FrontKolumnenUnd wenn sie sich bekommen haben: was dann?

Und wenn sie sich bekommen haben: was dann?

Satirische Gedankensplitter: Es darf geschmunzelt werden!

Nein, die Wenigsten stehen dazu, dass sie sich an düsteren, kalten Winterabenden im Fernsehen sogenannte «süsse Filme» anschauen. Dabei erzielen die «Werke» im «Herzkino» traumhafte Einschaltquoten: von Rosamunde Pilcher über Inga Lindström bis Katie Fforde – vom «Traumschiff» über «Traumhotel» bis zu «Kreuzfahrt ins Glück».

Damit ja nicht noch so etwas wie Spannung aufkommen könnte, sind sie alle nach dem gleichen Muster gestrickt. Da sind drei oft nicht mehr ganz junge Leute, zwei davon Gute, eine ist schlecht. Wobei die schlechte sich im Lauf der Handlung als die gute entpuppt. Dabei ist beim genauen Hinsehen sofort erkennbar, wer wer ist, nur schon durch die Aufmachung. Also bei den Frauen ist die schlechte beispielsweise so aufdringlich geschminkt, dass…

So dümpelt das Geschehen vor sich hin, bis ziemlich genau nach einer Stunde und fünf Minuten die Katastrophe passiert: Verwirrung, Verwechslung, Verirrung. Und alles scheint abverheit zu sein. Doch 25 Minuten später sinken sich die Richtigen in die Arme und bekommen sich – nicht selten in letzter Sekunde, bevor das Flugzeug mit dem/der Einen in endlose Ferne entfleucht. Ende.

Und dann? Dann wird der Zuschauer allein gelassen, denn er wird nie erfahren, wie es den Beiden ergangen ist. Haben sie Kinder bekommen (neben denen, die häufig schon aus früheren Beziehungen vorhanden sind)? Leben sie in Wohlstand, in einer Villa oder in einer abbruchreifen Mietwohnung, ist ihre Firma pleite gegangen? Sind sie überhaupt noch zusammen, oder ist er/sie längst abgehauen? Leben sie noch? Fragen, nichts als Fragen.

Gelegentlich kommt schon ein Verdacht auf. Da hat ein Schauspieler bei der Pilcher am Schluss seine angebetete Schwarzhaarige bekommen, und ein paar Monate später jagt der Typ bei der Lindström einer Blonden nach, die er ebenfalls in die Arme schliessen darf. Wo wird der offensichtlich nicht ganz saubere Kerl wohl das nächste Mal auftauchen und sein amouröses Unwesen treiben?

Noch so eine Ungereimtheit. Seit ein paar Wochen kreuzt das «Traumschiff» mit einem neuen Kapitän auf den Weltmeeren, den man bisher eigentlich als Schlagersänger und Show-Moderator kannte. Ja: Ist der Silbereisen jetzt im Hauptberuf Kapitän und betreibt das Schlagergeschäft als Hobby – oder ist es eventuell doch umgekehrt?

Ja, das «Herzkino» hat so seine Geheimnisse, die es nicht preisgeben will. Aber das ist vielleicht auch besser so.

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