FrontKolumnenEin Virus erfasst uns

Ein Virus erfasst uns

Plötzlich ist alles ganz anders. Die Börsenkurse stürzten weltweit ab, über 10 Prozent in einer Woche. Noch vor vierzehn Tagen boomten sie unbeeindruckt davon, dass tagtäglich Bilder aus der chinesischen Millionen- und Geisterstadt Wuhan, wo das Coronavirus ausbrach, über die Bildschirme flimmerten. Nun erfasst das Virus auch uns, obwohl erst Einzelne in unserem Land davon befallen sind. Der Bundesrat handelte. Die Schweiz wird in den nächsten vierzehn Tagen eine andere sein. Keine Fasnacht in Basel, kein Automobilsalon in Genf, dafür Geisterspiele im Eishockey, Zwangspause im nationalen Fussball, keine Veranstaltung, in der über 1000 Menschen zusammenkämen.

Die Wirtschaft beginnt zu stagnieren, die Versorgungskette aus China ist bereits zusammengebrochen. Viele Teile und Ersatzteile, die im bisherigen Boomland China billig für komplexe Produkte in den USA, in Europa produziert wurden, fehlen zusehends. Und nicht mehr die Meldungen, die Zahlen der infizierten und Toten aus China beherrschen die Bildschirme in Europa, sondern die Nachrichten aus Norditalien, wo ganze Dörfer isoliert, abgeschottet wurden, aus den Regierungszentralen in ganz Europa und insbesondere aus Bern. Selbst in den deutschen Nachrichten-Sendungen wurden die Massnahmen in der Schweiz als vorbildlich zitiert.

Plötzlich werden wir gewahr, dass wir weltweit weit stärker verbunden sind, als uns bewusst ist, dass die Globalisierung alle Grenzen überwunden hat. Und die Viren an keiner Grenze zu stoppen sind. Nur unsere SVP-Eidgenossen scheinen es noch nicht verstanden zu haben. Bis jetzt waren sie, mit an ihrer Spitze Bundesrat Ueli Maurer, vom Staatskapitalismus in China gar fasziniert, weit lieber hatten oder hätten sie eine Wirtschaftsgemeinschaft mit dem kommunistischen Reich der Mitte als mit unseren Nachbarländern, mit der EU. Aeschi und Mörgeli, die Denker der SVP, sahen im ausgebrochenen Virus eine Chance für ihre Kündigungs-Initiative, in dem sie auf die Infizierten aus Norditalien verwiesen. Nach ihnen wäre die Grenze zu schliessen, auch für die Ärzte und Krankenpflegerinnen, die tagtäglich aus der italienischen Grenzregion ins Tessin pendeln, um Kranke zu hegen und zu pflegen.

Sie vergessen oder wollen es nicht wissen, dass gerade Italien weit stärker betroffen ist, nicht weil es ein EU-Land, sondern stark mit China verbunden ist. Es gibt boomende Regionen, auch Städte, wie Prato bei Florenz, die völlig in chinesischer Hand sind. Es gibt berühmte italienische Textilfirmen, die fast alles und billig in China produzieren lassen. Nicht verwunderlich also, dass viele italienische und chinesische Geschäftsleute und Techniker permanent hin- und herreisen, und wenn sie zurückreisten oder –reisen, über welche Wege auch immer, eben das Virus mitbrachten und mitbringen.

Die Corona-Krise beginnt die Welt zu verändern. Sie schafft ein neues Bewusstsein, sie kann die Wirtschaftsbeziehungen verändern, sie kann eine verantwortungsbewusstere Globalisierung schaffen, sie kann zum Klimaschutz beitragen. Sie kann auch Europa stärken und animieren, mehr Verantwortung in der globalisierten Welt zu übernehmen und damit auch uns einbinden, in die Weltregion Europa, die überblickbarer ist.

Kann die Verbreitung gestoppt werden, gibt es in absehbarer Zeit ein Medikament, eine Impfung dagegen? Werden die Massnahmen des Bundesrates genügen? Eines ist ganz sicher: Es gibt auch eine Eigenverantwortung: Hände waschen, immer wieder, aber mit Seife, grosse Menschenansammlungen vermeiden.

Mitte März werden wir mehr wissen. Wir werden wissen, ob wir so weitermachen können wie bisher oder ob wir uns ganz anders ausrichten müssen. Tagtäglich werden wir in den nächsten Tagen mit neuen Zahlen konfrontiert werden. Bleiben wir wachsam, ohne in Panik zu geraten!

5 Kommentare

  1. Er hat wieder zugeschlagen, der Anton Schaller vom Seniorweb. Er sucht und findet immer etwas, um seine ach so böse SVP zu kritisieren. Man muss doch nicht immer der gleichen Meinung sein wie Schaller, doch diesem gefällt es einfach nicht, dass die SVP und ihre Strategen eine eigene Meinung über eine Sache haben und nicht die seine teilen. Diesmal sind seine Worte über diese Partei allerdings etwas gar naiv ausgefallen und grenzen fast an Blödsinn. Herr Schaller, lassen Sie doch künftig diese Giftpfeile gegen die SVP sein und suchen sie eine andere Art der Befriedigung. Es würde Ihnen sicher gut tun.

  2. Lieber Broki3
    Es wäre wohl weit interessanter, wenn Du Dich mit den Fakten auseinandersetzen würdest als mit dem Autor. Beispielsweise damit, dass die Warner von Wuhan beim Ausbruch des Virus von den kommunistischen Herrschern in Peking zuerst weder gehört noch ernst genommen wurden. Im Gegenteil: Sie wurden abgekanzelt. Es durfte nicht sein, was ist, was uns jetzt bedroht: Eine weltweite Epidemie. Jede Annäherung zu diesem kommunistischen System ist doch für eine Parteil äusserst problematisch.
    Und wie wäre es, wenn Du mit vollem Namen zu Deinen Aeusserungen stehen würdest. Die Demokratie lebt auch von der Transparenz. Nur Mut.

    Anton Schaller

    • Mit viel Freude sehe ich, dass Anton Schaller sich endlich mal die Mühe genommen hat, einem Kritiker seiner Kolumnen im Seniorweb zu antworten. Auf seine Erwiderung hin frage ich mich, ob das Corona-Virus nicht entstanden wäre, wenn sich die SVP nicht bemüht hätte, Geschäftsbeziehungen zwischen der Schweiz und China aufzubauen. Wohlverstanden Beziehungen nicht der Partei, sondern des Landes zu China. Dies zeigt doch auch deutlich, dass die SVP in keiner Weise eine Isolation der Schweiz möchte, wie es ihr immer wieder vorgeworfen wird. Auch mit Europa versucht die Partei, gegenseitige faire Geschäftsbeziehungen wie seit jeher zu behalten, allerdings nicht um jeden Preis. Die Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Demokratie dafür aufzugeben, ist einfach keine Alternative. Wenn Schaller schreibt, dass jede Annäherung einer Partei zu einem kommunistischen System äusserst problematisch sei, dann müsste er dies eher einer andern grossen Schweizer Partei vorwerfen, aber sicher nicht der SVP.
      Die Vergangenheit hat mich gelehrt, mit einem Pseudonym zu arbeiten, um keine negativen Reaktionen privat und geschäftlich zu provozieren. Dies werde ich auch weiterhin tun, trotz der Transparenz-Initiative. Für Anton Schaller soll es wichtig sein, nicht wer, sondern was ein Leser seiner Kolumnen zu seinen Überzeugungen meint. So wird er sich weiterhin mit dem Borki3 begnügen müssen.

  3. Hoppla. Da nimmt Borki3 für sich ein Pseudonym in Anspruch, um “keine negativen Reaktionen privat und geschäftlich“ – gegen sich – „zu provozieren“. Schützt er sich also deshalb, dass er gut getarnt andere “privat und geschäftlich provozieren“ kann.

    Immerhin ist Dein Ton, lieber Broki3, in Deiner Antwort, etwas milder ausgefallen.

    • Da hofft der Borki3 nun, dass auch die Worte von Anton Schaller gegenüber der SVP künftig etwas milder ausfallen. Und wie gesagt, nicht die Person, sondern die Meinung des Lesers soll für den Kolumnisten interessant sein. Man muss dem angeborenen Gwunder nicht immer nachgeben.

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