FrontGesellschaftItalien bereisen heisst noch nicht Italien erleben

Italien bereisen heisst noch nicht Italien erleben

Das sagte sich Beatrice Ruef schon vor einigen Jahren. Und begann, Italienreisenden Italienerlebnisse zu vermitteln. Kleinen Gruppen bietet sie Entdeckungsreisen zu Orten, die man nur besucht, wenn es jemand gibt, der sie kennt und zeigt. Aber was ist denn so besonders daran? Das haben wir Beatrice Ruef selber gefragt.

Seniorweb: Sie organisieren Aufenthalte in Italien. Das tun viele. Was unterscheidet Ihr Programm von jenem anderer Anbieter?

Beatrice Ruef: Wir reisen mit kleinen Gruppen von 6 bis maximal 14 Teilnehmenden. Dies macht uns als Gruppe beweglich und wir können auf individuelle Wünsche eingehen. Unser Motto sagt es: wir vermitteln ein Stück Italien, das man so vielleicht nicht kennt: unvergleichlich schöne Landschaften, Weine, feines Essen, Kontakte mit Einheimischen und mit deren Kultur. Wir besuchen neben bekannten Destinationen Gegenden von grosser Schönheit und kulturellem wie gastronomischem Interesse, die selten besucht werden. In diesem Jahr ist es die Basilicata in Italiens Süden. Stehen touristische Höhepunkte auf dem Programm wie die Costa Amalfitana oder Florenz, nehmen wir uns viel Zeit. Unsere einheimischen Führer kennen immer spezielle Touren und unbekannte Perlen, wir lassen uns von ihnen dahinführen. Unsere Gäste teilen dabei mit uns die herzlichen Kontakte, die wir über die Jahre mit Einheimischen aufgebaut haben.

Wieso gerade Italien? Welche Faszination übt das Land auf Sie aus?

Seit mehr als vierzig Jahren reise ich in Italien. Am Anfang begeisterten mich die Landschaften, die Küsten, die grossen Kulturstädte und die sprichwörtliche Italianità. Mit der Zeit lernte ich den italienischen Alltag kennen, der doch sehr anders ist, als wir ihn bei unseren Ferienerfahrungen aufnehmen. Heute fasziniert mich die Vielfalt Italiens. Es gibt Italien als prägnante Form, jedoch nicht als kulturelle Einheit. Italien hat viele Gesichter, unterschiedliche Traditionen, viele markante Landschaften zwischen den zauberhaften Küsten und den raueren Höhen des Apennins. Dabei entdeckt man die Fussabdrücke vieler Völker, die im Laufe von Jahrtausenden die Halbinsel besuchten, eroberten und prägten. Dieses Ganze fasziniert mich. Mit jeder Reise möchte ich etwas von dieser Vielfalt, die für mich Reichtum bedeutet, für meine Gäste erlebbar machen.

Nehmen Sie auch neue Destinationen in Ihr Programm auf? Welche sind das und nach welchen Kriterien lesen Sie sie aus?

Ich bleibe mit meinen Angeboten in Italien. Schon lange interessiert mich die Region zwischen Rom und Neapel, von Terracina über Gaeta bis Benevento. Der Cilento im Süden Neapels ist eine Wunschreise, und dann wartet natürlich Sizilien. Die erste Städtereise 2021 wird nach Bergamo führen, eine Reise ins „unbekannte Mailand“ steht an, auch für 2021. Es gibt noch unendlich viel zu entdecken, auch in den bekannten Destinationen.

Beatrice und Christoph Ruef in der Nähe von Matera in der italienischen Basilikata, das 2019 Kulturhauptstadt Europas war. 

Auswahlkriterien sind Land und Leute, ihr Leben heute, Traditionen, Kunst, Geschichte, die Sprache und die Landschaften. Ich vertiefe gerne und biete daher gerade in Neapel weiterführende Reisen an. Mein Mann teilt diese Interessen. Mit seinem Wissen und mit seiner Liebe für den Wein wählt er interessante Weinregionen und gestaltet die Weintouren. Weitere Kriterien sind Landschaft und Natur: ich wähle Orte, die besondere Naturerlebnisse ermöglichen, bei Spaziergängen und bei kleinen Wanderungen.

Welche Komplimente bekommen Sie von Ihren Kunden zu hören?

Ich höre, unsere Reisen seien etwas ganz Besonderes, gerade auch von der Programmgestaltung her, hinter der viel Wissen steckt und natürlich die Geheimnisse, die uns unsere einheimischen Führer weitergeben. Sehr geschätzt wird die persönliche Betreuung, die unserer Gäste bei uns geniessen. Und dann werden wir gerühmt für die gute Organisation und die reibungslosen Abläufe. Immer wieder sind unsere Gäste begeistert von der Wahl unserer einheimischen Führer.

Die Anreise an die Destinationen, die Sie anbieten, erfolgt individuell. Ich muss mich also selber um Fahrkarten oder Flugtickets kümmern. Ist das kein Hindernis?

Ja, so ist es, Sie kümmern sich selber um Fahrkarten und Flugtickets. Unsere Gäste sind in der Regel geübte Reisende. Ich schlage jeweils einen Fahrplan vor und empfehle das Reisen mit den Hochgeschwindigkeitszügen, den „frecce“, ab Mailand. Wer Unterstützung wünscht beim Besorgen der Billette, erhält diese selbstverständlich. In der Regel treffe ich meine Gäste am Bahnhof, bei ihrer Ankunft. Wer gerne fliegt, kennt sich gut aus und organisiert seine Reise selber. Ich mache gute Erfahrungen mit diesem System.

Wo treffen Sie Ihre Gäste als nächstes?

Das nächste Treffen ist in Neapel, am Bahnhof, bei der Ankunft meiner Gäste zur Sprachwoche „in giro con l’italiano a Napoli“. Wir fahren zusammen in unser Guesthouse, beim archäologischen Museum, und geniessen erst einmal den üppigen Begrüssungsapéritiv.

Zur Person

Beatrice Ruef organisiert seit 2013 individuelle Reise nach Italien. Ihre Gäste sollen die Städte und Gegenden, die sie besuchen, sozusagen als Einheimische erleben und nicht nur die klassischen Touristen-Hotspots besuchen müssen. Beatrice Ruef ist keinem Reiseveranstalter angeschlossen und will ihre Gäste am Zielort so persönliche wie möglich betreuen. Weitere Infos unter www.italien-erleben.ch.

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