FrontKolumnen(Un)-heimliche Profiteure

(Un)-heimliche Profiteure

Warum nur schaut mich unser Hund – nein, eigentlich eher ein Hündchen…einigen wir uns doch auf kleiner Hund. Warum also schaut mich der kleine Hund seit ein paar Tagen immer öfter so seltsam an, seine grossen, schwarzen, treuen Augen rollend? Warum gehorcht er zunehmend ein bisschen weniger, lässt sich mehr Zeit, wenn man ihn ruft? Warum stellt er sich auf dem besten Sessel im Haus schlafend, obwohl ich deutlich sehe, dass er ganz verschmitzt blinzelt? Und warum ist nicht zu übersehen, dass er nach dem Fressen ultimativ eine Zusatzportion verlangt?

Es dauerte eine ganze Weile, bis bei mir der Groschen fiel. Nein, lesen kann unser Vierbeiner (noch) nicht, aber die Tagesschau verfolgt er interessiert, und er hat durchaus mitbekommen, dass zurzeit etwas nicht stimmt. Als er hörte, dass eine Ausgangsperre nicht mehr ausgeschlossen werden könne, das Gassi gehen mit Hunden notgedrungen eine Ausnahme bilden würde, stellte er aufmerksam das eine Ohr – und war von Stunde an verändert, wie eingangs geschildert.

Er hatte begriffen, welches Potenzial unvermittelt in ihm steckt! Er ist der Schlüssel zur Haustür und dem Gang nach draussen geworden. Man soll ihm gefälligst flattieren, sonst bleibt er ganz einfach im Körbchen liegen. Ein Guetsli zur Belohnung (im Voraus zu entrichten) ist selbstverständlich. Und so wird die sonst schon oft zur eher mühsamen Pflichtübung verkommene Versäuberung unseres Lieblings zur Abwechslung im tristen Alltag, um die sich die ganze Familie reisst.

Und die andern Hunde im Quartier scheinen es ebenfalls erlickt zu haben. Gestern hörte ich deutlich das Bellofon, mit dem sie sich lautstark austauschten. «Jetzt sind wir die Könige und zeigen es den Zweibeinern! Nicht unbedingt unsern Herrchen und Frauchen, mit denen wir ja leidlich zufrieden sind. Nein, jenen Typen, die uns nicht mögen, mit bösen Blicken eindecken, uns schmutzig finden, uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlecht machen. Die müssen jetzt in der Wohnung bleiben, eifersüchtig ihre Nase am Fenster platt drücken, wenn wir hoch erhobenen Schwanzes an ihrem gepflegten Rasen schnuppern – oder ähnlich!»

Und so hatte ich unvermittelt eine blendende Idee. Auch in Zeiten der Krise versuchen Schlaumeier ihr Geschäft zu machen, bieten zu horrenden Preisen Schutzmasken an oder brauen irgendwelche Wässerchen zur Desinfektion zusammen. Auch gehortetes WC-Papier wird auf den Schwarzmarkt geworfen, in Form von ganzen Rollen oder einzelnen Blättern zu kaufen. Da könnte ich doch auch mein Scherflein ins Trockene bringen und meinen kleinen Hund vermieten, damit auch unsere gequälten Nachbarn legal an die frische Luft kommen, ohne sich nach Mitternacht in den dunklen Garten schleichen zu müssen.

Doch ich weiss nicht recht. Auch wenn im Vermietungsvertrag der Passus stehen würde, «das Tier ist nach Gebrauch gereinigt und desinfiziert zurückzugeben» ist mir nicht recht wohl bei der Sache. Denn wenn ich in die grossen, schwarzen, treuen Augen blicke…

3 Kommentare

  1. Schnüge! Herzerwärmend aufmunternd!
    Beste Gesundheit allen Zwei- und Vierbeinern und viel Freude bei hoffentlich ausgedehnten Runden …

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