FrontGesellschaftNein, ich bin keine Wasserratte

Nein, ich bin keine Wasserratte

Ich muss etwas gestehen: Ich habe eine Wasserphobie. Sie müssen aber, falls Sie mir mal begegnen, nicht kritisch die Nase rümpfen: Natürlich wasche und dusche ich mich regelmässig und bade auch nicht, wie Kleopatra, nur in Eselsmilch. Das ist nicht das Problem. Sie werden auch keine Alkoholfahne riechen bei mir, weil zu vermuten ist, dass ich statt Wasser lieber Wein, Bier und Schnaps trinke. Wo denken Sie auch hin?

Mein Problem liegt ganz woanders. Zwar, das muss ich gestehen, so eine richtige Wasserratte war ich nie. Schwimmen lernte ich erst in der ersten Klasse. Dort wurden alle Nichtschwimmer am freien Mittwochnachmittag ins Strandbad beordert. Ich wuchs am Zürichsee auf und ein richtiges Seemeitli musste einfach schwimmen können.

Wie ein schwimmunfähiger Fisch an der Angel

Der Bademeister band uns Landratten jeweils einen breiten Gürtel um unsere Bäuche. Nein, keinen Schwimmgurt, sondern einen aus Leder. Hinten am Rücken war daran ein Ring befestigt und daran eine Schnur. Der Bademeister am andern Ende der Schnur hatte eine Art Fischerrute in der Hand und stand auf dem Ponton zum Sprungturm. Ja, und dann wurden wir einzeln zu Wasser gelassen und mussten die vorher auf dem Trockenen geübten Schwimmbewegungen ausführen.

Was da so friedlich in der Landschaft liegt …

Der Bademeister, der uns an der Angel hielt, gab ziemlich barsch Anweisungen: «Beine nicht vergessen!» «Denk an die Hände!» und ab und zu lockerte er den Halt an seiner Angelrute etwas. Dann tauchte man unvermittelt unter und kam unter verzweifeltem Gestrampel und Gehuste wieder an die Wasseroberfläche. Aber glauben Sie mir: So lernt man in Rekordzeit schwimmen. Wenn vielleicht auch die Freude am Wassersport etwas auf der Strecke bleibt.

Nie mit kaltem Wasser giessen!

Aber eine Wasserphobie habe ich deshalb noch lange nicht. Nicht mal meine Versuche als Aquarellmalerin lösten in mir Angststörungen aus. Obwohl die Ergebnisse das vielleicht vermuten lassen. Auch wasche ich meine Kleidung regelmässig und bin im Garten bei anhaltend schönem Wetter oft und gerne mit der Spritzkanne unterwegs. Dass ich keinen Gartenschlauch benutze, hat nichts mit einer Phobie zu tun, sondern damit, dass ich meine Pflanzen konsequent nur mit vorgewärmtem, sprich gestandenem Wasser giesse.

Gut, mein Auto würde wohl hie und da eine Wagenwäsche mehr vertragen, aber das hat andere Gründe. Und auch meine Fenster werden erst gereinigt, wenn ich sicher bin, dass man nachher den Unterschied richtig gut sehen kann.

… und sich den Vorübergehenden so malerisch präsentiert, …

Nein, unter einer Wasserphobie leide ich nur auf dem Golfplatz. Und ich weiss, dass jetzt viele andere Golfspielende wissend nicken. Denn diese Krankheit ist leider ziemlich verbreitet.

Weiher, Teich, Bach – alles Wasser

Zu jeder Golfanlage gehören mehr oder weniger zahlreiche Bächlein, Weiherchen und Teiche – kurz Wasser genannt. Was auf dem Golfplatz nass ist – ausser wenn es regnet, natürlich – ist einfach Wasser. Wasser kann neben einer Spielbahn liegen, auf der Bahn und, ganz gemein, direkt vor dem Grün. Das ist dort, wo die Fahne in dem Loch steckt, in dem der Ball nach möglichst wenigen Schlägen versenkt werden muss.

Schlägt man den Ball ins Wasser, ist er in den meisten Fällen verloren. Man muss, mit einem Strafschlag, einen neuen Ball ins Spiel bringen. Jetzt ist es ja nicht so, dass so ein Wasser, ein Weiher zum Beispiel, so breit ist, dass er nicht zu überspielen wäre. Auf dem Gras schlägt man viel weiter. Ganz ohne Probleme.

… ist nichts anderes als eine Balleliminierungsanlage auf dem Golfplatz.

Und dann steht man an einem Wasser. Und weiss eigentlich schon dann, dass man wieder mindestens einen Ball versenken wird. «Denk einfach, da sei kein Wasser, sondern Gras», raten einem wohlmeinende Mitspieler. Ja, denk mal. Wie wenn man eine Wasserfläche einfach so ausblenden könnte! Auch Psychologie hilft nicht: Ich habe einen schönen, neuen, sagen wir, leuchtend rosa Ball. Und will den auf keinen Fall verlieren. Also mit Schwung übers Wasser damit. – Und die dicken Karpfen im Teich haben ein neues Spielzeug bekommen.

Manchmal wünsche ich mir eine Golfanlage ganz ohne Wasser. Da könnte ich mich richtig austoben. Aber wissen Sie was? Das wäre ganz schön langweilig. Denn wenn ein Ball mal in hohem Bogen über so ein Wasser fliegt und vielleicht noch neben der Stange aufs Grün zu liegen kommt, dann wächst, aus dem Bauch heraus, ein so riesiges Glücksgefühl in mir, dass ich die ganze Golfanlage umarmen könnte. Und es locker verschmerzen kann, dass am nächsten Wasser wieder mal ein Ball baden geht. Es lebe die Wasserphobie!

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