2 Kommentare

  1. Ein guter kritischer Kommentar, dem ich ganz zustimme. Es ist beschämend, dass die reiche Schweiz keine politische Mehrheit hinkriegt, die den Altersvorsorgeauftrag unserer Bundesverfassung endlich erfüllt. Genauso wie die Erwerbseinkommen mindestens Fr. 4’000 sein sollten, müsste dieser Betrag auch für die Altersrente als lebensnotwendig gelten. Dafür wäre ein starker Ausbau der AHV die kostengünstigste und dauerhafteste Lösung. Locker bezahlbar mittels Lohnabzügen oder (heute viel zu tiefen) Dividendensteuern oder (heute kaum noch existierenden) Erbschaftssteuern. Aber das getraut sich hierzulande kaum jemand laut zu sagen, weil behauptet wird, die Altersvorsorge sei jetzt schon zu teuer. Auf dieser Fehlinformation aufbauend machen die Banken und Versicherungen für die 3. Säule sehr offensiv Propaganda. Aber ausser grosse Profite für sie und unnötige Steuergeschenke für Gutverdienende schaut dabei nichts heraus. Ziel aller Seniorenorganisationen müsste es sein, endliche die Ziele der Bundesverfassung zu erfüllen und so die Renten nicht nur zu sichern, sondern in der 1. Säule auch deutlich zu erhöhen.

  2. «Wir können stolz sein auf unser Dreisäulensystem der Altersvorsorge» – das ist schweizerische Selbstbeweihräucherung, die weitergepflegt wird auch von Leuten, die die Finanzierungssituation der AHV als katastrophal und diejenige der 2. Säule als bedenklich einstufen. Vorläufig vertraut man den Finanzmärkten, ohne eine Prognose zu wagen, wohin die Börsenreise geht (immer nach oben?). Die steigenden Sozialkosten und Ergänzungsleistungen weisen auf das Ungenügen der Altersvorsorge hin. (Bundesrat Tschudi hatte gemeint, EL brauche es dann nicht mehr.) Nun solls die Dritte Säule richten, die mit Steuererleichterungen versehen wird. Nur: wer alles kann sich Drittesäulesparen leisten? Und die Neurentnerstatistik zeigt, dass Frühpensionierer (ab 58) im Durchschnitt 3600 Franken Rente erhalten, Normalpensionierer (mit 65) nur 2300. Paradox? Nein, ein Abbild der Einkommensschere. Und bis hierhin war von den Frauen nicht einmal die Rede. Nein, wir können nicht stolz sein. Das alles hängt damit zusmmen, dass noch nie (auch in den 70er Jahren nicht) wirklich über die volkswirtschaftlichen Voraussetzungen der Altersvorsorge diskutiert worden ist. Man tut trotz Automatisierung so, wie wenn die Schweiz immer noch ein Volk von HandarbeiterInnen wäre.