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Was ist gute Betreuung im Alter?

Eine Studie der Paul Schiller Stiftung zur Betreuung im Alter in der Schweiz zeigt Handlungsbedarf in der Gesundheits- und Sozialpolitik auf.

Patchworkfamilien, mehr kinderlose Erwachsene, zunehmend erwerbstätige Frauen und grössere Distanzen zwischen den Wohnorten von Familienangehörigen: Diese und andere gesellschaftliche Entwicklungen verändern die Rahmenbedingungen in der Betreuung der Betagten, die gleichzeitig einen immer grösseren Teil der Bevölkerung ausmachen. Die Rolle der Betreuung und ihre zukünftige Finanzierung werfen für die Schweiz neue Fragen auf. Aktuell steht die Pflege im Fokus der gesundheits- und sozialpolitischen Diskussion. Die Betreuung hat heute noch keinen Stellenwert. Sie muss in Zukunft vermehrt in den Mittelpunkt der alterspolitischen Debatten rücken.

Vor diesem Hintergrund hat die gemeinnützige Paul Schiller Stiftung eine Recherchestudie in Auftrag gegeben. Sie analysiert die Situation der Betreuung im Alter sowie die damit verbundenen Entwicklungen und Herausforderungen für die Schweiz. Die Leitung der Studie hatte Prof. Dr. Carlo Knöpfel, Dozent für Sozialpolitik an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Sein Fazit: «Die steigende Lebenserwartung erfordert nicht nur eine gute Pflege, sondern vor allem auch eine gute und bezahlbare Betreuung für alle älteren Menschen in der Schweiz.»

Sieben Forderungen

Für die gemeinnützige Paul Schiller Stiftung ergibt sich aufgrund der Studie Handlungsbedarf in der Gesundheits- und Sozialpolitik. Das familiäre Umfeld und das zivilgesellschaftliche Netzwerk können die Betreuung allein nicht mehr sicherstellen. Die Stiftung will zu einem entsprechenden fachlichen und politischen Diskurs beitragen. Dazu stellt sie sieben Forderungen auf:

1. Das Anrecht auf Betreuung im Alter ist gesetzlich zu verankern.
2. Die Betreuung im Alter muss für alle bezahlbar sein.
3. Die Betreuung im Alter muss die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen.
4. Die professionelle Betreuungsarbeit braucht eine Aufwertung, die informelle mehr Anerkennung.
5. Gute Betreuung im Alter ist Beziehungsarbeit und braucht die nötigen zeitlichen Resourcen.
6. Damit die Betreuung im Alter präventiv wirken kann, muss sie im Verbund aller involvierten Akteure erfolgen.
7. Ob ambulante, intermediäre oder stationäre Versorgung: Es braucht die Einbindung aller Betroffenen.

Für die Paul Schiller Stiftung ist klar: Die öffentliche Hand muss ihre Aktivitäten im Bereich der Altersbetreuung deutlich verstärken. Gesellschaftspolitisch braucht es Lösungen, die den Wert professioneller Dienstleistungen anerkennen. Gleichzeitig müssen diese Lösungen die weiterhin wichtige Betreuung durch Familienangehörige und das soziale Umfeld aufwerten und stärken. Betreuung im Alter als Service public erfordert auch ein neues, effizientes Finanzierungssystem, das die bestehenden Einkommensunterschiede berücksichtigt.

Vier zentrale Botschaften

Aus Sicht der Paul Schiller Stiftung wird eine gute Betreuung im Alter gesellschaftspolitisch immer wichtiger. Um ein zunehmendes soziales Ungleichgewicht im Alter zu vermeiden, ist ein neues Verständnis gefragt. Dazu stellt die Stiftung vier zentrale Botschaften zur Diskussion.

1. Alle Menschen haben ein Recht auf ein würdiges Altern.
2. Die Alterspolitik des Bundes wurde bisher zu wenig umgesetzt.
3. Es braucht eine ganzheitliche Sicht auf die Unterstützung betagter Menschen.
4. Familien brauchen Entlastung.

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