FrontGesellschaftErste Autobiografie-Awards verliehen

Erste Autobiografie-Awards verliehen

Die Internetplattform meet-my-life.net würdigt an einer Feier in Zürich vier herausragende Online-Autobiografien.

An einer eindrücklichen Feier an der Universität Zürich vergaben die Autobiografie-Internetplattform meet-my-life.net und das Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) – Populäre Kulturen der Universität Zürich die ersten Schweizer Autobiografie-Awards. Gekommen waren weit über hundert interessierte Gäste, um der erstmaligen Preisübergabe beizuwohnen.

Für den ersten Preis auserwählt wurde die Autobiografie des St. Galler Arztes Peter Marko (1937). Drei zweite Preise gingen ex-aequo an Gisela Egli-Zemp (Trasadingen), Maja Brenner (1945, Schaffhausen) und Matthew Kuzhippallil (1954, Stäfa). Alle vier im doppelten Sinn ausgezeichneten Biografien sind öffentlich auf meet-my-life.net zu lesen. Einen Anerkennungspreis für ihr engagiertes Mitwirken bei meet-my-life.net erhielt Maria von Däniken (1944, Birsfelden).

Subjektive Sicht des Autobiografen gefragt

In seiner Laudatio erläuterte Prof. Alfred Messerli, der als einziger Juror in wochenlanger Lektüre die 35 eingereichten Arbeiten bewertete, die Messlatte für die Vergabe der vier Auszeichnungen: «Eine herausragende Autobiografie/Lebensgeschichte muss auf eine sprachlich eigensinnige und gleichzeitig mutige Art und Weise die Vergangenheit des Autobiografen/der Autobiografin als Text in all ihrer Fülle wieder lebendig zu machen vermögen.» Dabei sei keineswegs literarische Perfektion gefragt, sondern die subjektive Sicht des Autobiografen, und wie sich der Ich-Erzähler über ein Ich beuge, das er oder sie einst war oder glaubt, gewesen zu sein.

Der Preisträger Peter Marko (1937) war ein gesuchter Interviewpartner.

Der 81jährige erste Preisträger Peter Marko, in Martin in der heutigen Slowakei aufgewachsen, kam 1970 in die Schweiz und arbeitete als Allgemeinmediziner in Zweisimmen im Berner Oberland. Messerli würdigte Marko als einen „grossartigen Erzähler“, der, „mit primärem Blick auf seine Nachkommen, anschaulich, zielstrebig und klaglos durch seine teilweise hochdramatisch und kulturhistorisch wichtige Lebensgeschichte“ führe. Er verstehe es meisterlich, Beruf und Familienleben in einzelnen Geschichten zu verdichten. Die Autobiografie mit dem Titel „Die Suche und das Finden“ schildert unter anderem auf eindrückliche Weise Markos Flucht als 7-Jähriger in der Slowakei vor den Nazischergen.

Nicht nur Sach- und Geldwerte hinterlassen

Die Veranstalter wollen mit diesem jährlich wiederkehrenden Anlass allen auf meet-my-life.net registrierten Autorinnen und Autoren Tribut zollen. Wie Erich Bohli, der Gründer dieser einzigartigen, nichtkommerziellen Autobiografie-Plattform ausführte, «zeugen alle bis heute auf meet-my-life.net publizierten Memoiren von immensem Engagement und auch Mut, sich einem breiten Publikum zu öffnen.» Sie sollen auf breiter Basis noch viele andere dazu anspornen, den eigenen Nachkommen einmal nicht nur Sach- und Geldwerte zu hinterlassen, sondern als mindestens so wertvolles immaterielles Kulturgut ihre Lebens- und Familiengeschichte.

Abgerundet wurde der feierliche Anlass mit einem Gespräch mit dem Schweizer Filmemacher Fredi M. Murer, bekannt für seine Filme «Höhenfeuer» und «Vitus». Auf humorvolle und unterhaltsame Art schilderte Murer Begebenheiten seiner Kindheit im Kanton Uri und seiner Eltern, vorab seiner gestrengen Mutter, die heimlich Romane und Tagebücher verfasste. Dabei war unüberhörbar, dass in all seinen Filmen auch autobiografische Elemente vorhanden sind. Für seinen jüngsten Film «Liebe und Zufall» (2014) liess er sich von einem nie publizierten Roman seiner Mutter inspirieren.

Rege Diskussion der geladenen Gäste und Autoren/-innen im Lichthof der Universität Zürich nach dem Anlass. (Fotos: zvg)

Mehr über die Autobiografie-Plattform erfahren Sie unter: www.meet-my-life.ch

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