Kultur

Mit geschärftem Profil

Was ist es, was ein Opernhaus unverwechselbar und authentisch macht? In Zürich ist es der Schulterschluss der Führungsriege – in freundschaftlichem Einvernehmen.

Es ist fast schon kitschig. Noch nie habe ich erlebt, dass sich die Leitung eines Kulturtempels wie das Zürcher Opernhaus derart freundschaftlich zugetan ist. Intendant Andreas Homoki, Generalmusikdirektor Fabio Luisi, Ballettdirektor Christian Spuck und der Kaufmännische Direktor, Christian Berner, lobten sich an der Spielplankonferenz 2018/19 gegenseitig über den grünen Klee. Luisis Komplimente an Homoki, mit dem er regelmässig Neuinszenierungen aus der Taufe hebt, waren derart überschwänglich, dass nur das Gegenlicht im Spiegelsaal die Gesichtsröte des Intendanten zu überdecken verstand und dessen „Nun-ist-aber-genug-Schulterklaps“ Luisi wieder den Sphären des Musiktheaters zuwenden liess.

Aber hinter den Komplimenten steht tatsächlich gereifte gegenseitige Wertschätzung, welche das Musiktheater in Zürich zu neuen Ufern aufbrechen lässt. Der von allen Opernbühnen der Welt begehrte Fabio Luisi hält Zürich genau so die Treue wie sein Chef Homoki, der das Gerücht, er könnte an die Bayrische Staatsoper nach München abwandern, schon bald einmal Lügen strafte. Und wer mutmasste, ein Nachfolger von Ballettchef Spoerli würde es schwer haben, entdeckte schon in Christian Spucks erster Spielzeit 2012/13, dass er nahtlos an die internationalen Erfolge anknüpfen konnte. Seither tanzt das Zürcher Ballett auf Höhenflügen, die kaum noch zu steigern sind.

Die Führungscrew v.l. Christian Spuck, Fabio Luisi, Andreas Homoki und Christian Berner

Vom Erfolgsgeheimnis zum vielversprechenden Spielplan 2018/19 

Neuland beschreitet Spuck in der neuen Spielzeit mit der „Winterreise“ (Schubert / Zender), gefolgt von „Kreationen“ des Junior Ballett, Choreographien von Jiri Kylian und einem „Nijinski“ gewidmeten Abend von Marco Goecke.

Zu den Saisonhöhepunkten dürften „Die Gezeichneten“ von Franz Schreker in der Regie von Barrie Kosky,  das Musical „Sweeney Todd“ (mit Bryn Terfel und Angelika Kirchschlager), Ligetis „Le Grand Macabre“, Massenets „Manon“ (mit Piotr Beczala), Rameaus „Hyppolyte et Aricie“ (in brillanter Besetzung) und Verdis „Nabucco“ (mit Michael Volle in der Titelrolle) werden.

Es gilt auch, drei Jubiläen zu feiern: Das Orchestra La Scintilla wird 20, Cecilia Bartoli begeht ihr 30. Bühnenjubiläum und im September wird es 60 Jahre her sein, dass Nello Santi in Zürich begann, das italienische Repertoire in beispielhafter Werktreue zur Entfaltung zu bringen.  Die Philharmonischen Konzerte werden in bewährter Manier ebenso weitergeführt wie die Liederabende, die einige hochkarätige Leckerbissen, darunter Anja Harteros, Anna Stéphany, Javier Camarena, Rolando Villazon und endlich wieder Thomas Hampson, versprechen.

Ein kleines, aber feines Juwel unter den grossen Musiktheatern: das Opernhaus Zürich

Da die Vorfreude bekanntlich zu den schönsten Freuden gezählt wird, seien noch einige Wiederaufnahmen erwähnt: Fabio Luisi wird die „Madama Butterfly“ ebenso dirigieren wie „Der Rosenkavalier“, Bellinis „Norma“ und Verdis „La forza del destino“, und Nello Santi folgt noch einmal mit „Lucia di Lammermoor“. William Christie lässt sich Händels „Semele“ mit Cecilia Bartoli genau so wenig entgehen wie Ottavio Dantone Vivaldis herausragende Inszenierung von „La verità in cimento“ und Mozarts „Le nozze di Figaro“. Hinzu gesellt sich der stürmisch gefeierte „Macbeth“ in der Regie von Barrie Kosky, und zwar in der Premierenbesetzung.

Doch so lange warten müssen Sie gar nicht, wenn Sie grosses Musiktheater erleben wollen: Leo Nucci brilliert zurzeit wieder in Verdis „Luisa Miller“, und die Wiederaufnahmen von Massenets „Werther“ (mit Beczala) und Puccinis „Turandot“  (unter Luisi) stehen an. Zudem gastieren Sonya Yoncheva und Mauro Peter mit Liederabenden.

Der Abonnementverkauf gilt ab sofort als eröffnet, und Einzelkarten können ab 9. Juni an der Billettkasse des Opernhauses erworben werden. Alle Informationen sind unter www.opernhaus.ch abrufbar, und die Bestellungen per Mail können via ticket@opernhaus.ch erfolgen.