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Aargauer Konjunkturbarometer fällt weiter

Der Aargauer Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung ist um 2,8 auf 91,6 Punkte gefallen. Sämtliche Komponenten gaben nach.

Am stärksten gelitten haben innert Monatsfrist die Finanzmärkte und die Logistik. Allerdings notieren beide Komponenten immer noch über ihrem Langfristtrend. Industrie und Aussenhandel sind zwar lediglich leicht gesunken, bleiben jedoch weiterhin unter dem langfristigen Mittelwert.

Deutlich geringeres Wachstum

Die Weltbank rechnet mit einer deutlichen Verlangsamung des weltweiten Wirtschaftswachstums. Statt wie bisher prognostiziert 3,6 Prozent, soll die Weltwirtschaft im laufenden Jahr nur noch um 2,6 Prozent wachsen. Als Gründe für die erhebliche Korrektur macht die Weltbank internationale Handelskonflikte geltend. Wenn ein Grossteil des Handels von China und den USA mit Zöllen belegt werden, würde das Wachstum noch geringer ausfallen, warnt die Weltbank. Die Rate von 2,6 Prozent wäre das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise. Zum Vergleich: 2018 ist die Weltwirtschaft noch um 4,1 Prozent gewachsen.

Deutlich zum Ausdruck kommt diese Entwicklung im Aargauer Konjunkturbarometer beim tieferen Volumen der Luftfracht – ein zuverlässiger Frühindikator der Konjunktur. Seit einem knappen Jahr schrumpfen die jeweiligen Vergleichswerte zum Vorjahresstand fast ausnahmslos. Auch die Finanzkomponente hat gelitten, selbst wenn diese Komponente immer noch über dem langjährigen Trend notiert. Zudem verringerten sich auch das Konsumenten- und Investorenvertrauen, wenn auch nur geringfügig.

Positives Zeichen: Robuster Konsum

Für Mai und Juni 2019 ist der Konsumtrend sowohl für den Kanton Aargau wie auch für die Gesamtschweiz stabil. Ein Einbruch zeichnet sich demnach nicht ab, wie Analysen zeigen. Das gilt speziell für die Autoverkäufe. Zwar waren schweizweit die Autoverkäufe im Mai saison- und arbeitstagebereinigt um 2,7 Prozent rückläufig. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden jedoch 1,8 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum.

Medienresonanz stabil

Wie oft berichten Medien über konjunkturell negative Entwicklungen? Konkret gemessen wird in der entsprechenden Medienresonanz-Komponente, wie häufig Wörter wie «Rezession» oder «Stellenabbau» in der Berichterstattung vorkommen. Wie verschiedene Studien im In- und Ausland zeigen, hat sich die Analyse von Medieninhalten bezüglich der frühzeitigen Einschätzung der Konjunktur bewährt. Unter anderem wird dieses Mittel auch benutzt, um die generelle Unsicherheit in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zu messen. Die Resonanz in den von Aargauerinnen und Aargauern konsumierten Medien tendiert mit 100,7 Punkten weiterhin über dem langjährigen Trend – hohe Werte im Endresultat dieser Komponente sind positiv zu interpretieren und stehen für relativ wenige negative Berichte zur Konjunktur.

Stabilisierung in Europa

Die Industrie-Komponente ist erneut negativ. Der internationale Trend ist für die Schweizer Industrie von besonderer Bedeutung, spielen doch die Exporte bekanntlich eine wichtige Rolle. Der Global Manufacturing PMI – die Umfrageergebnisse der Einkaufsmanager in der Industrie – ist auf den tiefsten Stand seit Oktober 2012 gefallen. Die Abschwächung des Wachstums in den USA im Mai war der Hauptgrund für den Kriechgang des globalen verarbeitenden Gewerbes. In Europa scheint sich eine Bodenbildung abzuzeichnen, gibt es doch vorlaufende Indikatoren, welche auf eine Trendumkehr hindeuten.

Im Mai lag der Schweizer Einkaufsmanager-Index für die Industrie (Swiss PMI erstellt von procure.ch und der Credit Suisse) praktisch unverändert auf einem Stand von 48,6 Zählern und damit knapp unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Produktion der hiesigen Industrie nimmt nun bereits seit drei Monaten ab, wenn auch nur leicht.

Das schweizerische Wachstum wird somit weiterhin vom Dienstleitungsbereich getragen. Der entsprechende Indexstand beträgt aktuell 57,5 Punkten und liegt damit immer noch komfortabel in der Wachstumszone. Der ebenfalls von Aargau Services Standortförderung und der Aargauischen Kantonalbank herausgegebene und analog erhobene gesamtschweizerische Benchmark – der Swiss Index – sank im Mai um 2,7 auf 96,2 Punkte. Das Momentum der beiden Indizes sollte mit einer Verzögerung von rund drei bis sechs Monaten durch die offiziellen Wirtschaftsdaten reflektiert werden.

Aktuell zeigt unsere Model-Hochrechnung für den Kanton Aargau für das Jahr 2019 ein reales BIP-Jahreswachstum von rund 0,9% (Vormonat 1,1%) an; der Swiss Index deutet auf ein BIP-Wachstum von rund 1,1% (Vormonat 1,2%) hin.

Bezugsquelle

Die aktuellste Ausgabe des Aargauer Konjunkturbarometers finden Sie jeweils auf der Webseite der Aargauischen Kantonalbank unter www.akb.ch/news.

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