FrontKolumnenDie Bank will nur mein Bestes!

Die Bank will nur mein Bestes!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Die Bank will sicher nur mein Bestes, dachte ich, als mich der Telefonanruf aus einem Nickerchen aufschreckte. Er sei mein neuer Kundenberater, meinte der Mann am andern Ende der Leitung, und er möchte mich ganz einfach kennen lernen. «Und dann können wir auch gleich überprüfen, ob Ihre Finanzen optimal angelegt sind», fuhr er fort, nicht ohne zu betonen, dass die Bank stets das Interesse ihrer Kunden im Auge hätte.

Der geschniegelte junge Mann mit einem unaussprechlichen Neu-Schweizer-Namen empfing mich in einem imposanten Besprechungszimmer; das von Kopf bis Fuss stromlinienförmig durchgestylte Jüngelchen muss seine Brillantine wohl en gros einkaufen. Es freue ihn, mich nun kennen gelernt zu haben, doch um mich richtig und effektvoll beraten zu können, müsse er als erstes mein Lebensziel kennen. Ja, druckste ich herum, nachdem meine Pensionierung nun doch schon einige Jahre hinter mir liege, sei mein Ziel eigentlich simpel: Ich möchte noch einige Jährchen…

«Schon gut, schon gut, aber die müssen finanziell optimal abgesichert sein – die Bank will doch Ihr Bestes!», stellte der Berater dezidiert fest und liess durchblicken, dass er da so einiges an Fonds, Aktien, Obligationen, strukturierten Produkten, Derivaten und andern märchenhaften Anlage-Produkten im Köcher habe. Dann ging‘s los. Ob ich vielleicht noch Geld bei andern Banken hätte, wo und wie viel, wann dieses fällig werde, woher die Hypothek für mein Häuschen stamme («fest, variabel, libor, zu welchem Satz?»), wie viele Kinder ich habe und welchen Alters, und ob ein Testament und/oder ein Ehevertrag existierten.

Nach anfänglichem ehrlichem Bemühen wurde ich allerdings immer wortkarger, und obwohl der gute Mann schon längst bemerkt haben musste, dass mein Kundenprofil in die Kategorie «stockkonservativ und obervorsichtig» gehörte, liess er nicht locker. Weil er nur das Beste für mich wolle interessiere es ihn zudem, ob meine Frau ebenfalls über Vermögen verfüge («Wo und wie viel?») und ob sie auch eine Rente beziehe. «Ich gehe doch richtig von einer vollen Ehepaar-AHV-Rente aus?»

Bevor er mich nach der Haarfarbe meiner Enkel, der Schuhnummer des Grossvaters mütterlicherseits und dem Todesdatum unseres verblichenen Papageis fragen konnte, ging ich zum Gegenangriff über. «Wenn wir jetzt schon so schön im Gespräch sind, würde mich natürlich auch Ihr Einkommen interessieren. Haben Sie schon Vermögen? Welchen flotten Flitzer fahren sie, und ist er bezahlt, geleast oder wird er abgestottert? Haben Sie die nächsten Karibik-Ferien schon gebucht? Und ihre Freundin (oder Freundinnen) – wie steht‘s damit so? Was ist eigentlich Ihr Lebensziel?»

Seine Fassungslosigkeit war grenzenlos. Er glaube, ich nehme ihn nicht ernst, meinte er säuerlich-beleidigt. Ich widersprach ihm nicht. Das Gespräch war schnell beendet, der Abschied kurz und frostig, nicht ohne dass die Bemerkung gefallen wäre, die Bank meine es doch nur gut mit mir, habe allein mein Interesse im Auge.

Einen Monat später rief ich wegen eines fehlenden Kontoauszugs meinen neuen Berater nochmals an. Respektive: ich wollte. Er arbeite nicht mehr bei der Bank, sondern sei ins Altautogeschäft eingestiegen, beschied mir die Dame am Telefon. Sie hingegen würde mich gern kennen lernen, hätte da so einige Ideen. «Wissen Sie, die Bank will nur Ihr Bestes!»

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Beliebte Artikel