FrontDigitalVier Stunden lang am Smartphone

Vier Stunden lang am Smartphone

Wir sind dauernd online – wo verbringen wir unsere Zeit?

Viele Menschen sagen, sie könnten kaum mehr aufs Smartphone verzichten. Die speditive Möglichkeit, für Kommunikation online zu sein, Informationen einzuholen und Bestellungen zu tätigen, ist selbstverständlich geworden. Telefonbücher und Kataloge aller Art sind im Gegensatz zum Zugang ins Internet nie da, wo und wann man sie braucht. Allen Warnungen vor zu viel Internetkonsum, nutzen wir unser Smartphone über 4 Stunden am Tag.

Das ist ein Ergebnis, das die Forscher der gfu Consumer & Home Electronics GmbH in ihrer neuesten Studie über Konsumtrends ermittelt haben. Sie sind der Frage nachgegangen, wie viel Zeit wir für die einzelnen Funktionalitäten einsetzen, die uns Smartphones bieten. Die Studie, welche die Smartphone-Nutzung in Deutschland abbildet, wurde diese Tage in Berlin vorgestellt.

Wo halten wir uns also auf, wenn wir über unseren ständigen Begleiter online sind?

Am meisten Zeit verbringen wir Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzer mit Musikhören und Gaming, also Spielen aller Art (54 Minuten am Tag). Fast gleichviel Zeit, nämlich 51 Minuten lang, beschäftigen wir uns mit Messaging, schreiben und lesen also SMS, WhatsApp und nutzen ähnliche Dienste. Diese Kurzform, in welcher Abkürzungen und Icons aller Art erlaubt sind und auch Bilder und Videos mitgeschickt werden können, ist in kurzer Zeit unser meist genutztes Kommunikationsmittel geworden.

Weit abgeschlagen, nämlich nur 37 Minuten gilt unsere Aufmerksamkeit den Apps, die wir auf unser Smartphone geladen haben. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass viele Menschen vor allem jene Apps nutzen, die sie auf der Einstiegsseite ihres Geräts abgespeichert haben. Je weiter hinten eine App liegt, umso eher gerät sie in Vergessenheit.

Die erwähnten Kommunikationsdienste haben das Schreiben und Lesen von Mails längst überholt: Diesen einst ebenfalls ganz wichtigen Dienst nutzen wir nur noch etwa halb so lang, nämlich 20 Minuten am Tag. Ein Mail verdient halt viel Aufmerksamkeit, fast wie ein Brief, und eine Kurzmitteilung ist rasch geschrieben und beantwortet. Unsere Kommunikation ist rascher und knapper geworden.

Fast gleich lang, nämlich bloss 19 Minuten, tun wir das, wofür das Telefongerät ursprünglich erfunden wurde – nämlich telefonieren. Ganz am Schluss unserer Nutzung liegen das eigentliche Navigieren im Netz (13 Minuten), auch heute wohl noch immer eine Beschäftigung für den grossen Bildschirm, und das Fotografieren (11 Minuten). Dass wir jeden Tag so viel fotografieren, hängt bestimmt auch mit der stark verbesserten Qualität der Kameras und dem Wunsch zusammen, viele Bilder zu teilen.

Von den Smartphone-Nutzerinnen und -Nutzern lesen 59% Zeitung und Nachrichten, während sich insbesondere bei den jüngeren Zielgruppen (16 bis 39 Jahre) 80% in den sozialen Medien bewegen. Dieser Wert liegt auch für die Generation 60+ bereits bei 58%. Beliebt sind Preisvergleiche (63%) und Bestellungen und Bezahlungen (58%). Auch hier unterscheiden sich die Generationen: Während 71% der 16 bis 39-jährigen solche Dienste nutzen, sind es bei den 60+-Menschen erst 44%. Was wir sonst noch mit dem Smartphone tun? Zum Beispiel Reisen, Hotel und Füge buchen (49%), uns mobile für den nächsten Flug einchecken (43%) und Car Sharing planen 20%.

Was täten wir bloss ohne Smartphone?! Jedenfalls nutzen wir diese Geräte viel mehr als für ihre Kernfunktion. Bereits jetzt müssten wir viele Gewohnheiten, die wir uns rasch angeeignet haben, ändern und anpassen, müssten wir auf den kleinen Begleiter verzichten.

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