FrontKolumnenNein, keine 1. April-Scherze

Nein, keine 1. April-Scherze

Kann man den Kopf nach oben neigen? Ist eine Gasse sexy? Wo wohnen Seelöwen? Fragen, passend zum Scherzkeks-Datum – erschienen sind sie aber viel früher.

 

In der Mathematik gibt zwei und zwei fast sicher immer vier. Sprache ist da toleranter und bietet auch mal Alternativen an. Nur: Korrekt sollten diese schon sein. Zum Beispiel, wenn vermeldet wird, das  neue Zelt des Zirkus Knie habe keine die Sicht störenden Masten mehr, sondern zwei Rundbögen. Ist doch super! Also keine Dreieck- oder Quadratbögen. Darüber hinaus haben auch alle Scheinwerfer ihre Testläufe hinter sich. Bis der Zirkus dann nach Zürich kommt, sind die Lampen aber sicher wieder zurück.

Bleiben wir noch etwas beim Knie-Unternehmen. Im einstigen Delfinarium im Rapperswiler Kinderzoo sind, nur noch für eine kurze Zeit, heute die Seelöwen ansässig. Wobei ansässig doch ein etwas verschleiernder, ungenauer Begriff ist. Sie werden dort gehalten. Ansässig wären die Tiere wohl eher im Meer.

In Winterthur zieht, an bester Lage, eine Bank um. Aber «Sexy bleibt die Gasse ganz bestimmt». Wie sieht wohl eine sexy Gasse aus? Wie die Zürcher Langstrasse zu ihren besten Zeiten? Oder einfach ohne Vorhänge an den rot beleuchteten Fenstern? Oder mit blondgelocktem Efeu statt der üblichen Geranien?

Sexy kann heute ja vieles sein. Auch ein Essen im Restaurant – Foodporn heisst das. Also nicht das Essen, nur das Foto davon. Eine sexy Gasse hiesse dann wohl Streetporn. Kann jeder das verstehen, was er will.

Und wenn die rot beleuchteten Fenster im dritten Stock liegen, kann die «Auslage» ja mit nach oben geneigtem Kopf betrachtet werden. Nur: Neigen impliziert eine Abwärtsbewegung, Blumen neigen ihre Blütenköpfe gegen unten oder heben sie der Sonne entgegen. Eine Brücke steigt an und neigt sich am anderen Ende. Sich im Winde neigende Schilfrohre heben nicht ab und der geneigte Leser hat den Kopf nicht im Nacken. Aber manchmal schüttelt er ihn.

Wenn wir schon beim Kopf sind: Ein Käppi, rücklings auf dem Kopf getragen. Ein Bild wäre da hilfreich. Die Kappe auf dem Rücken? Oder ist sie vielleicht nur verkehrt herum aufgesetzt.

Zum Schluss geht noch ein Projekt durch die Luft. Ist aber kein Flugzeug, keine Rakete – nein, ein Tanzcafé. Und geht auch nicht in oder durch die Luft, hat nur Erfolg. Startet also durch und hebt vielleicht sogar ab. Also bilanzmässig gesehen. Weil es erfolgreich ist. Vielleicht, weil zwei und zwei dort auf einmal acht ergeben? Gut, am 1. April könnte man ja diese Meldung bringen: Heute um 16 Uhr geht unser Tanzcafé durch die Luft! Zuschauer bitte Helme mitbringen.

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