Bei welchen Gelegenheiten, Situationen und unter welchen Umständen machen wir Seniorinnen und Senioren uns unbeliebt? Ui, das ist heikel. Denn wir Älteren sind untereinander so verschieden, wie zufällig Blauäugige oder Menschen, die alle exakt 174 Zentimeter gross sind.
Wirklich?
Gibts denn nicht Gemeinsamkeiten, Ansichten, Entwicklungen, die uns mehr oder weniger von den Jüngeren unterscheiden? Ich versuche, solche Merkmale darzustellen. Ja, es sind auch Vorurteile. Und, wichtig: Es gibt immer auch den 180-Grad-Schwenker. Als Beispiel: Viele Senioren sind Jammeri. Und die Rechtsumkehr: Auch Jüngere jammern.

Von zuhinterst zur Pole-Position. Wenn der Zug, das Tram, der Bus kommt, drängelt sich Herr A so vor, dass er zuallererst in den Wagen kommt. Herr A hat einen noch militanteren Kollegen. Es ist Herr B. Dieser lässt die ankommenden Passagiere erst gar nicht aussteigen, sondern ellbögelt sich an ihnen vorbei durch die Tür. Hä ja, er hat ja schliesslich ein Billett gekauft. Drum hat er ein Recht auf den schönsten Fensterplatz. Auf dem Sitz neben sich deponiert er seine Tasche. Weil, wenn da jemand neben ihm sitzen würde, ist das bestimmt so ein alter Ellbögler.
Die Auto-Schnecke hinterlässt eine Kriechspur. Herr PS, also der Autor, zottelt mit 80 auf der leeren Autobahn. Auch bei freier Sicht und einsamer Strasse überholt er nicht. Er fährt 20 in der 30er Zone. Seine Gattin bewirft ihn, den 80-Jährigen, mit nichtzitierbaren Ausdrücken. «Fahr doch nicht so saumässig langsam», ist ihr mildester Vorwurf. «Du behinderst mit deiner Alt-Männer-Fahrerei den Verkehr.» Er, also ich, ist/bin die einzige Häuschenschnecke mit 120 PS und DSG-Getriebe. Meine nicht ganz logische Verteidigung: Andere Senioren schleichen auch.
Die Grapscherin betatscht unschuldige Früchtchen. Frau C prüft im Einkaufszentrum alle, wirklich alle Erdbeerkörbchen, von oben, von unten, von links, von rechts. Ist die Erdbeerenzeit vorbei, macht sies mit den Zwetschgen, den Pfirsichen, den Birnen. Alle einzeln, von oben, von unten undsoweiter, siehe oben. Bei der Grapscherei gibts noch Steigerungen: Die Ultra-Grapscherin riecht auch noch an den Früchten. Ganz nasennah. Und die Nasentröpfli? Und die Schnudernase? Ach was, alles bio.
Der Fünfliberblick und die Fallgrube. Herr D hat bei einem Anlage-Bschiss all sein Geld verloren. Das Muster: Die Gauner rauben Promis ihre Identität und geben vor, dass diese Stars in beliebten TV-Sendungen erklärt haben, wie man ganz ganz schnell zu ganz ganz viel Geld komme. Bloss wenig einzahlen und schon fliessen die Stütz. Alles fake. Doch Herr D glaubte dies und anfänglich machte sein Konto vorwärts. Um zum versprochenen Geld zu gelangen, verlangten die Betrüger von Herrn D, dass er viel Geld nachschiesse. Auch das tat Herr D – bis er blank war. Anders, aber doch fast gleich werden ahnunglose Seniorinnen und Senioren abgezockt: mit dem Enkeltrick, dem Polizeitrick, dem Unfalltrick. Ārgerlich, weils unserem Ruf schadet: «Schon wieder so ein blöder Alter.»
Angsthasen befürchten, dass der Zug zu früh fährt. Da muss der Autor wieder selbst dafür geradestehen. Herr PS kommt, seit er älter ist, viel zu früh zum Bahnsteig. Dann freuen sich er und die anderen Angstbunnies und Angstrammler, dass sie das Schicksal überlistet haben. Weil: Das Tram hätte steckenbleiben können. Eine Demo hätte die Stadt blockieren können (PS wohnt in Bern). Ein Stromunterbruch hätte, ein Wasserrohrbruch könnte, ein Beinbruch würde. Ärgern die Übervorsichtigen jemanden? Ja, den Autor selber. Als er jünger war, haben ihn seine Eltern genervt, die stets viel zu früh am Bahnhof waren.
Bei Frau E leuchtet ständig die Warnlampe. Frau E war nie ihres Lebens froh. Frau E ist jetzt nicht zufrieden. Frau E wird auch morgen, übermorgen und überhaupt nie glücklich sein. Sie hat ein breites Klagespektrum. Schliesslich gibt es immer einen Grund zum Jammern. Gerne klagt Frau E in Gesellschaft. Hä ja, geteiltes Leid ist doppeltes Leid. Sie jammert über die Preise. Sie jammert über das Wetter. Sie jammert besonders gerne über die Jüngeren. Nämlich: Die Kinder sind laut. Die Jugendlichen sind frech. Und die Erwachsenen sind alles Jammeri.
Stellt doch endlich diesen Dauerschwätzer ab. Es gibt Monokulturen, die sind heikel. Es gibt Monopole, die sind problematisch. Und es gibt monotone Senioren, die sind ermüdend. Herr F ist ein solcher Zeitgenosse. Er hat viele gleichgestimmte Kolleginnen und Kollegen. All diese älteren Menschen halten unterbrechungsbefreite Vorträge. Als da sind: über die Enkel, die Krankheiten, das Hobby, das Militär, die früheren Erfolge. Wie stellt man sie ab? Weghören, wegschauen, weggehen.
Wir sind der Schrecken der Pendler. Mit der S-Bahn fahren jeden Morgen ab 6.30 bis 8.30 Uhr ungefähr 25`000 bis 30`000 Pendler zwischen Zürich und Winterthur. Es ist dies die am meisten frequentierte Bahnlinie der Schweiz. Längst nicht alle Reisende können sitzen. In den überfüllten Zügen sind auch viele Seniorinnen und Senioren, unter ihnen Frau G. Sie und ihre Altersgenossen sind unterwegs zum Yoga, zum Schwimmen oder zum Wanderausflug, Zum Glück hört Frau G nicht, was hinter ihr getuschelt wird. «Senioren haben schöne Renten und viel Zeit. Unverschämt, dass sie uns Pendlerinnen auch noch die Sitzplätze wegnehmen.»
Zum Schluss zurück zum Anfang. Dort hiess es: Der Alte schleicht mit seinem Auto. Oft erwidern dann manche: Und was ist mit den Boliden-Rasern? Für diese Satzkombination gibt es einen englischen Ausdruck, der auch bei uns geläufig ist. What aboutism. Auf deutsch braucht man viel mehr Worte, um zu beschreiben was an diesem Kombi falsch ist. Nur weil was anderes auch Schwierigkeiten schafft (Raser), vermindert dies das erste Problem nicht (Schleicher).
Tja, was stimmt bei diesen Klagen, was ist Verleumdung? Gibt es weitere seltsame Eigenheiten von uns Älteren? Wir nehmen Lob und Tadel in unseren Kommentarspalten auf.
Bilder: Emojs, Bearbeitung Peter Steiger

Die Lösung um ohne Geld in der Tasche im Zug,, Tram oder Bus zu fahren heisst
Easy Ride und geht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Lassen Sie sich auf dem SBB-Büro beraten.
Wenn das Personal einen guten Tag hat.helfen sie gerne beim einrichten auf dem i-Phone
oder die Kinder oder Enkel.
Ich reise schon seit Jahren mit Easy Ride und hatte noch nie Probleme.