FrontKolumnenAdler oder Schmetterling

Adler oder Schmetterling

Das WM – Spiel Schweiz gegen Serbien ging 2:1 aus. Kommentiert wurde aber vor allem ein Händespiel der beiden Torschützen. Alle erkannten darin den albanischen Doppeladler.

Das Spiel selbst habe ich nicht gesehen. Obwohl mich Fussball sehr interessiert. Aber weniger das Spiel auf dem Feld. Davon verstehe ich zu wenig, war zu wenig oft Zuschauerin. Das Drum und Dran finde ich faszinierend. Mit übermenschlichem Einsatz versuchen elf Spieler, einen Ball in ein Tor zu schiessen. Elf andere Spieler versuchen ebenso hingebungsvoll, sie daran zu hindern! Und dieses Ereignis zieht immer wieder, überall, ein Publikum von Tausenden von Menschen an, führt zu stundenlangen Diskussionen in der Nachbereitung.

Es reicht, wenn ich am anderen Tag vernehme, wie die Schweiz abgeschnitten hat, sagte ich mir in den letzten Tagen.

Umso verblüffter war ich, dass nach dem Spiel gegen Serbien ständig vom «Doppeladler» die Rede war. Im ersten Augenblick glaubte ich, die beiden Spieler hätten eine Flagge aus dem Hosensack gezogen und entrollt. Bis ich dann die Bilder sah. Elegant, spielerisch, hatten sie nach ihrem jeweiligen entscheidenden Schuss ins Tor die Hände verschränkt. Und alle erkannten das Bild des albanischen Doppeladlers.

Ich gebe zu, mir kamen bei diesem Anblick nicht Adler, sondern Schmetterlinge in den Sinn. Die wären denn auch politisch unverfänglicher gewesen.

«Die Schweiz hat Flügel bekommen» sagte Pedro Lenz sinngemäss in seinem Kommentar am Radio.

Natürlich ist mir auch klar, dass die Gesten für unendlich vieles standen, das im Vorfeld, und in der Vergangenheit, abgelaufen ist. Auch ich habe in den Medien Bemerkungen über unsere Nationalmannschaft und die in ihr vertretenen Nationalitäten gelesen, die nicht etwa humorvoll-witzig, sondern eindeutig abwertend gemeint waren.

Und darum erstaunte und freute es mich, dass dieses Händespiel, diese Momentaufnahme der emotionellen Befindlichkeit, die Sache so auf den Punkt gebracht hat. «Wir lassen uns nicht unterkriegen» ist meine Auslegung der Geste. Und die ist allgemeingültig und nicht an eine Nation gebunden!

Ich habe mir die Mühe genommen, im Internet Kommentare zu diesem «Vorkommnis»zu lesen. Auf eine Wiedergabe verzichte ich. Diesen Aufwand soll jede und jeder selbst betreiben! Die Bemerkungen wogen hin und her zwischen Erklärung, Verständnis, Ablehnung, Anfeindung.

Belustigt hat mich, dass nicht nur einmal gefordert wurde, die beiden Spieler sollten für die Fortsetzung der WM gesperrt werden. Was soll denn das? Welche schwerwiegende Tat haben sie sich zuschulden kommen lassen? Dann könnte unsere Mannschaft ja wohl gerade so gut sofort nach Hause reisen. Mir scheint, diese beiden Spieler seien für das weitere Durchstehen der WM unverzichtbar.

Nicht ganz nachvollziehen kann ich, dass es Leute gibt, die sich dieser Gesten wegen «über diesen Sieg nicht freuen können». Für die ein «bitterer Nachgeschmack» bleibt.

Aber es ist schon so, viele von uns tragen, auch in viel kleinerem Rahmen, verschiedene Identitäten in sich. Und das gefällt nicht allen. Am Anfang meiner politischen Tätigkeit wurde mir ganz gelegentlich gesagt, was ich tue, sei alles gut. Aber dass ich keine Luzernerin sei, sei eben doch ein Mangel! Mit den Jahren verlor sich diese Kritik. Sogar die «Zürcher Färbung» meines Dialektes wurde mir mit der Zeit verziehen!

Mich freuen alle Kommentare, die sich mit dem Spiel, mit den erlösenden Treffern und nicht mit der «Jubelgeste» beschäftigen. Ich schliesse mich den Glückwünschen für alle Spieler, besonders für die Torschützen, an. Besonders bemerkenswert war es ja, dass die Mannschaft sich nach der ersten Halbzeit nicht hatte «unterkriegen» lassen.

Da können wir nur Mut zusprechen und hoffen: weiter so!

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