Augenschmaus ist natürlich, wie Prinzen und Prinzessinnen, und solche die es werden können, sich kleiden. Wie die Stars daherkommen. Und wie Menschen, die aus manchmal unerfindlichen Gründen zur Prominenz aufgestiegen sind, sich modisch in Szene setzen. Natürlich, Werbung ist ja gross angesagt in diesen Zeitschriften. Darum wird auch immer wieder angegeben, von wem das Outfit stammt, in welchem sich eine herausragende Persönlichkeit bewegt. Ich gebe zu, es überflutete mich ein warmes Gefühl, als ich bei der Beschreibung eines aussergewöhnlich attraktiven Schmuckstückes in Klammern den Namen eines Luzerner Bijoutiers las. Wow, dachte ich, die haben es weit gebracht. Dabei weiss ich ja aus eigener täglicher Anschauung, dass sie es noch viel „weiter“ gebracht haben als in eine deutsche Mode-Illustrierte. Von sehr weit her kommen Kundinnen und Kunden, um genau in diesem Geschäft in Luzern einzukaufen. Nebenbei bemerkt, wir Einheimischen sind oft froh, wenn sich das Jahr zum Winter neigt und sich die Völkerscharen etwas lichten!

Selbstverständlich lese ich in diesen Heften auch die Editorials. Einige ernsthafte, erbauliche Worte inmitten von Glitzer und Glamour und Weinen und Lachen tun gut.

Das eine sprach klare, aufmunternde Worte für 2018 unter dem Motto „Mut zur Veränderung“. Drei Beispiele wurden aufgeführt: Prinz Harry und Meghan Markle. Dann die Schauspielerinnen, die, endlich, den Sexismus in Hollywood öffentlich machten. Und Frankreichs Präsident mit seiner Première Dame. Ja, kann man alles so sehen!

Das zweite Editorial war etwas anspruchsvoller. Der Autor verglich frühere Weihnachtsfeiern mit Weihnachten 2017. Und formulierte die Situation so: „In unserer Gesellschaft, in der die Ehe für alle (in Deutschland) und die Patchworkfamilie zur gelebten Normalität gehören, will das Fest generalstabsmässig organisiert werden. Wer kriegt wann die Kinder? Darf der Ex in der neuen Familie mitfeiern? Und kann der schwule Freund mit zu den Eltern?“ Auf die Schlussfolgerung war ich gespannt. Ich zitiere auch sie wörtlich: „Weihnachten ist das einzige Fest, das die Kraft hat, all diese gesellschaftlichen Modelle zu vereinigen. Es hilft zu vergessen. Es reicht die Hand zur Versöhnung. Auf sanfte Art drängt es alle, sich zu besinnen. Auf den wichtigsten Wert unseres Lebens. Auf die Nächstenliebe! Und diese Liebe kennt keine Schablonen. Darum ist Weihnachten heute wichtiger denn je“.

Ich gebe zu, den Schluss dieses Editorials finde ich, in der heutigen Zeit, wirklich mutig!

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