FrontKolumnenTagein, tagaus denken

Tagein, tagaus denken

Heute am 19. November ist der Welttoilettentag. Da schmunzelt man zuerst und wird dann ernster. Er erinnert daran, dass die meisten Menschen unter miserablen hygienischen Zuständen leiden. Doch hat es daneben in der weltweiten Agenda des Gedenkens genügend Anlass für Lachnummern.

Gefühlt gibt es 1000 solche Tage, gezählt sind es 267, die nationalen Feiertage nicht eingerechnet. Dabei fällt auf, dass die Senioren krass untervertreten sind. Bloss ein einziger dieser internationalen Anlässe ist den Betagten gewidmet, der 1. Oktober, der Tag des älteren Menschen.

Weitaus am häufigsten, nämlich an 40 Tagen, sollen wir an die Kranken und Behinderten denken. Weit abgeschlagen folgen die Kinder (15 Tage) und die Tiere (18). Unter anderem erfordern der Murmeltiertag (2. Februar), der Regenwurmtag (15. Februar) und der Schildkrötentag (23. Mai) unsere Aufmerksamkeit.

Am ersten Sonntag im Mai ist der Tag des Lachens. Eigentlich müsste es noch ein zusätzliches Datum geben, an dem man sich über diese Welttage amüsiert. Um die Heiterkeit zu ordnen, lässt sich das Angebot in Sach-, Fach- und Lachtage unterteilen. Ums Essen und Trinken geht es am Tag des Biers (23. April), ferner am Anti-Diät-Tag (6. Mai), am Tag des Butterbrots (letzter Freitag im September) und an Weltnudeltag (25. Oktober). Die Vegetarier tagen am 1. Oktober, die Veganer am 1. November.

Interessanten Tätigkeiten gewidmet sind der Tag der Erfinder am 9. November, der Putzfrauentag am 8. November und der Kiffertag (jawohl Hasch) am 20. April. Am 2. Juni ist Prostituiertentag. Zu diesem eher körperlich ausgerichteten Gedenktag gehört der Weltkuscheltag (21. Januar) und der Tag des Kusses (6. Juli). Wer will, kann am 16. Februar den Tag des strahlenden Sterns feiern. Es ist der Geburtstag von Kim Jong-il, dem verstorbenen Ewigen Generalsekretär von Nordkorea.

Zurück zu den Senioren. Ein einziger Tag also ist ihnen gewidmet, der 1. Oktober. Kein Tag der dritten Zähne, kein Tag der verlorenen Lesebrille. Den Friedhoftag (3. Sonntag im September) und den eingangs erwähnten Tag des stillen Örtchens am 19. November als Alterstage einzustufen, verbietet der gute Geschmack.

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