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Warum politische Börsen kurze Beine haben

Eine bekannte Börsenweisheit besagt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Gemeint ist der Umstand, dass der Einfluss politischer Ereignisse auf die Finanzmärkte nur vorübergehend ist. Mittel- und langfristig treten die wirtschaftlichen Faktoren wieder in den Vordergrund.

Warum das nicht in jedem Fall stimmt und trotzdem grundsätzlich richtig ist, wollen wir nachfolgend genauer erläutern.

Politischer Einfluss häuft sich

In den letzten Jahren haben wir als Anleger den Eindruck gewonnen, dass die Politik zunehmend einer der Haupttreiber des Geschehens an den Weltbörsen darstellt. Die politischen Querelen in Europa, die Wahl Trumps zum US-Präsidenten und der Brexit sind nur einige prominente Beispiele dafür. Die Anleger reagierten jeweils verunsichert auf die einzelnen Ereignisse und verkauften risikoreichere Anlagen wie Aktien, während sichere Häfen wie der Franken oder Gold verstärkt nachgefragt wurden.

Momentan ist es vor allem der Handelsstreit zwischen den USA und China, welcher die Anleger beschäftigt. Der zugrunde liegende Nachrichtenfluss ändert sich stetig und lässt kaum Zeit für eine Neueinschätzung. Der Handelsstreit stellt den freien Welthandel, einer der Hauptfaktoren des globalen Wirtschaftsaufschwungs der letzten Jahre, in Frage und macht sich zunehmend in der Realwirtschaft bemerkbar. Unternehmen weltweit überprüfen ihre Lieferketten und halten sich mit Investitionen zurück. Die jüngste Wachstumsabschwächung der globalen Konjunktur ist vor allem eine Folgeerscheinung dieser Entwicklung. Selbst oder gerade in China wächst die Wirtschaft aktuell mit der tiefsten Rate seit 1992. Nicht zuletzt eine Konsequenz der im Rahmen des Handelsstreits verhängten US-Zölle. Und selbst die amerikanische Wirtschaft spürt die internationale Konjunkturabkühlung und verliert an Dynamik.

Die Anleger nehmen diese Entwicklung mit Sorge zur Kenntnis und reagieren verunsichert. Die Notenbanken haben bereits reagiert und die Geldpolitik noch expansiver ausgerichtet. Sogar die US-Zinshüter haben den Versuch einer Zinsnormalisierung abgebrochen. Einer der Hauptgründe dieser Kehrwende stellt die Unsicherheit rund um die Auswirkungen des Handelsstreits dar. Wenn das alles keine politische Einflussnahme auf das aktuelle Marktgeschehen darstellt, was dann? Handelt es sich somit bei der erwähnten Börsenweisheit doch nur um ein geflügeltes Wort?

Der Handelsstreit stellt offensichtlich ein Extremereignis von grosser Tragweite und direktem Einfluss auf das weltweite Wirtschaftstreiben dar. Immerhin wird damit die Globalisierung und somit das wirtschaftliche Erfolgsmodell der letzten 20 oder mehr Jahre in Frage gestellt. Wenn wir jedoch in der Vergangenheit klassische politische Themen wie Wahlen oder kriegerische Auseinandersetzungen betrachten, war der nachhaltige Einfluss auf die globale Wirtschaft meistens beschränkt. Deshalb kehrten insbesondere die Aktienmärkte nach einer ersten Phase der Verunsicherung jeweils rasch wieder zum vorausgegangenen Preisniveau zurück.

Fazit

Die Finanzmärkte reagieren grundsätzlich sehr sensibel auf sämtliche Entwicklungen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Nicht umsonst spricht man vom Börsenbarometer, an welchem sich sämtliche vorhandenen Informationen umgehend ablesen lassen. Die Beobachtung der zugrundeliegenden Entwicklung ist deshalb für eine Einschätzung des zukünftigen Marktgeschehens unumgänglich. Allerdings sollten nicht mit jeder neuen Nachricht sämtliche bestehenden Anlagen in Frage gestellt werden. Dies betrifft insbesondere die Vermögensstruktur des langfristig ausgerichteten Portfolios. Ist die eigene Anlagestrategie genügend breit diversifiziert und auf das eigene Risikobudget abgestimmt, werden die eigenen Anlagen einen zwischenzeitlichen erhöhten Wellengang auf Dauer schadlos überstehen. Und darauf zielt meines Erachtens das Sprichwort ab.

Haben Sie Fragen zu Anlagethemen? Zögern Sie nicht, unsere Kundenberaterin oder -berater zu kontaktieren.

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