FrontGesundheitCorona-Testcenter der UZH entlastet Hausärzte

Corona-Testcenter der UZH entlastet Hausärzte

Die Universität Zürich hat das Zentrum für Reisemedizin in ein COVID-19-Testcenter umfunktioniert. Es ergänzt das bestehende Testangebot der Hausärzte im Kanton Zürich und richtet sich an weitere Personen im Gesundheitswesen.

Wo bis vor Kurzem noch Reisende geimpft wurden, wird neu auf Corona getestet: Die Universität Zürich reagiert auf die Pandemie und stellt ein umfassendes Testangebot mit hohem Qualitätsstandard auf die Beine. Unter der Leitung von Professor Jan Fehr, Departementsleiter Public & Global Health und Infektionsexperte, wurde das Zentrum für Reisemedizin in kürzester Zeit in ein COVID-19-Testcenter umgewandelt. In erster Linie sollen damit Hausarztpraxen, die nicht selber testen können oder wollen, entlastet werden. Das Angebot richtet sich weiter an das Personal der Universität Zürich und der ETH, welches Kontakt mit Patientinnen und Patienten hat, sowie an weitere Personen im Kanton, die im Gesundheitswesen arbeiten. Es werden auch Röntgenuntersuchungen vorgenommen, damit keine Lungenentzündungen verpasst werden.

Rasches Handeln in der Krise

«Wir wollten in dieser akuten Situation konkret etwas anbieten», sagt Testcenter-Initiator Jan Fehr. «Da lag es nahe, das zurzeit kaum besuchte Reisezentrum auf Minimalbetrieb herunterzufahren und umzufunktionieren.» Über 100 Hausärztinnen und Hausärzte im Kanton Zürich testen schon auf COVID-19. Doch nicht jede Hausarztpraxis ist dafür eingerichtet: «Die Hausärzte stehen vor der Herausforderung, COVID-Patienten von den anderen Patienten räumlich zu trennen, um Ansteckungsrisiken zu minimieren», sagt Oliver Senn vom Institut für Hausarztmedizin. «Nicht alle können das in ihren Räumlichkeiten. Hier kann das Angebot der Universität Zürich entlasten.»

Das neue Center der UZH erhöht die COVID-19-Testkapazität des Kantons Zürichs. (UZH) 

Da COVID-19-Tests in der Schweiz nach wie vor knapp sind, hält sich das Testcenter an die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit BAG, wonach nur Personen mit Symptomen und einem erhöhten Risiko getestet werden. Zu Beginn sollen bis zu 60 Personen am Tag getestet werden; je nach Möglichkeiten und Bedarf kann das Angebot laufend ausgebaut werden. «Wir hoffen, dass die Laborkapazitäten bald höher sind und wir auch breiter testen können» sagt Fehr.

Infektionsexperte Jan Fehr vor dem zum Corona-Testcenter umgenutzten Zentrum für Reisemedizin der UZH. Bild: beamue

Nach einer Zuweisung durch die Hausärztin oder einen personalärztlichen Dienst folgt eine Vorbesprechung am Telefon. Qualifiziert sich die Person für den Test, erhält sie einen Testtermin. Das Testresultat wird nachbesprochen. Im Falle eines positiven Tests erhält die betroffene Person Instruktionen zur Heimisolation und wird durch den zuweisenden Arzt weiterbetreut.

Über Corona hinausdenken

Doch auch ein negatives Testresultat bedeutet nicht, dass die Person gesund ist und in jedem Fall ohne weitere Abklärung nach Hause geschickt werden sollte. «Wir denken über Corona hinaus», sagt Milo Puhan, Direktor des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der UZH. «Wir wollen auf keinen Fall Lungenentzündungen verpassen, die nicht durch das Corona-Virus ausgelöst wurden. Sie sind in der Schweiz immer noch eine der häufigsten Krankheits- und Todesursachen unter den Infektionskrankheiten.» Das Testcenter der Universität Zürich arbeitet deshalb eng mit dem Universitätsspital zusammen und hat mit der Radiologie ein Röntgenangebot vor Ort eingerichtet. So können beispielsweise auch Lungenentzündungen erkannt werden, die nicht im Zusammenhang mit dem Corona-Virus stehen.

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