Kultur

Die Stadt Zürich passt ihr kulturelles Leitbild an

„Bewährtes pflegen, Innovationen ermöglichen“ ist das Kulturleitbild 2020-2023 überschrieben. Revolutionär ist es nicht, muss es auch nicht sein, denn Zürichs Ruf als Kulturstadt ist eine austarierte Erfolgsgeschichte.

Ob der Gemeinderat das sanft renovierte Leitbild von Stadtpräsidentin Corine Mauch und Kulturdirektor Peter Haerle so einfach durchwinken wird, muss sich noch weisen. „Angestrebt wird ein Gleichgewicht zwischen Neuem und Bewährtem“ ist ein Gemeinplatz, der niemanden verstört, im Detail dann aber doch einige bemerkenswerte Akzente setzt.

Insgesamt soll der gesellschaftliche Wandel, die Multi-Kulturalität und Diversität in ihrer Vielfalt, die neuen technologischen Möglichkeiten Eingang finden in eine Kulturförderung, die „rascher und flexibler auf neue Entwicklungen reagieren will.“

Ein Labor für neue Formen der Kulturförderung, was auch immer darunter zu subsummieren ist, soll innovative und experimentelle Veränderungen in der Kunstwelt wahrnehmen und begünstigen. Ein dreijähriger Prozess ist hierfür vorgesehen, der eine Kerngruppe von Kunstschaffenden miteinbeziehen soll, eine Art basisdemokratische Legitimation, die gegen eine Million kosten wird. Dieses etwas nebulose Denklabor wird wohl noch zu reden geben.

Zürich gibt pro Kopf und Tag 70 Rappen für die Kulturförderung aus, das sind immerhin 255 Franken jährlich, macht aber im Gesamtetat nur knapp 1,5% aus (2018 waren es 1,24%). Der Nettokulturaufwand betrug für 2018 109,4 Mio.

Gute Rahmenbedingungen für Kunstschaffende, Institutionen und das Publikum zu schaffen zählt zu den zentralen Aufgaben der Kulturförderung. So soll z.B. die Tonhalle-Gesellschaft in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft überführt werden, um grösseren Spielraum für die Gewinnung von privaten Mitteln und Sponsorengeldern zu schaffen. Aber auch kostengünstige, schallisolierte Proberäume für Musizierende, die oftmals in fensterlos muffigen Kellerräumen üben müssen, sollen mit bewährten mobilen Musikboxen zur Verfügung gestellt werden.

Zu einem neuen Fördersystem zählt auch das Projekt „Tanz- und Theaterlandschaft Zürich“, das neue Initiativen mit Förderbeiträgen mit verschiedenen Laufzeiten unterstützen will. Auch die städtischen Aussenquartiere sollen die Bandbreite kultureller Eigeninitiativen unterstützen, so z.B. den Tenor Christoph Homberger, der in Zürich Nord in „Hombis Salon“ mit Herzblut Basiskultur betreibt.

Das letzte Wort darüber ist noch nicht gesprochen. Die ehrgeizigen Kulturbemühungen rufen wie immer die Parteien auf den Plan, die vor einer „weiteren Aufblähung der Kulturindustrie“ warnen oder gar das Gespenst eines „Brutkastens für linke Kultur-Egozentrik“ an die Wand malen. Allen Leuten recht getan… galt in der Politik schon immer und in der Kulturpolitik sowieso. Zürich wird’s überleben.