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Die Zwergenreise

Den Wald mit einer Puppengeschichte als magischen Ort erkunden

Meine Mutter nähte im Auftrag eines kleinen Betriebs zuhause Kleidchen für Puppenstubenpüppchen. Manchmal nahm sie mich mit, wenn Sie ihre Arbeit ablieferte. Das Atelier, in welchem ausser Biegepüppchen auch ganze Puppenhäuser mit den dazu passenden Möbeln entworfen wurden, war für mich eine Zauberwelt und die beiden Künstlerinnen Katharina Westermeier und Asta Berling waren die Zauberinnen.

Mama und Papa Zwerg am Esstisch

Nach solchen Atelierbesuchen malte ich mir vor dem Einschlafen Geschichten aus. Dass diese kleinen Wesen im Wald wohnen und Angst haben vor grossen Füssen, die durch den Wald trampeln. Zum fünften Geburtstag schenkte mir meine Mutter eine kleine Puppenfamilie. Zur jener Zeit waren wir oft in den Wald gegangen. Ich lernte dabei viel Wertvolles über Giftiges und Essbares.

Hier könnten Zwerge wohnen.

Während meine Eltern Pilze und Beeren sammelten, baute ich für meine Püppchen ein sicheres Haus zwischen den Wurzelauslegern eines riesigen Baums. Das war der geeignete Ort, um meine „Zwergenfamilie“ vor den Füssen der Menschen schützen.

Nun bin ich Grossmutter und baue immer noch Zwergenhäuser! Wenn eines meiner Enkelkinder fünf Jahre alt wird, mache ich mit ihm eine Reise zu den Zwergen. Zwar gibt es meine Puppenfamilie von damals nicht mehr. Im Heimatwerk aber habe ich kleine Zwerge aus Holz gefunden. In einer Brockenstube suchte ich nach Playmobil Figuren, aus welchen ich Zwergenkinder basteln kann. Dort fand ich auch zwei alte Biegepuppen. Ich nenne sie Gritli und Hansli die in unseren Geschichten Menschenkinder darstellen und die Einzigen sind, die das Zwergenhaus besuchen dürfen.

Die Kinderschar schläft bei den Zwerg-Eltern

Einer Zwergenreise spielt sich etwa so ab: Mein erstes Enkelkind Lea ist fünf Jahre alt. Zeit zum Zwergeln! Ich reise mit ihr ins Berner Oberland, oberhalb von Spiez. Ich kenne diese Gegend. Das Ziel ist ein zauberhafter Wald an einem Bergbach. Nach langem Suchen finden wir einen passenden Baum.

Schon wartet auch ein Zvieri für die Grösseren unweit vom Zwergenhaus

Das Abenteuer kann beginnen. Lange arbeiten wir an der Wohnung für die kleinen Wichte um es ihnen richtig gemütlich zu machen. Jetzt beginnt das Puppenspiel:

DIE GESCHICHTE:

Die Zwerge sind gerade beim Mittagessen. Da kommen zwei Kinder, das Gritli und der Hansli und beobachten die winzige Familie. Die zwei sehen wie kleine Menschen aus. Die Zwerge fürchten sich, aber Gritli sagt, dass sie und ihr Bruder ganz friedlich seien und den Zwergen nichts Böses tun wollten. Auch würden sie niemandem verraten, wo die Zwerge wohnen. So laden die Wichtel Hansli und Gritli zum Essen ein.

Die im Spiel geäusserten Fantasien von Lea und mir haben sich zu dieser Geschichte verwoben. Spontan nahm ich mein Handy und machte einen Film davon. Wieder daheim bearbeitete ich die Aufnahmen. Zu Weihnachten bekommt meine Enkelin den Zwergenfilm. Er soll sie auch später an die wunderschöne Zeit mit ihrem Omami im Berner Oberland erinnern.

Gritli und Hansli (die beiden Biegepuppen rechts) verraten niemals, wo Zwergs zuhause sind.

Fotos: © Barb Streuli

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