FrontKulturAuf nach Hombrechtikon!

Auf nach Hombrechtikon!

Es geschehen immer noch Zeichen und Wunder. Hierzu zählt zweifellos die Operettenbühne Hombrechtikon, die seit 1994 Jahr für Jahr mit der gar nicht so leichten Muse verzaubert.

Ein verschlafenes Dorf am rechten oberen Zürichsee? Mitnichten! Die im Rücken Stäfas gelegene Gemeinde mit Streukreis und einer Bevölkerung von ca. 9’000 Ortsansässigen schafft es jedes Jahr, sich im Frühherbst die sommerliche Lethargie aus Kopf und Kleidern zu schütteln und sich mit Furor und ansteckender Spielfreude schmissigen Operettenklängen und dem Seelentröster hinzugeben und bis in den Oktober hinein Musik-Nostalgiker zu erfreuen. Von  Frühjahr bis zu den Sommerferien wird emsig geprobt, dann müssen Noten und Abläufe sitzen. Der Feinschliff folgt dann mit wenigen Schlussproben. Auf dem Programm steht diesjährig die Verwechslungskomödie „Der Bettelstudent“ des österreichischen Operettenkomponisten Carl Millöcker (1842-1899).

Hombrechtikon hat beileibe nicht die einzige Liebhaberbühne, denn von Oktober 2019 bis März 2021 zeigt die Agenda der Musiktheater-Vereinigung von Möriken-Wildegg über Vorarlberg, Arth, Sursee, dem Entlebuch bis Bremgarten eine vielfältige und traditionsreiche Operetten-Seligkeit, welche das Wehklagen Lügen straft, wonach die Volkskultur längst abgedankt habe und der Fernsehkultur ihren Tribut zolle. Das ist umso erfreulicher, als diese verschworenen Idealisten auch qualitativ hohen Anforderungen genügen wollen und finanzielle Gratwanderungen nicht scheuen. Ohne die Unterstützung der ZKB, des Gewerbes und einer Gönnervereinigung könnte das Risiko allerdings nicht getragen werden.

Oberst Ollendorf (Erich Bieri) ist verschnupft und sinnt auf Rache (Fotos © Thomas Entzeroth)

Hombrechtikon zum Beispiel muss jährlich ein Budget von einer halben Million stemmen, denn im Orchester spielen keine Laien und auch die Solisten haben durchaus professionellen Ansprüchen zu genügen. Im Grusswort lässt Gemeindepräsident Rainer Odermatt dazu verlauten: „Der Bekanntheitsgrad und die Reputation des Operettenvereins Hombrechtikon sind Garant für Top-Produktionen. Der Verein hat sich zu einem wichtigen kulturellen Faktor für die gesamte Region und die benachbarten Kantone entwickelt.“

16 Vorstellungen sind bis 5. Oktober immer an Wochenenden angesetzt und können über info@operette-hombrechtikon gebucht werden. Die Webseite www.operette-hombrechtikon.ch gibt zusätzliche Auskünfte.

Bettelstudent (Daniel Zihlmann), reicher Fürst, umschwärmter Intrigant oder was? 

Erfolgreiche Strippenzieher sind der Dirigent Caspar Dechmann, ein versierter und ungemein zupackender musikalischer Leiter, welcher die Operettenbühne schon seit 2008 leitet, und Bettina Dieterle, die nun zum zweiten Mal Regie führt und auf komödiantisches und  moussierendes Tempo mit aktuellen Zeitbezügen setzt. Der akustisch bestens geeignete Gemeindesaal Blatten mit einem einnehmenden Bühnenbild, das im Handumdrehen wie von Geisterhand neue Schauplätze schafft (Dave Leuthold), und ein heiteres Kostüm-Kolorit tragen wesentlich zur animierenden Atmosphäre bei.

Laura (Rebekka Maeder) will es wissen – die Chordamen auch: Wer ist der Bettelstudent?

Der eigentliche Star des Abends (wir besuchten die Generalprobe) ist der Chor. Ein Laienensemble mit einer solchen Präzision, Stilsicherheit und Differenzierungsgabe singen zu hören, ist eine Ohren- und Augenfreude und belegt die hohen Ansprüche der Operettenbühne. Ob gelegentlich das eine oder andere Musical ins Programm aufgenommen werden könnte, werden sich die Verantwortlichen wohl überlegen, um auch den Sängernachwuchs und ein jüngeres Publikum anzusprechen.

Die Solisten einzeln zu würdigen, sprengte den verfügbaren Platz. Alle reihten sich nahtlos in eine engagierte, mustergültige, heiter funkelnde und mit herzlichem Applaus aufgenommene Wiedergabe, welche in den Annalen der Operettenbühne Hombrechtikon sicher einen stolzen Platz einnehmen wird.

Spielplan: Samstag, 31.8., 19.00, Premiere

Jeden Freitag und Samstag, 19.30 (bis 5. Oktober)

Sonntage jeweils 15.00 (bis 29. September)          

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