FrontGesellschaftMilchwirtschaft alpin und afrikanisch

Milchwirtschaft alpin und afrikanisch

Museen in Uganda und in Zürich forschen gemeinsam auf Augenhöhe.

Die neue Ausstellung am Völkerkundemuseum der Universität Zürich Sichtweisen. Visionen einer Museumspartnerschaft ist eigentlich dreiteilig. Sie wirft zunächst einen Blick zurück auf die kontroverse Geschichte ethnologischer Museen, die bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts quasi als «Völkerschauen» konzipiert wurden – so gab es in Zürich-Altstetten ein nachgebautes «Negerdorf».

Dieser voyeuristische Blick auf andere Gesellschaften, ohne Einbezug der dort lebenden Menschen und ihres Wissens, ist nicht mehr zeitgemäss. Die Sichtweise auf andere Kulturen ist respektvoller geworden. Man begegnet sich auf Augenhöhe, arbeitet zusammen, gründet Partnerschaften, kooperiert international. Die Ausstellung Sichtweisen bietet dazu selbstkritische Einblicke in die Zusammenarbeit.

ProjektpartnerInnen bei der gemeinsamen Arbeit am Ausstellungskonzept für die Ausstellung «Sichtweisen». Alle drei Ausstellungen wurden kooperativ konzipiert und umgesetzt. Foto: Marc Meyer

Wie eine solche Kooperation ganz konkret aussehen kann, erfahren die Besucher In den Ausstellungsräumen des Völkerkundemuseums im ehemaligen Botanischen Garten an der Pelikanstrasse am Beispiel einer auf längere Sicht geplante Zusammenarbeit der Zürcher Ethnologen mit ihren Kollegen am Uganda National Museum in Kampala. Das Spannende daran: «Von einer anderen Warte aus betrachtet, erschliesst sich Zusätzliches oder Gleiches anders», erklärt Ausstellungskurator Thomas Laely. Sprich: Wenn man als Zürcher Kurator mit Kuratoren aus einem komplett anderen Kulturraum gemeinsam eine Ausstellung plant, dann prallen zunächst einmal verschiedene Sichtweisen aufeinander und bereichern schliesslich die Umsetzung des gemeinsamen Projekts. Es wird bunter, vielfältiger.

Zweimal Feldforschung zur Milchwirtschaft: Oben ein Ethnologenteam in Uganda (Bild: Carolina Cerbaro), unten eins in der Schweiz (Bild: Thomas Laely)

Ein Beispiel dafür dürften zwei Ausstellungen in Uganda über Milch sein. Wer sich dafür interessiert, wie die ugandischen Ethnologen in Teamarbeit mit ihren Zürcher Kollegen das Thema Milch angehen, kann sich auf einem Touch-Bildschirm auf eine virtuelle Pirsch durch die zwei ugandischen Museen begeben, wo die schweizerischen und ugandischen Milchkulturen im Vergleich dargestellt werden. Zurzeit ist in Uganda ein mobiles Museum in der Planung, das diese sehr erfolgreichen Milchausstellungen auch Menschen in ländlichen Gebieten zeigen wird – unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Probleme und Bedürfnisse in den Regionen.

Schulkinder besuchen die vergleichende Ausstellung über Milchwirtschaft in der Schweiz und in ihrer Heimat. Foto: Ali Nkwasibwe

Ethnologische Museen wurden in den letzten Jahren vermehrt kritisiert, die Menschen in den Kolonien zur Schau zu stellen. Sie stehen zunehmend unter dem Druck der Öffentlichkeit, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Internationale Kooperation erweist sich deshalb als wegweisender Ansatz für die Museumsarbeit. Vor drei Jahren haben sich das Uganda National Museum in Kampala, das Igongo Cultural Centre in Mbarara und das Völkerkundemuseum der Universität Zürich entschieden, längerfristig zusammenzuarbeiten. Im Unterschied zu manchen anderen Kooperationsprojekten ist weder die finanzielle Unterstützung noch eine einseitige Nord-Süd-Beratungstätigkeit im Zentrum. Es geht vielmehr um das Interesse der Partner, gemeinsam zu forschen und zu kuratieren.

bis 6. Januar 2019
Mehr Informationen zum Völkerkundemuseum finden Sie hier.

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