Kolumnen

Rüti zündet eine Signalrakete

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

An der Gemeindeversammlung in Rüti im schönen Zürcher Oberland könnte es Mitte Juni zu einem zünftigen Feuerwerk kommen – zumindest einem verbalen. Und ich hoffe, man müsse im Nachhinein (wenn sich der Pulverdampf verzogen hat) nicht feststellen, es sei alles nur Schall und Rauch gewesen.

Da hat doch ein beherzter Rütner Bürger, zusammen mit weiteren Einwohnern, eine Initiative eingereicht, weil es ihn angesichts des von Jahr zu Jahr üppiger werdenden Geklöpfs am 1. August und in der Neujahrsnacht offensichtlich vertätscht hat. Konkret verlangen die Initianten beim Abfeuern mehr Sicherheit in Bezug auf die Abstände zu Menschen und Gebäuden und weisen generell auf die Lärmbelästigung hin. Vernünftige Leute, in der Tat!

Unsern Gemeindevätern und –müttern ist die Umsetzung des Begehrens indessen zu kompliziert, und sie empfehlen es zur Ablehnung. Doch dann der grosse Knall! Der Gemeinderat würdigt die negativen Auswirkungen von Feuerwerk (Schadstoffbelastung der Luft und der Böden, Lärmbelästigung von Menschen und Tieren), und auch der jeweils liegen bleibende Abfall ist ihm ein Dorn im Auge.

Deshalb legt er dem Souverän einen Gegenvorschlag vor, mit dem tabula rasa gemacht und das Abbrennen von lärmendem Feuerwerk kurz und bündig auf dem gesamten Gemeindegebiet verboten werden soll – auch am Bundesfeuertag und an Silvester.

Päng, dieser Böller sitzt!

Nein, auf eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Feuerwerken lasse ich mich nicht ein. Soll doch beim Blick (mit verrenktem Genick) in den nächtlichen Himmel das farbige, blumige Geglitzer und Gefunke mit kindlichem «ah!» und «ui!» und «oh!» quittiert werden. Weshalb dabei allerdings eine ganze Artillerie-Abteilung alle ihre Haubitzen gleichzeitig abfeuern muss, ist mir schleierhaft. Wobei auch dieses stille Zeugs die Luft derart mit Feinstoff belastet, dass jedem Lungendoktor die Haare zu Berg stehen müssen.

Angesichts der intensiven, gelegentlich fast hysterischen Grün-Debatte samt Proklamation des Klimanotstandes liegt die Frage schon nahe, ob diese nächtliche Volksbelustigung noch zeitgemäss ist. Und ob es bloss ein übles Gerücht ist, die nächste Klima-Demonstration werde mit einem prächtigen Feuerwerk abgeschlossen. Apropos Klima: Dieses kann durch Feuerwerk nicht nur umweltmässig belastend sein, sondern auch in den Quartieren. Da stieben zwischen Nachbarn angesichts des pyrotechnischen Geschehens vor der Haustür immer mal wieder die Funken…

Wie sich die Bevölkerung auch immer zum Vorschlag ihrer Regierung stellen wird (ein Rohrkrepierer ist natürlich durchaus möglich): Rüti zündet eine Signalrakete, die weit über die Gemeindegrenzen hinaus gesehen werden und da und dort zu Nachdenken anregen dürfte.

Mein Hund jedenfalls wedelte freudig mit dem Schwanz, als ich ihm von diesen Neuigkeiten berichtete, und er gab sie subito in der hintersten Gartenecke bellend der Nachbarskatze weiter. Miauend lief diese nach Hause und erzählte im Vorbeigehen mauzend dem Igel von der erfreulichen Sache.

Ein schönes Schlussbukett – nicht wahr?