FrontKolumnen«Dem Kind zum 75. Geburtstag!»

«Dem Kind zum 75. Geburtstag!»

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Wissen Sie, was ein Kind ist? Saublöde Frage, denken Sie: Jedes Kind weiss, was ein Kind ist!

Doch ganz so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, ist die Sache nicht. Der Alleswisser Wikipedia kennt nämlich kein Kind, sondern bloss «Kindheit»: Also: «Als Kindheit bezeichnet man den Zeitraum im Leben eines Menschen von der Geburt bis zur geschlechtlichen Entwicklung (Pubertät). Kindheit ist dabei mehr ein kultureller, sozialer Begriff als ein biologischer.» Alles klar?

Ich entschuldige mich höflich für diese gespreizte Einleitung, aber sie ist halt nötig, um mein Problem zu verstehen.

Einmal im Jahr werde ich regelmässig wieder zum Kind, am Geburtstag nämlich, der mit beharrlicher Regelmässigkeit stattzufinden pflegt. «Ich wollte dem Geburtstagskind nur schnell gratulieren!», tönt es am Telefon. «Happy Birthday, liebes Geburtstagskind!» steht in der Mail, garniert mit Herzchen und Kleeblättchen. «Ah, da ist ja unser Geburtstagskind!», werde ich von meiner Familie begrüsst, wenn wir uns im Restaurant treffen. Und dann grüble ich, ob ich wohl tatsächlich die «geschlechtliche Reife» (siehe oben) erreicht habe. Oder ob schlicht und einfach «Das Kind im Manne» zum Ausdruck kommt, auch wenn ich die Modelleisenbahn unserer Kinder seit Urzeiten nicht mehr installiert habe…

Anlässlich des 75. Geburtstags allerdings kam es knüppeldick. Da wurde ich nicht bloss zum Kind, sondern es wurde scharf gerechnet. «Nun hast Du ja ein dreiviertel Jahrhundert auf dem Buckel!», wurde mir so richtig rücksichtsvoll an den Kopf geworfen. Oder: «Siebeneinhalb Dezennien – das ist doch super!» Oder: «Wenn Du so weitermachst, schaffst Du auch noch die restlichen 25 Jahre – dann ist das Zentenarium vollbracht!»

Wenn schon rechnen, gibt es doch einfühlsamere Zahlen. 900 Monate zum Beispiel, oder 3 900 Wochen, oder 27 318 Tage, gar 655 632 Stunden, insgesamt 39 337 920 Minuten, total 2 360 275 200 Sekunden. Man stelle sich den Sekundenzeiger der Uhr vor, wie er springt und läuft und sich dreht…

Allerdings sind diese Zahlen keineswegs tröstlicher als die dreiviertel Jahrhundert, ganz im Gegenteil. Stehen wir doch ganz simpel zu den 75 Jährchen – die ganze Rechnerei ändert sich sowieso mit jeder Sekunde. Hauptsache, ich bin noch da, auch wenn der Allgemeinplatz, im Alter werde der Mensch wieder zum Kind, alles andere als zuversichtliche Perspektiven öffnet.

Ad multos annos!

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