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Ich bin ein Faulenzer!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Hatten Sie schöne Sommerferien? Braungebrannt zurück von fernen Gestaden, oder wenigstens mit einem anständigen Sonnenbrand? Haben Sie sich bereits etwas erholt vom üblichen Ferienstress, der an die Stelle des erhofften erholsamen Durchatmens trat? Und planen Sie bereits fürs nächste Jahr die Expedition an eine möglichst unbekannte Destination auf einem der fünf Kontinente? – Gratuliere, dann haben Sie alles richtig gemacht, so wie es sich für einen anständigen Eidgenossen gehört!

Denn von den Schweizern verbringen bloss 20 Prozent Ferien im eigenen Land, womit wir den zweitletzten Platz unter den Heimatmuffeln belegen, nur noch übertroffen von den Belgiern mit 16 Prozent. Wohingegen Franzosen (57 Prozent), Spanier (56 Prozent) und Italiener (52 Prozent) an der Spitze der Heimattreuen liegen. Klar, die leben ja schliesslich auch in Ferienländern… Und wenn man bedenkt, dass von den genannten 20 Prozent zudem die meisten in den Ferienorten der Schweiz ihren Urlaub verbringen, dürfte das Grüppchen jener, die auf «Balkonien» bleiben, im Promillebereich liegen.

Als überzeugtem Geniesser des eigenen Gartens stockte mir indessen doch der Atem, als mir kürzlich ein Artikel mit dem Titel «Wer zu Hause Ferien macht, weckt Misstrauen» unter die Augen kam. Und es machte die Sache nicht besser, dass es sich dabei nicht um unbedarftes Journalisten-Geschwafel handelte, sondern um die Studie eines renommierten Forschungsinstituts. Ich zitiere: «Menschen, die zu Hause Ferien machen, wecken bei andern ein gewisses Misstrauen. In unserer Leistungsgesellschaft, in der viele mit dem Stress geradezu kokettieren, steht ein «Balkonien»-Urlauber unter Verdacht, ein Faulenzer und Ignorant zu sein.» Auch Familien spüren den Druck, Ferien möglichst auswärts zu verbringen. Schon unter Kindern existiert ein Konkurrenzkampf um die tollsten Ferien. Nach dem Motto: «Wenn das Liseli nach Ägypten fliegt, will ich sicher nicht ins Toggenburg!» Und was, um Gottes Willen, fragt die Lehrerin am ersten Schultag? «Und nun: Wo wart ihr in den Ferien?»

Damit kommen wir «Balkonier» aber ganz flach heraus! Wir belasteten zwar per Fliegerei den Klimawandel nicht, bauten nicht mit an den Abfallbergen auf den Malediven, warfen keine Plastikflaschen ins Mittelmeer und halfen nicht, den Stau am Gotthard zu verlängern. Und dafür sind wir nun Faulenzer! Jetzt wird mir auch klar, weshalb mich meine Umgebung jeweils so seltsam mustert, mitleidiges Kopfschütteln, bei Begegnungen den Kopf leicht abwendend.

Natürlich stellt sich nun die Frage, was im nächsten Sommer zu tun ist. Die Thujahecke noch höher wachsen lassen? Den Briefkasten mit alten Zeitungen vollstopfen, damit er so zünftig überquillt? Demonstrativ Koffern-bepackt mit dem Taxi wegfahren und nachts klammheimlich zurückkehren? Mein weisses Hündchen mit Schuhwichse schwarz färben, bevor ich – mit Perücke und angeklebtem Bart – mit ihm Gassi gehe?

Alles Chabis. Ich werde mich auf dem schattigen Balkon im Liegestuhl räkeln und lustvoll an den Ferienstress der 80 Prozent im Ausland denken. Wenn schon Faulenzer, dann richtig!

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