Kolumnen

Es lebe das gelesene Buch!

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Das Buch! Das Buch sei passé, hört man allenthalben, nicht nur am Stammtisch. Im Zeitalter all des digitalen Schnickschnacks falle es doch einem normalen Menschen nicht mehr ein, sich in eine Ecke zu setzen und zu schmökern, was da zwischen zwei Kartondeckeln an mehr oder minder Interessantem zu inhalieren sei. Wobei zur Sicherheit anzumerken ist, dass Lesen-Können eine Voraussetzung ist, auf die man immer seltener stösst.

Aber das ist natürlich Chabis. Das Buch feiert Hochkonjunktur wie nie zuvor. Im Wochentakt erscheint nur schon in der Schweiz ein neuer Schinken (oder zumindest ein Schinklein), denn die Zahl jener, die sich berufen fühlen, das Papier zwischen den bereits erwähnten Deckeln mit Buchstaben zu füllen, steigt ins Endlose. Wobei ihnen bei den gelegentlich kaum nachvollziehbaren Gedankengängen entgegenkommt, dass die deutsche Sprache und ihre Interpretation sehr, sehr flexibel geworden sind.

Zum Glück gibt es sie noch in grosser Zahl, die eingefleischten Leseratten. Und wer die Bücher wirklich liebt, mietet sie nicht für ein paar Batzen in der Bibliothek (und riskiert nicht, auf abgegriffenem Papier allerhand Bakterien, Viren und Bazillen aus den verschiedensten Haushalten zu begegnen), sondern kauft sie voller Leidenschaft und Vergnügen. Und so stapeln sie sich auf Lese- und Nachttischen und landen nach «Verzehr» auf dem bereits überfüllten Büchergestell, dann schliesslich auf dem Estrich oder im Keller.

Denn Bücher brauchen Platz und Platz und Platz. Irgendwann, wenn stets neue Druckerzeugnisse (bequem im Internet geordert und von der Post flugs und oft portofrei geliefert) ins Haus fliessen, liegen sie auf der Sammelstelle für Papier-/Kartonabfuhr. Wo sie vom Abschiedsschmerz eingeholt werden! Denn welche wahre Leseratte kann sich schon von Büchern trennen? Und so finden sie den Weg zurück  in den Keller, auf den Estrich oder gar auf die Bücherwand, bis Haus oder Wohnung aus allen Nähten platzt.

Mein alter Freund Jakob hat das Problem auf seine Weise gelöst. «Neue Bücher sind schlicht überflüssig: Sie kosten Geld, versperren Platz, und man muss sie wieder irgendwie loswerden!» Weil er aber ein leidenschaftlicher Leser sei, lese er jetzt seine alten Bücher – zum grössten Teil bereits recht vergilbte Taschenbücher und ziemlich genau 23 an der Zahl. Einzelne stammten noch aus seiner Jugendzeit, und die «Schatzinsel» und den «Robinson» könne er praktisch lückenlos auswendig.

Die Idee ist bestechend! Neben den erwähnten Geld- und Platzfaktoren hat das Wieder-Lesen der alten Bücher einen enormen Vorteil: Die blöde Spannung, wie die Geschichte wohl ausgehen werde, stört nicht mehr… Und wenn das Lesen zu langweilig wird, blättert man weit nach hinten zur Stelle, wo sich die Beiden in die Arme fallen oder gegenseitig umbringen.

Es lebe das nächste bereits gelesene Buch!