Gesellschaft

Luzern für Frauen

Cécile Bühlmann und Eva Bachmann haben im Xanthippe-Verlag, Zürich, unter dem Titel: „mis lozärn“ einen besonderen Stadtführer herausgebracht. Der Untertitel „Neun Streifzüge durch die Zentralschweiz für Frauen“ verrät den geografischen Blick über den Tellerrand hinaus.

Auch Zug, Schwyz, Stans, Sarnen, Altdorf, laden durch illustrierte Rundgänge, ergänzt mit Auszügen aus den Stadtplänen, zum Spazieren, Flanieren und Verweilen ein. Der Zusatz „für Frauen“ zeigt an, dass der Blickwinkel aller Autorinnen ein ganz besonderer war.

Die Verlegerin und Autorin Yvonne-Denise Köchli

Leserinnen und Leser promenieren zunächst auf vier Rundgängen durch die Stadt Luzern. Angelegt sind die Spaziergänge nach Themen: Politik, Geschichte, Kultur, Mode/Design. Sichtbar gemacht werden die Spuren, welche Frauen in alten Zeiten, in der näheren Vergangenheit und in der Gegenwart, hinterlassen haben. Die Autorinnen Ursula Kreienbühl führt uns anschliessend durch Zug, Gaby Annen-Mächler durch Schwyz. Karin Schleifer stellt uns Stans vor. Und durch Heidi Wernli Gasser werden uns Sarnen, durch Carla Arnold Altdorf vertraut gemacht.

Gespannt verfolgen die Gäste die Vorstellung im MAZ.

Das Buch ist sehr schön gestaltet durch die Grafikerin Isabel Thalmann. Die Fotografin Jutta Jacobi lässt Pflanzen, Landschaften, Gebäude sprechen. Sie setzt Persönlichkeiten ins rechte Licht. Und einzelne Aufnahmen mit unterschiedlichen Sujets können schlicht als spektakulär bezeichnet werden.

Vernissage

Am 2. Juli fand die Vernissage für „mis lozärn“ im MAZ, der Schweizer Journalistenschule in Luzern, statt. Den hinreissenden musikalischen Rahmen gestalteten Isa Wiss und Patricia Draeger. Sylvia Egli von Matt erklärte in kurzen Worten, dass eine erste Besprechung zum Buch im MAZ stattgefunden habe. Von 1998 – 2014 hatte sie selbst die Schule geleitet. Deshalb drängte sich das MAZ als Lokalität auch für die Vernissage auf.

Historikerin Elisabeth Joris hielt Rückschau.

Yvonne-Denise Köchli, die Verlegerin, kam von den konkreten Erfahrungen mit Stadtführungen in Zürich her. Sie hatte festgestellt, dass Frauen wenig sichtbar waren. Sie wies auf die beiden Vorgängerbände von „mis lozärn“ hin. 2016 erschien „miis züri“ von Yvonne-Denise Köchli und 2017 „my baasel“ von Anita Fetz. Durch diese Stadtrundgänge aus Frauensicht sollte eine grosse Lücke in der sichtbaren Frauengeschichte geschlossen werden. Denn in klassischen Reiseführern trete das Werken und Wirken von Frauen nur in 10 bis 20 Prozent der Hinweise in Erscheinung. Wir lernen zwar jeweils eine Stadt kennen, aber immer fehlt uns die Präsenz der gestaltenden Frauen in dieser Stadt.

Hauptorte der Zentralschweiz

Im anschliessenden Podiumsgespräch stellte Cécile Bühlmann Fragen an die Autorinnen, welche für die Hauptorte der Zentralschweiz die Frauengeschichte erlebbar und erwanderbar gemacht hatten: Ursula Kreienbühl (Zug), Gaby Annen-Mächler (Schwyz), Karin Schleifer (Stans), Heidi Wernli Gasser (Sarnen), Carla Arnold (Altdorf). Es zeigte sich, dass auch hier sehr wohl markante Persönlichkeiten anzutreffen waren. Zu nennen wären etwa Elisabeth Blunschy-Steiner (1922 – 2015) aus Schwyz oder Emilie Lieberherr(1924 – 2011) aus Erstfeld/UR.

Cécile Bühlmann (links) stellt die sechs Autorinnen vor (v.l.): Eva Bachmann, Karin Schleifer, Gaby Annen, Ursula Kreienbühl, Carla Arnold, Heidi Wernli.

Eine chronologische Frauengeschichte der Zentralschweiz ist im besprochenen Buch ab Seite 261 zu finden. Mit lebhaften Ausführungen wies deren Autorin, die Historikerin Elisabeth Joris, auf Schwerpunkte hin und zeigte auf, dass es in der Zentralschweiz gerade im kulturellen Bereich durchaus eine Dichte an bemerkenswerten Frauen gab und gibt.

Nach einem grossen Dank an alle, die an diesem aussergewöhnlichen Stadtführer aus Frauensicht mitgewirkt haben, wandte sich das Publikum dem Apéro zu.

Titelbild: Cécile Bühlmann interviewt Eva Bachmann.

Fotos: Jutta Jacobi und Josef Ritler

Cécile Bühlmann, Eva Bachmann: „mis lozärn“, Xanthippe-Verlag 2019, Zürich, Grafische Gestaltung: Isabel Thalmann, Fotos: Jutta Jacobi. ISBN: 978-3-905795-65-3