Kultur

Le Corbusier: Wiedersehen mit einem Juwel

Die Wiedereröffnung des sanierten Pavillon Le Corbusier im Zürcher Seefeld weckt Erstaunen und Begeisterung. Es ist ein faszinierendes Vermächtnis und ein architektonisches Glanzstück.

Es war der Beharrlichkeit und Ausdauer der Innenarchitektin, Galeristin und Mäzenin Heidi Weber zu verdanken, dass der Entwurf für einen Ausstellungspavillon von Le Corbusier (eigentlich Charles-Édouard Jeanneret) nach dessen Tod im Jahre 1965 durch ein Architektenteam und mit Ingenieuren in die Tat umgesetzt werden konnte.  Sie erhielt das Landstück auf der Blatterwiese  von der Stadt Zürich für fünfzig Jahre im Baurecht und realisierte den Ausstellungspavillon trotz aufkommender Schwierigkeiten erfolgreich.

1967 konnte der Pavillon als letztes Zeugnis des Schweizer Jahrhundert-Architekten eingeweiht werden. Natürlich nagte der Zahn der Zeit auch am Zürcher Bauwerk. Doch nach umfassender und akribischer Renovation durch die Architekten Silvio Schmed und Arthur Rüegg ist der denkmalgeschützte Bau nun für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.  Zur Erinnerung: Im Juli 2016 wurden 17 Bauten aus sieben Ländern unter dem Titel „Das architektonische Werk von Le Corbusier“ als Weltkulturerbe ausgezeichnet.

Das Hauptexponat ist der Pavillon 

Die schiffsähnliche Konstruktion basiert auf dem von Le Corbusier entwickelten Proportionssystem Modulor und demonstriert eine Vielzahl seiner Entwurfsprinzipien. Dazu zählen z.B. Elemente der Vorfabrikation, die bevorzugten Rampen statt der Treppen, der luftige Dachgarten und seine magische Raumhöhe mit ausgestrecktem Arm von 2,26 m., die er in seinen Bauten massstäblich konsequent umsetzte. Das farbenfrohe, filigran wirkende Haus gilt inzwischen weltweit als ein begehbares Gesamtkunstwerk und verschafft Zürich ein architektonisches und touristisches Highlight.

Auf 600 Quadratmetern und über vier Geschosse hinweg gewährt der Pavillon vielfältige und die künstlerische Phantasie anregende  Ein- und Ausblicke. Dazu gehören auch die fix eingebauten Möbel wie die berühmte Liege. Die Geometrie wird zur Poesie beim Blick auf das Zürichhorn und den See.

Die Eröffnungsausstellung zeigt „Mon univers“

Über alle Stockwerke hinweg zeigt sich die Sammelleidenschaft und der gestalterische Kosmos Le Corbusiers. Er verfolgte zeitlebens die Vision einer Synthese aus Kunst, Natur, Folklore und Industrie und fügte sie mit Assemblagen und Trouvaillen zu einem Universum der Inspiration zusammen. Die Ausstellung zeigt Originale aus seiner Privatsammlung, Fotografien des „visuellen Chronisten“ René Burri, Malereien und Gemälde sowie Fundstücke aus der Natur. Leihgaben aus Privatsammlungen und der Fondation  Le Corbusier Paris runden die aktuelle Ausstellung, die bis 17. November zugänglich ist, ab. 

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 12-18 Uhr, Donnerstag 12-20 Uhr

Führungen: Jeweils an Sonntagen von 14-15 Uhr oder auf Anfrage