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Freiwilligenarbeit nachhaltig fördern

Am heutigen UNO-Tag der Freiwilligen ist es sinnvoll, sich die «Universal Declaration on Volunteering» in Erinnerung zu rufen. Sie wurde im UNO-Jahr der Freiwilligenarbeit (2001) verfasst und verabschiedet und hat inzwischen an Aktualität nichts eingebüsst. Nachstehend die Allgemeine Erklärung zum freiwilligen Engagement im Wortlaut: 

Freiwilliges Engagement (auch Freiwilligenarbeit genannt) ist ein Baustein der Zivilgesellschaft. Es erfüllt die hehrsten Ziele der Menschheit mit Leben: das Streben nach Frieden, Freiheit, Lebenschancen sowie Sicherheit und Gerechtigkeit für alle.

In unserem Zeitalter der Globalisierung und des ständigen Wandels rückt die Welt immer enger zusammen, wird verflochtener und komplexer. Freiwilliges Engagement – des Einzelnen oder im Verbund – ist ein Weg

  • die menschlichen Werte der Gemeinschaft, der Fürsorge und der Hilfsbereitschaft zu bewahren und zu fördern;
  • wie die Menschen ihre Rechte und Pflichten als Mitglieder von Gemeinschaften wahrnehmen und dabei ein Leben lang hinzulernen und sich entfalten können, um so ihr menschliches Potenzial voll auszuschöpfen;
  • ausgrenzende Unterschiede zu überbrücken, so dass wir in gesunden, nachhaltigen Gemeinschaften zusammenleben und miteinander neue Antworten finden, auf die uns alle bedrohenden Herausforderungen und unser gemeinsames Los gestalten können.

An der Schwelle eines neuen Jahrtausends ist die Freiwilligenarbeit ein wesentliches Element aller Gesellschaften. Es setzt die Erklärung der Vereinten Nationen, dass «Wir, die Völker» die Macht haben, die Welt zu verändern, in praktische, effektive Massnahmen um.

Diese Erklärung unterstützt das Recht jeder Frau, jedes Mannes und jedes Kindes, sich frei zu versammeln und freiwillig zu engagieren, unabhängig von ihrem kulturellen und ethnischen Ursprung, ihrer Religion, ihrem Alter, ihrem Geschlecht und ihren physischen, sozialen oder wirtschaftlichen Verhältnissen. Alle Menschen dieser Welt sollten das Recht haben, ihre Zeit, ihr Talent und ihre Energie anderen und ihrer Umgebung im Rahmen von Einzel- oder Kollektivmassnahmen frei anzubieten, ohne eine finanzielle Entschädigung dafür zu erwarten.

Wir streben die Entwicklung einer Freiwilligenarbeit an, die

  • zur Beteiligung der ganzen Gemeinschaft an der Erkennung und Bewältigung ihrer Probleme anspornt;
  • jenen Personen und Gruppen Gehör verschafft, die nicht für sich selbst sprechen können;
  • andere befähigt, als Freiwillige mitzumachen;
  • die verantwortungsbewusste Arbeit anderer Bereiche und die Bemühungen der hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergänzt, aber nicht konkurrenziert oder ersetzt;
  • Menschen die Möglichkeit bietet, neue Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen und ihre persönlichen Fähigkeiten, ihr Selbstvertrauen und ihre Kreativität voll zu entwickeln;
  • die Familie sowie die lokale, die nationale und die weltweite Solidarität fördert.

Wir sind der Überzeugung, dass Freiwillige sowie Organisationen und Gemeinden, in denen sie sich engagieren, eine gemeinsame Verantwortung dafür haben,

  • ein Umfeld zu schaffen, in dem die Freiwilligen eine sinnvolle Arbeit haben, die zur Verwirklichung vereinbarter Ergebnisse beiträgt;
  • Kriterien für die Beteiligung von Freiwilligen zu schaffen, einschliesslich der Bedingungen, unter denen die Organisation und die Freiwilligen ihre Verpflichtung beenden können, und Konzepte zur Anleitung der freiwilligen Tätigkeit zu entwickeln;
  • eine angemessene Absicherung gegen Risiken für die Freiwilligen ihren Begünstigten zu gewährleisten;
  • eine geeignete Ausbildung, eine regelmässige Beurteilung und die Anerkennung der Freiwilligen sicherzustellen;
  • durch die Beseitigung physischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Barrieren, die ihre Mitwirkung behindern, allen den Zugang zu ermöglichen.

Gestützt auf die grundlegenden Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen niedergelegt sind, auf die Grundsätze des freiwilligen Engagements sowie die Verantwortung der Freiwilligen und der Organisationen, denen sie angehören, appellieren wir an alle Anspruchsgruppen, die Freiwilligenarbeit gemeinsam zu fördern.

Wir appellieren an alle Freiwilligen,
ihren Glauben an das freiwillige Engagement als kreative und zwischenmenschliche Kraft zu verkünden, die

  • gesunde, dauerhafte Gemeinschaften schafft, welche die Würde aller Menschen achten;
  • die Menschen dazu befähigt, ihre Rechte als Menschen auszuüben und somit ihre Lebensumstände zu verbessern;
  • zur Lösung gesellschaftlicher, kultureller, wirtschaftlicher und umweltbezogener Probleme beiträgt;
  • dank einer weltweiten Kooperation eine menschlichere und gerechtere Gesellschaft aufzubauen hilft.

Wir appellieren an die Führungspersönlichkeiten

  • aller gesellschaftlichen Bereiche, sich zusammenzutun, um starke, sichtbare und leistungsfähige lokale und nationale Freiwilligenzentren als primäre Lenkungsorganisationen für die Freiwilligenarbeit zu schaffen;
  • des Staates, jeder Person das Recht auf freiwilliges Engagement einzuräumen, rechtliche Mitwirkungshindernisse jeder Art zu beseitigen, Freiwillige in ihre Arbeit einzubinden und den nichtstaatlichen Organisationen Mittel zur Verfügung zu stellen, um die effektive Mobilisierung und Führung der Freiwilligen zu fördern und zu unterstützen;
  • der Wirtschaft, die Einbindung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Freiwillige in die Gemeinschaft zu ermutigen und zu erleichtern sowie personelle und finanzielle Mittel zur Entwicklung der nötigen Infrastruktur bereitzustellen, um so die Freiwilligenarbeit zu unterstützen;
  • der Medien, Erlebnisse von Freiwilligen zu schildern und Informationen zu liefern, die Menschen dazu ermutigen und unterstützen, sich freiwillig zu engagieren;
  • in der Bildung, Menschen jeglichen Alters zu ermutigen und zu unterstützen, sich freiwillig zu engagieren, und ihnen so die Möglichkeit zu geben, sich über ihren Einsatz Gedanken zu machen und daraus zu lernen;
  • der Religionen, das freiwillige Engagement als adäquate Antwort auf den geistig-moralischen Appell zu verstehen, anderen Menschen zu helfen und zu dienen;
  • nichtstaatlicher Organisationen (NGO), freiwilligenfreundliche Organisationsstrukturen zu schaffen sowie personelle und finanzielle Mittel bereitzustellen, die für ein effektives Engagement Freiwilliger erforderlich sind.

Gemeinsame Massnahmen erforderlich

Dieser universalen Erklärung aus dem Jahr 2001 fügt Lukas Niederberger, Leiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), zwei Punkte hinzu, die Seniorweb als nichtstaatliche Freiwilligenorganisation voll unterstützen kann:

«Erstens müssen Politik und Verwaltung, Unternehmen und Vereine, Kirchen und Einzelpersonen gemeinsam Massnahmen zur Förderung von Freiwilligenarbeit kreieren und unterstützen, wenn sie eine echte Wirkung erzielen wollen und sollen. Und zweitens müssen Verantwortliche von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auch im virtuellen Raum Möglichkeiten schaffen, um Menschen und Organisationen, die Freiwillige suchen, auf einfache Art zu verbinden mit Personen und Gruppen, die einen sinnvollen Freiwilligeneinsatz leisten wollen. Die Sektor-verbindende Kooperation und das virtuelle Matching tragen dazu bei, unsere Gesellschaft vor dem Abbröckeln des sozialen Kitts zu schützen und mehr Menschen die gesellschaftliche Mitgestaltung zu ermöglichen.»

 

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