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Durch das Jahr

Wie vielfältig das Schweizer Brauchtum ist, zeigt das Buch «Feste und Bräuche in der Schweiz» von Barbara Piatti mit Illustrationen von Yvonne Rogenmoser. Nach Kantonen und Regionen geordnet, entfaltet sich ein bunter Bilderbogen von bekannten und weitgehend unbekannten Volksbräuchen. Eine wahres Lesevergnügen!

Das Buch «Feste und Bräuche in der Schweiz» von Barbara Piatti und Yvonne Rogenmoser lag schon einige Wochen griffbereit neben meinem Computer. Heute, an einem trüben, nebligen Tag, an dem ich am Morgen verregnet nach Hause gekommen war, strahlte es mich geradezu an. «He, wach endlich auf» bimmelten und schellten mir die Zipfelbemützten (die Bezipfelmützten) mit ihren Glocken des Chalandamarz-Umzuges auf dem Cover in die Ohren. «Bald ist es soweit, der erste März ist nicht mehr weit»!

Ein Buch für alle

Es ist ein Buch für Kinder, aber nicht nur. Und letzteres möchte ich besonders betonen. Es ist ein Buch für Eltern, Grosseltern, Paten und alle, die Kindern mit einem speziellen Ausflug eine fröhliche Überraschung bereiten wollen. Aber nicht nur!

Es ist in meinen Augen ein ausgezeichnetes Buch für Seniorinnen und Senioren, die in Wort und Bild in das reiche Brauchtum der Schweiz eintauchen wollen. Ich warne aber alle. Nehmt das Buch am Anfang eines Nachmittags in die Hand. So rasch werdet Ihr es nicht mehr weglegen.

Um die praktischen Vorzüge gleich abzuhandeln: Es ist ein «Sachbuch», das nach ganz verschiedenen Gesichtspunkten aufgeschlüsselt ist. Und, ich muss es gestehen, ich habe zuerst die geografische Übersicht auf der zweitletzten Seite aufgeschlagen. Für welchen Kanton sind die meisten Bräuche beschrieben? Für den Kanton Bern finden sich acht Schilderungen, für den Kanton Schwyz sind es sechs, für die Kantone Luzern und Wallis vier, andere Kantone haben weniger. Aber alle Kantone sind berücksichtigt, auch die Halbkantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Nidwalden, Obwalden und selbstverständlich auch der Kanton Jura.

Weiter mit den praktischen Angaben. Ebenfalls auf den letzten Buchseiten sind die Bräuche in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt mit den Angaben, wann sie stattfinden und wo. Zusätzlich ist in einem Kurztext farbig beschrieben, was die Besucherinnen und Besucher erwartet. Da heisst es etwa, dass «Bloche» am Montag nach Beginn der Fastenzeit stattfinden und zwar in Schwellbrunn, Hundwil , Stein sowie Herisau und Urnäsch. Da wird ein festlich geschmückter Riesenbaumstamm durchs Appenzeller Hügelland gezogen, mit reiner Muskelkraft. Den Tag beschliesst dann ein Riesenfest. Der Brauch soll die harte und gefährliche Arbeit der Wald- und Holzberufe ehren.

Die Herkunft unserer Bräuche

In der Einleitung erklärt Barbara Piatti mit einfachen Worten, auf wie viele Wurzeln die Bräuche zurückgehen, die unser Jahr gliedern und den Tagen Glanz geben. Viele folgen dem Kalender des Kirchenjahres. Bei anderen sind es die Jahreszeiten oder die Arbeiten auf den Alpweiden, den Feldern, im Wald, im Rebberg, im Stall, welche die Anknüpfungspunkte ergeben. Aber auch den uralten Ängsten vor Geistern und Dämonen in dunklen Winternächten wird mit «Abwehrmassnahmen» entgegen getreten.

Schweizer Brauchtum ist farbig, originell, oft vertraut oder aber eine Entdeckung wert.

Gemeinsam ist den Bräuchen, dass sie die Gemeinschaft stärken durch fröhliches Feiern von Festen als Höhepunkte, aber auch durch das gemeinsame Vorbereiten und Gestalten.

Bekanntes und Unbekanntes

Besonders angesprochen hat mich, dass einerseits die grossen, schweizweit bekannten Glanzlichter ihren Platz im Buch gefunden haben. So habe ich entdeckt, wie viele Figuren mit langen Traditionen sich an den Tagen der Fasnacht an verschiedenen Orten tummeln. Da gibt es den König Rabadan in Bellizona. Ihm wird zu Fasnachtsbeginn der Schlüssel zu den Stadttoren überreicht. Es gibt den «Blätz» in Schwyz mit seinem Hüpftanz. Er soll ein Verwandter des italienischen Bajazzos sein. Oder dann die Röllelibutzen in Altstätten, die gerne mit ihren Wasserspritzen das Publikum nass machen.

Wir treffen aber auch Unbekanntes. Zum Beispiel unter dem Buchstaben «M» neben «Martinimärkte» und «Maronifest» auch das «Mammutflossrennen» im Kanton Thurgau auf Sitter und Thur, das jeweils im Mai stattfindet.

Es gibt «Feuerbräuche», «Holzbräuche», und eine «Lichterschwemme in Ermensee», welche am 6. März an den heiligen Fridolin erinnert. Nicht vergessen sind natürlich Winzerfeste, Volksmusiktreffen und ausgesprochene Kinderfeste. Und selbstverständlich ist auch dem Nationalfeiertag am ersten August der ihm gebührende Platz eingeräumt.

Mit leichter Hand

Mit leichter Feder hat Barbara Piatti in kurzen, gut verständlichen Texten die einzelnen Bräuche, Feste, Ereignisse beschrieben und das Buch gegliedert. Seinen Gehalt aber bekommt es zusätzlich durch die farbigen, ausdrucksstarken Illustrationen von Yvonne Rogenmoser. Diesen ist bei der Gestaltung des Buches grosszügig Platz eingeräumt worden, was ich speziell verdanken will.

So haben wir ein wunderbares Lese- und Bilderbuch vor Augen, das uns in seinen Bann zieht, uns verführt, das wir immer zur Hand haben möchten. Ein Erlebnis, wie ich es manchmal in meiner Kinder- und Jugendzeit mit mir besonders teuren Büchern hatte.

Barbara Piatti, Yvonne Rogenmoser: «Feste und Bräuche in der Schweiz» 2019 NordSüd Verlag AG, Franklinstr. 23, 8050 Zürich. ISBN: 978-3-314-10403-0

Bilder:Walti Göhner und Marcel Langthim auf Pixabay

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