Kultur

Werner Bischof – Standpunkt

Bewegende Bilder vom weltbekannten Schweizer Fotografen Werner Bischof sind bis 4. November im Bellpark in Kriens/Luzern zu sehen

„Ich gehe immer und überall zu tief in die Materie hinein. Das ist nicht journalistisch. Ich merke, dass ich kein Zeitungsreporter bin. In meinem Innersten bin ich immer noch – und werde es immer bleiben – ein Künstler“

Diese Aussage von Werner Bischof prangt auf einer Tafel inmitten seiner im Bellpark ausgestellten Bilder. Die Tafel ist grösser als die Fotos. Es sind die Originalabzüge, die das Schaffen und Wirken des Künstlers aufzeigen.

HONG KONG. 1952. Harbour of Kowloon.

Harbour of Kowloon, Hong Kong, 1952 © Werner Bischof / Magnum Photos

An der Vernissage am 24. August 2018 wies sein Sohn Marco Bischof auf die Gemeinsamkeiten seines Vaters und der Fotos hin:“ Die Ausstellung ist in seinem Sinne, bescheiden und ehrgeizig. Sensationen waren nicht sein Ding.“
Und Seniorweb verriet er:“Ich habe meinen Vater nicht gekannt. Er war immer unterwegs“

Werner Bischof zählte schon zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Fotografen seiner Zeit. Er gehörte der massgebenden Agentur Magnum-Photos an und zählte so berühmte Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, David Seymour, George Rodger, Maria Eisner und Robert Capa zu seinen Weggefährten.

Sohn Marco Bischof erinnert sich an die Werke seinen Vater. Foto: Josef Ritler

Bereits mit dreissig Jahren ist er als Fotograf eine internationale Grösse, seine Bilder erscheinen in den bedeutendsten Zeitungen und Zeitschriften jener Jahre.

Der Museumsleiter Hilar Stadler fasst die Arbeit des Künstlers zusammen:“Obwohl seine Fotografien an historischen Momente und Situartionen gebunden sind, erzählen seine Bilder von den Grunderfahrungen des Menschenseins, vom Leid und der Freude, von der Armut und der Würde, vom Fremden und Vertrauten. Dies macht die besondere Qualität seiner Bilder aus, die uns Betrachter als Dokumente des Menschlichen auch heute noch zutiefst berühren.“

Sohn Marco Bischof charakterisierte das Schaffen seines Vater mit einer Geschichte. Im Jahre 1952 sollte sein Vater in Indochina eine heroische Reportage machen. Doch das behagte ihm nicht und er sprang vom Zug ab und stand plötzlich in einem Dorf. Die Bewohner erschraken vor dem grossen fremden  Mann und versteckten sich. Bischof setzte sich auf einen Stein und fing an zu zeichnen. Nach einiger Zeit brachte ihm ein Mächen ein Ei, die Geste, dass er im Dorf willkommen sei. Die Bewohner strömten herbei und liessen ihn gewähren. Er blieb dann einige Wochen und fotografierte.

Southern part of the country, USA, 1954 © Werner Bischof / Magnum Photos

Was Werne Bischof in der ihm vergönnten kurzen Schaffenszeit von zehn Jahren hervorgebracht hat, ist aussergewöhnlich und begründet seinen Ruf, einer der begabtesten  Fotografen seiner Zeit zu sein.

Seine Bilder eröffnen Welten: Da ist die filigrane und träumerische Welt der Studiofotografie, die er in Zürich verwirklichte, die kontrastiert mit den Trümmerlandschaften des zerstörten Europas, das Bischof unmittelbar nach der Öffnung der Grenzen bereist.

On the road to Cuzco, near Pisac, Peru, May 1954 © Werner Bischof / Magnum Photos

Bald verschiebt er den Fokus weg von Europa, reist nach Indien, in dieses Land zwischen Tradition und industriellem Aufbruch, berichtet vom „modernen“ Krieg in Korea und entdeckt Japan als spirituelle Insel der Schönheit mit der Wunde Hiroshima; zieht weiter nach Hongkong und rapportiert vom Guerillakrieg in Indochina.

 

 


Werner Bischof in Peru, 3. Mai 1954, Foto: Eugene V. Harris © Werner Bischof / Magnum Photos

Er ist fasziniert von der neuen Welt in Amerika – Glamours und persönlich – und der Wärme Zentralamerikas im Kontrast dazu. Und schliesslich entdeckt er die Kultur der Inka in Peru, wo Werner Bischof am 26. April 1916 geboren, am 16. Mai 1954 als Begleiter eines Geologen mit dem Auto in eine Schlucht er Anden stürzt.

In der Ausstellung werden zahlreiche zuvor unveröffentlichte Aufnahmen, Kontaktabzüge, Skizzen und Notizen präsentiert. Sie ermöglicht den Zugang zum künstlerischen Arbeitsprozess und zu der Gedankenwelt des Fotografen.

Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Magnum Photos Paris und Marco Bischof vom Werner Bischof Estate.

Fotos: Werner Bischof/Magnun Photos und Josef Ritler