FrontKolumnenStille Ostern – angespannte Stimmung?

Stille Ostern – angespannte Stimmung?

Der Widerspruch ist offensichtlich. Die Strassen sind leer, in den Innenstädten herrscht eine ungewohnte Stille, die Gotteshäuser sind geschlossen, der Stau am Gotthard ist ausgeblieben. Wenn sich auch die Wenigen, die ins Tessin wollten, sich nicht beirren, auch von den mahnenden Urner Polizisten nicht aufhalten liessen, vermochten sie das Tessin nicht zu überfluten. Sie mussten unbedingt ihre Ferienhäuser, ihre Eigentumswohnungen beleben, sie mussten den Rasen mähen, die Gärten pflegen. Seis ihnen gegönnt.

Auf der anderen Seite liess uns gerade in der stillen Osterzeit immer und immer wieder eine Frage nicht zur inneren Ruhe kommen: Wann können wir aufatmen, wann können wir mit einiger Sicherheit darauf vertrauen, nicht mehr angesteckt zu werden? Wann kann im grösseren Zusammenhang der Bundesrat die drastischen Massnahmen lockern? Immer mehr werden wir gewahr, dass viele kleine Selbständigerwerbende, mutige Startup-Unternehmer zwischen die sozialen Maschen fallen, nicht aufgefangen werden von den vom Bundesrat gesprochenen Milliarden. Und der Bundesrat immer noch an einer Lösung für die rund 270’000 Menschen sucht, die gerade während der Osterzeit um ihre Existenz bangen. Dass bereits Kriminelle am Werke sind, die sich trickreich der Gelder bedienen, die unbürokratisch verteilt werden sollen.

Im kleinen, noch erlaubten Kreis, steht in diesen Ostertagen nur noch ein Thema zur Debatte: das Corona-Virus und seine tiefgreifenden Folgen. Was bedeutet das für jeden Einzelnen, für die jeweilig kleine Gemeinschaft Familie, für Partnerschaften, für das Dorf, für die Stadt, für unser Land, für die ganze Welt, die der Pandemie anheim gefallen ist. Grundlagen der Gespräche sind eigene Erkenntnisse aufgrund unzähliger Statistiken, die uns jeden Tag durch die Medien vermittelt werden. Viele Statistiken sind in sich widersprüchlich, nehmen zu anderen Daten Bezug, die nicht so genau zu erkennen sind. Aufbereitet in Grafiken werden Statistiken der Länder untereinander verglichen, ohne auf die unterschiedlichen Daten im Detail Rücksicht zu nehmen. Und und und …

Mit diesen Erkenntnissen wird sich der Bundesrat nächste  Woche auseinandersetzen müssen, wenn er zu einem Konzept zum Einstieg in den Ausstieg aus den drastischen Massnahmen kommen will. Er wird mit Experten aus dem Wirrwarr herausfinden müssen. Und die Medien, nehmen sie ihre Aufgabe wahr, wenn sie im Vorfeld spekulieren, schon jetzt Experten, Virologen, Ökonomen fragen, sie verweisen lassen, wie er denn vollzogen werden soll und wenn überhaupt: der Ausstieg in den Einstieg in die Normalität? Statt spekulieren zu lassen, hätten sie eine weit vornehmere Aufgabe. Sie hätten zu sortieren, sie hätten zu beobachten, was geschieht und warum es geschieht. Sie hätten auch die Experten zu hinterfragen, statt sie gegeneinander auszuspielen, wie sich Deutschlands erster Virologe Christian Dorsten beklagt: Die Journalisten schürten „Gegensätze, gar Konflikte, die sie noch zuspitzten“.  Gegenüber der Wochenzeitung „Die Zeit“ wurde er noch deutlicher: Er sei wütend, wie „Personen für ein Bild missbraucht werden, das Medien zeichnen wollen, um zu kontrastieren“.

An sich müsste in jedem Artikel die unsichere Datenlage und die daraus entstehenden Annahmen transparent gemacht werden. Dazu braucht es Zeit. Die steht den heutigen Journalisten nicht mehr zur Verfügung, für schnell gemachte Interviews aber schon. Wenn ich jeweils am Morgen die Zeitungen lese, stellt sich mir jeweils die Frage: Wäre weniger nicht mehr? Und wem von den Interviewten in den Sonntags-Zeitungen ist zu glauben? Magdalena Martullo Blocher, die immer gerade auf der populistischen Welle reitet. Zuerst die Grenzen dicht machen wollte, jetzt die Schleusen so schnell wie möglich öffnen will und dabei Bundesrat Berset auf schärfste attackiert? Oder dem Banker und ehemaligen Präsidenten der Nationalbank, Philippe Hildebrand, der den Bundesrat für sein umsichtiges, kluges Regieren lobt und meint: „Die Krise widerlegt alle, die den Schweizer Sozialstaat verteufelt haben.“

Und ich frage mich immer wieder, wenn es um die Zahlen der Toten geht: Wer ist nun a n Corona und wer m i t Corona gestorben, hatte die Person schon Vorerkrankungen?  Eine genaue Statistik dazu habe ich noch nicht gefunden. Hoffentlich hat sie der Bundesrat, wenn er nächste Woche das Konzept Ausstieg entwirft und verabschiedet.

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